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Körperverletzung: Gericht verurteilt Narkosearzt

Lehrte Körperverletzung: Gericht verurteilt Narkosearzt

Ein Narkosearzt des Klinikums Lehrte hat sich der Körperverletzung schuldig gemacht. Das Amtsgericht Lehrte verurteilte ihn am Dienstagvormittag zu einer Geldstrafe von 4800 Euro. Der Mediziner hatte eine Patientin bei der Vorbereitung auf eine Operation mit der Narkosemaske an der Lippe verletzt.

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Das Amtsgericht Lehrte verurteilt einen Narkosearzt zu einer Geldstrafe.

Quelle: Uli Deck

Lehrte. Die Vorgeschichte des Prozesses, aus dem der Mediziner nun als Verurteilter hervorgeht, mutet bizarr an. Am Himmelfahrtstag 2015, dem 14. Mai, soll die Patientin im Klinikum an der Manskestraße wegen eines Abszesses am rechten Arm operiert werden. Zuvor waren bereits OP-Termine mit der Frau geplatzt. Und auch am Himmelfahrtstag gibt es Probleme. Wegen ihrer langjährigen Drogenabhängigkeit sind die Venen der Patientin stark geschädigt. Daher gelingt es dem OP-Team zunächst nicht, der Frau in ihrem linken Arm einen Zugang für das Narkosemittel zu legen.

Um die Patientin trotzdem in Tiefschlaf zu versetzen, greift der Anästhesist zu Narkosegas, verabreicht durch eine Maske. Erst danach will er den Venenzugang legen. Das habe er auch im Vorfeld mit der Patientin besprochen, erklärt der Mediziner vor Gericht. "Durch die starke Vernarbung der Arme war schon abzusehen, dass ein Plan B erforderlich ist", schildert er Richter Robert Glaß.

Die Patientin befürchtet indes, dass ihr Arm "noch weiter zerstochen" wird. Deshalb habe sie laut ihrer Aussage mit dem Arzt gemeinsam nach einer anderen Lösung als jener mit der Narkosemaske suchen wollen. Der Mediziner gibt vor Gericht an, er habe die Frau auf dem OP-Tisch fixieren wollen, damit sie durch ihr unruhiges Verhalten nicht hinunter fällt.

Was dann passiert nennt die Patientin im Prozess "überraschend": Der Arzt habe versucht, ihr gegen ihren Willen von hinten die Gummimaske aufzusetzten. Dabei habe er sie an der Schulter festgehalten. Sie habe sich gewehrt. Erst als er OP-Schwestern zur Hilfe gerufen habe, habe sich die Situation beruhigt. Bei all dem zieht sich die Patientin eine kleine Verletzung an der Lippe zu. Fortführen will die Patientin den Eingriff daraufhin nicht mehr.

Im Prozess am Amtsgericht sieht sich der Mediziner scharfen Vorwürfen ausgesetzt. Er hätte die Patientin einfach gehen lassen sollen, merkt die Staatsanwältin an. Schließlich könne die Frau nicht zu einer Operation gezwungen werden. Der Arzt betont indes die Dringlichkeit der angesetzten Operation. Er habe die Patientin mithin nur für den Chirurgen vorbereiten und damit seinen Job machen wollen. Der Verteidiger des Mediziners plädiert daher auf Freispruch. Sein Mandant hätte sicher gelassener reagieren können, der Vorwurf der Körperverletzung sei aber übertrieben.

Das sieht Richter Glaß schließlich anders: Mit einer wichen Gummimaske eine solche Verletzung an der Lippe herbeizuführen sei ganz klar Körperverletzung, urteilte er. Der Arzt hätte die weitere Behandlung der Frau unterlassen müssen. "Ich vermisse die Einsicht des Angeklagten", sagte Glaß. Denn für einen Arzt sei Einfühlungsvermögen erforderlich. Sein Urteil: 60 Tagessätze à 80 Euro.

Von Elena Everding

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