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Aldi-Zentrallager: Mega-Projekt macht angst

Lehrte Aldi-Zentrallager: Mega-Projekt macht angst

Aldi will südwestlich von Aligse ein neues Zentrallager bauen - bis zu 17,5 Meter hoch und mit einer Größe von acht Fußballfeldern. Dieses bereits vor mehreren Monaten angekündigte Mega-Projekt sichert nicht nur viele Arbeitsplätze in der Stadt, sondern macht auch angst. Die Aligser befürchten unter anderem mehr Verkehr im Dorf und mehr Lärm. Am Mittwochabend berät der Rat.

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Das alte Aldi-Zentrallager in Sievershausen ist dem Unternehmen zu klein. Es soll durch einen sehr viel größeren Neubau in Aligse ersetzt werden.

Quelle: Achim Gückel

Aligse. Für Frank Seger ist die Sache klar. Das gigantische Aldi-Zentrallager, dass in Verlängerung des Gewerbegebiets Mergelfeld entstehen soll, werde "eine beispiellose Langzeitwirkung für die gesamte Aligser Kulturlandschaft entfalten", meint der Ortsbürgermeister von Aligse, Kolshorn und Röddensen. Entsprechend kritisch müsse man jetzt die Planungen des Projekts begleiten. Der Aligser Ortsratsherr und SPD-Fraktionschef im Lehrter Rat, Bodo Wiechmann, drückt es anders aus, was die Leute im Dorf bewegt: "Wir wünschen uns eine gute Nachbarschaft mit Aldi. Wir möchten von denen nichts hören und sehen."

Am Mittwoch will der Rat der Stadt die für die Aldi-Ansiedlung notwendige Änderung des Flächennutzungsplans sowie den Bebauungsplan auf den Weg bringen. Das Zentrallager, für dass Aldi bereits gut 170.000 Quadratmeter Fläche angekauft hat, soll nach dem Willen des Konzerns so schnell wie möglich entstehen. Das Bauleitplanverfahren könnte in etwa einem Jahr beendet sein. Danach will Aldi umgehend die Bauanträge stellen und mit seinem Projekt beginnen. Wenn das neue Zentrallager seine Arbeit aufnimmt, soll im Gegenzug das alte Aldi-Lager in Sievershausen geschlossen werden. Es ist mittlerweile zu klein. Grundsätzlich begrüßt Lehrtes Stadtspitze den Verbleib des Gewerbesteuerzahlers im Stadtgebiet, der viele Arbeitsplätze bindet.

Die Aligser sorgen sich indes besonders um den Verkehr, welchen der gigantische Warenumschlagplatz verursachen wird. Aldi argumentiert, dass die Belieferung des Zentrallagers zu 99 Prozent über eine neu zu schaffende Anbindung an die Westtangente und damit zur Autobahn2 geschehen soll. Dass diese neue Straße gebaut wird, ist nicht nur den Aligsern wichtig. Auch die Politiker im Bau- sowie im Umweltausschuss betonten die besondere Bedeutung dieser Anbindung. Nach bisherigen Berechnungen Aldis werden von den Lastwagen, die das Lager in Richtung Märkte verlassen, rund 34 zusätzlich durch Aligse rollen.

Aber auch die sogenannten Kompensationsmaßnahmen, also Neuanpflanzungen und die Gestaltung von Grünflächen, sind jetzt ein gewichtiges Thema. Der Ortsrat fordert von Aldi laut Ortsbürgermeister Seger eine "Allee der guten Nachbarschaft" - eine Bepflanzung von der Bundesstraße 443 bis zum künftigen Aldi-Grundstück. Die Dorfpolitiker wollen außerdem einen 35 Meter breiten Grünstreifen im Norden der Fläche erhalten wissen. Laut Bebauungsplan sollte dieser erst auf 15, jetzt auf 10 Meter reduziert werden. Für mehr Grün habe Aldi kein Geld, erläuterte Projektplaner Rouven Gercke im Ortsrat. Er hatte in mehreren Ausschusssitzungen zuvor aber auch betont, dass man in der weiteren Planung des gigantischen Projekts mit den Gremien und den Bürgern in enger Abstimmung und in aller Offenheit arbeiten wolle.

Und noch etwas macht den Aligsern Sorgen: Aldi möchte gern einen Werbepylon an sein neues Lager platzieren. Der Ortsrat lehnt das mit Hinweis auf die optischen Auswirkungen ab. Solch ein Pylon sei ohnehin irreführend, heißt es, denn es handele sich bei dem Lager ja nicht um eine Verkaufsfläche, auf die man Kunden hinweisen müsse. Die Abstimmung über die Änderung des Flächennutzungsplans sowie über den Bebauungsplan ergab im Ortsrat ein uneinheitliches Bild: vier Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme und zwei Enthaltungen.

Die Diskussion geht am Mittwoch, 22. Juni, ab 18 Uhr im Lehrter Rat weiter. Das Gremium tagt im Kurt-Hirschfeld-Forum, Burgdorfer Straße 16.

Stellungnahme des Ortsbürgermeisters

Frank Seger, Ortsbürgermeister von Aligse, Kolshorn und Röddensen, sagt zur Ansiedlung des riesigen Aldi-Zentrallagers zwischen dem südwestlichen Ortsrand und der Autobahn 2 das Folgende: "Aligse hat bereits in der Vergangenheit sehr viel an altem Ackerland für neues Gewerbe hergeben müssen. Daher ist eine ausgewogene Kompensation, die sich endlich auch bei uns konkret vor Ort zeigt und wirksam wird, längst überfällig. Es kann nicht angehen, dass das ganze gigantische Industrieprojekt ein einziges Wunschkonzert für Aldi wird - in dem das Dorf Aligse allenfalls die letzte Geige spielen soll. Ich denke im Blick auf die geplante Aldi-Ansiedlung momentan eher noch an eine Begegnung der dritten Art: Da landet irgendetwas Großes in der Aligser Feldmark - und niemand kann sagen, wer oder was da am Ende rauskrabbeln wird."

Von Achim Gückel

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