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Claudia Roth gibt Flüchtlingsnetzwerk Bestnoten

Lehrte Claudia Roth gibt Flüchtlingsnetzwerk Bestnoten

Politstars in der Provinz: Claudia Roth, ehemalige Parteivorsitzende der Grünen und amtierende Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, hat sich gestern vor Ort über die Arbeit des Flüchtlingsnetzwerks Lehrte hilft informiert - und nebenbei den Wahlkampf der Grünen unterstützt.

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Claudia Roth (im grünen Shirt) schreibt mit Flüchtlingen aus einer Sprachlernklasse im DRK-Haus spontan ein Diktat – was offensichtlich allen Spaß macht.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. Die 61-Jährige war so, wie man sie aus dem Fernsehen kennt: gut gelaunt, immer ein Lächeln parat, für jeden einen freundlichen Gruß. Im DRK-Haus, wo die Fäden des Netzwerks zusammenlaufen, setzt sie sich ohne Berührungsängste zu den Sprachlernklassen für Flüchtlinge - und schreibt spontan ein Diktat mit. Als DRK-Chef Achim Rüter das offene Angebot mit Kinderbetreuung für Mütter erwähnt, ist Roth begeistert: "Das ist ja unsere Kritik am Integrationsgesetz, dass dort keine Betreuung vorgesehen ist." Denn die meist traumatisierten Frauen hätten Angst, ihre Kinder allein zu lassen.

Netzwerksprecherin Veronika Schulte beklagte, dass die Bundesregierung zwar alles mögliche bezahle, aber kein Personal für die Koordination der Aufgaben: "Aber man braucht Leute, die es machen." Die 200 Ehrenamtlichen könnten dies nicht bewältigen. Auch Roth forderte, dass der Staat die Ehrenamtlichen flankierend unterstützen müsse - und lobte das "tolle Management" in Lehrte, dass auch viele Angebote für Frauen von Nähkursen bis Taekwando biete.

Ebenso, dass ein Flüchtling wie Albagir Karamella aus dem Sudan nun Arbeit als Hausmeister in einer Unterkunft gefunden habe. Dessen Familie ist aber noch im Sudan. "Die Familienzusammenführung muss besser werden", sagte Roth. "Das Recht auf Familie ist im Grundgesetz verankert."

 Lehrte hat eine tolle Willkommensinfrastruktur

Wie beurteilt Claudia Roth die Chancen der Grünen bei der Kommunalwahl und wie bewertet sie die Arbeit des Flüchtlingsnetzwerkes Lehrte hilft? Darüber sprach die 61-Jährige mit Redakteur Oliver Kühn.

Die Katastrophe von Fukushima hat den Grünen vor fünf Jahren Auftrieb gegeben. Und heute?

Ich bin froh, dass es diesmal kein Ereignis gibt. Trotzdem sehe ich die Chancen gut, man spürt die grüne Handschrift im Land. Die Kollegen sind mit dem richtigen Kompass unterwegs.

Wie lange braucht es noch das Netzwerk Lehrte hilft?

Sehr lange. Integration hört nicht bei der Unterkunft auf, und die Aufnahme ist ja auch noch nicht vorbei. Die Herausforderung ist groß, doch in Lehrte hat man eine tolle Willkommensinfrastruktur aufgebaut. Das ist Prävention im besten Sinne.

Was kommt auf die Helfer zu, wenn der Deal mit der Türkei platzt?

Die Türkei hat schon mehr Flüchtlinge als Europa aufgenommen. Dieser Wettlauf mit der Schäbigkeit muss aufhören. Der Staat darf sich nicht zurückziehen und aufs Ehrenamt verlassen.

Von Oliver Kühn

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