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Unbegleitete Minderjährige: Lehrte ist Vorreiter

Lehrte Unbegleitete Minderjährige: Lehrte ist Vorreiter

Bei der Betreuung und Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge ist Lehrte Spitzenreiter in der Region Hannover: Die Quote ist mit 138,5 Prozent übererfüllt - stellt die Stadt aber vor finanzielle Herausforderungen. 783.000 Euro musste sie dafür im vergangenen und diesem Jahr bereits stemmen.

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Die Lehrter Wohnungsbau hat für das Fußballteam unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge des Sportvereins Yurdumspor 18 Trikots mit Hosen und Stutzen gesponsert. Geschäftsführer Frank Wersebe (Mitte) hat sie am Donnerstag übergeben.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. Seit November vergangenen Jahres werden die unbegleiteten minderjährigen Ausländer nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel auf die Kommunen verteilt, prozentual nach Steuerkraft und Einwohnerzahl. Die Zahlen für Inobhutnahmen - die vorläufige Unterbringung in einer Notsituation durch das Jugendamt - belegen einen deutlichen Anstieg. Waren es vor zwei Jahren noch zehn unbegleitete minderjährige Ausländer, schnellte die Zahl im vergangenen auf 28 und in diesem auf 59 hoch. Die meisten der jungen Flüchtlinge sind zwischen 15 und 17 Jahre alt, doch es gibt sogar Sechsjährige, die allein auf die Flucht gegangen oder geschickt worden sind.

Aktuell sind es 41 - nach dem Schlüssel hätte Lehrte aber nur 30 aufnehmen müssen. "Mit der Quote von 138,5 Prozent sind wir Vorreiter in der Region", teilte Mildred Meschede vom Fachgebiet Soziale Dienste im Jugendhilfeausschuss mit. Die Mehrheit der jungen Flüchtlinge kommt aus dem Irak (15), Afghanistan (10) und Syrien (6). Als Grund für ihre Flucht haben viele angegeben, dass sie von den Terrorgruppen IS, Taliban und Boko Haram drangsaliert worden seien.

Sie wohnen in Unterkünften, bei Verwandten, in Gastfamilien und Jugendwohngruppen. "Da gibt es schon viele Reibereien", sagte Sozialarbeiter Eberhardt Baildom. Kranke Kinder und Jugendliche dürfen eigentlich nicht verteilt werden - doch genau dies ist vor Kurzem passiert. Da hatte die Stadt Hamburg einen Asylbewerber mit Krätze nach Lehrte geschickt. Die Stadt verlangt von der Hansestadt nun Schadensersatz, da das Bürgerbüro, wo er sich aufhielt, nicht nur gereinigt und desinfiziert, sondern auch das komplette Mobiliar ersetzt werden musste.

Die hohen Kosten erklärt Baildom damit, dass die Stadt keine eigene Wohngruppe hat und für die Inobhutnahme durch andere Träger viel Geld bezahlen müsse. Dazu komme ein enormer bürokratischer Aufwand, in den viele Stellen wie etwa das Jugendamt, der Pflegekinderdienst, das Amtsgericht oder die Vormundstelle eingebunden seien. "Das ist eine finanzielle Herausforderung, denn vom Land haben wir noch keinen Cent zurückbekommen." Ausschussmitglied Ekkehard Bock-Wegener (SPD) betonte jedoch, dass "das Geld aber nicht der anderen Jugendarbeit weggenommen worden" sei.

Ein Herz für die jungen Flüchtlinge zeigt auch die Lehrter Wohnungsbau: Sie hat dem Fußballteam des SV Yurdumspor Lehrte, in dem ausschließlich unbegleitete Minderjährige spielen, einen Satz mit 18 Trikots im Wert von 1000 Euro gesponsert.

Von Oliver Kühn

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