Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
"Beschissenster Tag in meinem Leben"

Schiedsrichter Babak Rafati "Beschissenster Tag in meinem Leben"

Babak Rafati sah keinen Sinn mehr im Leben. Der Bundesligaschiedsrichter schnitt sich die Pulsadern auf. Das war 2011. Am Donnerstagabend, fast genau zwei Jahre später, schildert er in Lehrte beeindruckend offen, wie er den Weg aus seiner Depression zurück ins Leben fand.

Voriger Artikel
Jugendleiter sind längst unverzichtbar
Nächster Artikel
Abend der Kleinkunst nun als Doppelpack

Schonungslos offen: Babak Rafati nimmt kein Blatt vor den Mund.

Quelle: Katja Eggers

Lehrte. „Der 19. November 2011 war der beschissenste Tag in meinem Leben und im Nachhinein auch ein wunderschöner Tag - weil ich ihn überlebt habe“, sagt Babak Rafati. An diesem Tag versuchte sich der damalige DFB-Schiedsrichter unmittelbar vor der Bundesligapartie zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05 das Leben zu nehmen. Seine Assistenten fanden ihn mit aufgeschnittenen Pulsadern in der Badewanne seines Hotelzimmers. Zwei Jahre später ist Rafati in der Alten Schlosserei zu Gast. Auf Einladung von Lehrtes Gleichstellungsbeauftragter Annette Wiede spricht der Hannoveraner anlässlich des Internationalen Männertags darüber, wie ihn seine Depression bis in den Suizidversuch getrieben hat. Der Saal ist so voll, dass zusätzliche Stühle aufgestellt werden müssen.

Die panische Angst, auf dem Platz zu versagen, der permanente Leistungsdruck im Fußballbusiness und die ewigen Selbstzweifel - all das habe sich über Monate in ihm angestaut und in dieser Nacht entladen, sagt Rafati. Seine Botschaft wird schnell deutlich. Er will die Menschen mit seiner Geschichte aufrütteln, er will über seine Erfahrungen sprechen, er will „das Thema Depression an den Mann bringen, weil es in der heutigen Leistungsgesellschaft immer noch ein Tabu ist“, wie er sagt. Eigentlich soll Rafati auch aus seinem Buch „Ich pfeif auf den Tod - wie der Fußball mich fast das Leben kostete“ lesen. Aber am Ende sind es nur wenige Seiten, die er daraus vorträgt. Denn viel wichtiger ist ihm das Gespräch mit seinen Zuhörern. Im Publikum sitzen sowohl Fußballfans und Schiedsrichter als auch Männer, die selber von Depressionen betroffen sind oder waren und deren Angehörige. Viele stellen Fragen, gestehen offen, sich in Rafatis Schilderungen wiederzuerkennen.

Rafati will Männern Mut machen, zu ihren Schwächen und Gefühlen zu stehen. „Auch Männer dürfen weinen“, sagt er. Die Zuhörer nicken. Er selbst habe als Mann immer stark sein wollen und Probleme in sich hineingefressen. Frauen seien da anders. Wenn sie etwas bedrücke, würden sie das Gespräch suchen. In einer Therapie im Klinikum Wahrendorff habe er genau dies nun jedoch gelernt, sagt Rafati: „Den eigenen Kummerkasten zu leeren, bevor er zu voll wird.“

Katja Eggers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Ex-Schiedsrichter im Interview
"Ich bin Fan der 19. Mannschaft": Ex-Schiedsrichter Babak Rafati im HAZ-Interview.

Ex-Schiedsrichter Babak Rafati spricht im Interview mit HAZ-Redakteurin Tatjana Riegler über seinen Weg zurück ins Leben, seine Leidenschaft für den Fußball und einen Kaffee mit Herbert Fandel.

mehr
Mehr aus Nachrichten
doc6wbt7cj29kp1eoa8pdow
Tausende Besucher strömen zum Dreschefest

Fotostrecke Lehrte: Tausende Besucher strömen zum Dreschefest