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Abriss: Stück Stadtgeschichte verschwindet

Lehrte Abriss: Stück Stadtgeschichte verschwindet

Ein Stück Lehrter Zeitgeschichte verschwindet: Am Montag, 25. Juli, beginnt der Abriss des Gebäudeensembles an der Parkstraße 17. Es macht Platz für eine mögliche Erweiterung des nebenan entstehenden Quartiers 16. Über die bewegte Geschichte des einstigen Wohn- und Geschäftshauses erzählen Horst Selant und Hans Nickisch.

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Horst Selant (links) und Hans Nickisch erinnern sich gut an die Pferdefleischerei Rust und die Gaststätte in der Parkstraße 17.

Quelle: Sandra Köhler

Lehrte. Eine echte Zukunft hat der alte Backsteinbau an der Parkstraße schon lange nicht mehr. Er gehört nun der Lehrter Wohnungsbaugesellschaft. Diese hatte nach dem Tod einer langjährigen Mieterin mit Wohnrecht beschlossen, das Gebäudeensemble abzureißen. Ab 2018 könnte dort ein dreigeschossiger Bau entstehen, der sich an der Architektur des angrenzenden Quartiers 16 orientiert und Geschäftsräume im Erdgeschoss sowie zwölf bis 15 neue Wohnungen bietet.

Als alteingesessener Lehrter kann sich der 87-jährige Horst Selant, ehemaliger Sozialdezernenten der Stadt Lehrte, noch gut an die wichtige Rolle erinnern, die das Gebäude an der Parkstraße nach dem Zweiten Weltkrieg hatte: „Dort war die Pferdeschlachterei Rust ansässig. Vorn war das Ladengeschäft, im Quergebäude befanden sich die Pferdeställe und das Schlachthaus, und hinten gab es die Gaststätte. Bei Wirt Hannes Koll haben Hans-Otto Bodemann und ich im Klubraum zum Tanz aufgespielt. Er Klavier, ich ein Akkordeon, das vorn und hinten die Luft verlor.“

Auf 20 Quadratmetern seien dienstags und sonnabends einfach die Stühle an die Wand geschoben worden. „Der Krieg war vorbei, die Menschen wollten wieder leben“, sagt Selant: „Geld haben wir fürs Musikmachen nie bekommen, sondern Naturalien.“

Aus diesen Anfängen sei später die Kapelle Monika entstanden. Auch die hatte eine Beziehung zur Schlachterei Rust: „Unser Bandleader war Günther Lyke, der Schlachtergeselle.“ Essen, das sei nach dem Krieg eines der wichtigsten Dinge gewesen, sagt auch Selants Bekannter, der 79-jährige Hans Nickisch: „Was zu futtern und einen warmen Hintern, das wollten die Leute damals.“

Der Flüchtling aus Schlesien hatte sich, weil er die Chance auf bessere Versorgung witterte, mit Frank, dem Enkel des Fleischermeisters aus der Parkstraße, angefreundet. „Wenn da geschlachtet wurde, dann standen die Leute 50 Meter die Straße runter Schlange“, erinnert er sich: „Alle wollten am liebsten von Thea bedient werden, der Mutter Franks. Das war eine mitfühlende Frau. Wenn sie sah, dass es einem nicht so gut ging, bekam man auch mal 100 Gramm mehr.“

Von Sandra Köhler

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