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Glasscherben gurgeln mit Tom Waits

Lehrte Glasscherben gurgeln mit Tom Waits

Was muss man tun, damit eine Stimme so klingt wie jene von Tom Waits? Er habe dafür mit Glasscherben gegurgelt, sagt Christoph Knop schmunzelnd. Mit seinem wie in Whisky gebadeten Gesang kommt der Bandleader am Mittwochabend im Anderen Kino tatsächlich der Charakterstimme von Tom Waits ganz, ganz nahe.

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Christoph Knop (von links) Heiko Preller, Elke Scheifele, Boris Eisenberg und Kersten Flenter bringen Musik und Texte von Tom Waits auf die Bühne im Anderen Kino.p

Quelle: susanne Hanke

Lehrte. Gemeinsam mit seiner Band begibt sich Knop auf die Spuren der Musik und der Texte des eigenwilligen amerikanischen Barden und Songwriters. Man müsse sich auf die ganze Sache erst mal einlassen, meint auch Kersten Flenter. Er widmet sich an dem Abend ganz speziell der Übersetzung jener Texte, die Waits als Ansagen bei seinen Konzerten nutze. Flenter rezitiert mit sicherem Gespür die außergewöhnliche Sprache und deren oftmals abstrusen Inhalt.

Vergeblich wartet das Publikum oft auf die Pointe. Die gibt es nicht. Was bleibt ist jedoch stets der Genuss an der rauen Poesie des kantigen Amerikaners, die sich oft auf gesellschaftliche Brüche und die Liebe konzentriert. „Ich mag schöne Melodien, die Schreckliches erzählen“, hieß es da.

Die Musik becirct dagegen mit einem herrlichen Saxofon, das Elke Scheifele kontrastreich und pointiert spielt und den bisweilen erdigen Sound der Musik etwas luftiger macht. Zwischendurch lernt das Publikum auch noch allerhand über Waits’ Kompositionskunst. Er habe oft auf schlichte Grundkompositonen gesetzt, die aber eine hohe Disziplin bei den ausführenden Musikern erfordern, sagte Schlagzeuger Heiko Preller. Und es sei eben nicht alles nur eine Mischung aus Jazz, Blues und Rock. Waits habe eben auch die Oper „Der Freischütz“ in ein eigenwilliges und neues musikalisches Kleid gehüllt.

Alles in allem erleben die Gäste im Anderen Kino einen außergewöhnlichen Abend. Zwischen humorvoller, skurriler Eigenwilligkeit und feinsinnigem Gespür. Eine abenteuerliche Gratwanderung zwischen Dilettantismus und Höhenflug.

Von susanne Hanke

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