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Frauennachttaxi auch für junge Männer?

Lehrte Frauennachttaxi auch für junge Männer?

SPD, Grüne und Linke in Lehrte möchten die Nutzungszeiten des Frauennachttaxis ausweiten. Ob und wie das funktionieren kann, soll die Stadtverwaltung jetzt prüfen. Die CDU wünscht sich indes ein ähnliches Angebot für männliche Jugendliche.

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Wird das Angebot des Frauennachttaxis in Lehrte ausgeweitet?

Quelle: Archiv

Lehrte. Das Frauennachttaxi gibt es in Lehrte schon seit fast 20 Jahren. Es soll Frauen eine angstfreie Teilhabe am öffentlichen Leben auch nach Einbruch der Dunkelheit ermöglichen. Nach anfangs sieben machen jetzt noch drei Taxi-Unternehmen in der Stadt mit. Sie tragen einen Teil der reduzierten Fahrtkosten, außerdem gibt die Stadt einen Zuschuss. Zurzeit kostet eine Fahrt in der Kernstadt fünf Euro. Geht die Fahrt in die Ortsteile, müssen die Frauen sieben Euro bezahlen. Und nehmen mehrere Frauen gemeinsam ein Taxi, verringern sich die Kosten für jede Einzelne. Das Angebot gilt ganzjährig von 21 bis 4 Uhr.

Das ist SPD, Grünen und Linken zu wenig. Sie verweisen auf die Empfehlungen der Region Hannover, nach denen die Nutzungszeit im Winter schon um 18 Uhr beginnen sollte, im Sommer um 20 Uhr. Um die Kosten zu senken, regen die drei Parteien in ihrem gemeinsamen Antrag ein Sponsoring durch Firmen etwa aus der Gastronomie an. Außerdem soll mehr Werbung betrieben werden, da insbesondere jüngere Frauen nicht oder nur ungenau über das Frauennachttaxi informiert seien. Deshalb solle der Rat die Verwaltung mit Prüfung und Kostenermittlung zu den Vorschlägen beauftragen.

Diskutiert wurde der Vorschlag in dieser Woche gleich in zwei politischen Gremien - im Jugendhilfe- und im Sozialausschuss. Im Jugendhilfeausschuss formulierte die CDU einen eigenen Antrag: Die Verwaltung solle auch untersuchen, unter welchen Voraussetzungen das Taxi-Angebot auf junge Männer ausgeweitet werden könnte, die ebenfalls Probleme mit den teilweise schlechten Verbindungen in die Ortsteile hätten. Sowohl André Tepper (SPD) als auch Christian Gailus (Grüne) bekundeten grundsätzliche Sympathie für die Idee der Christdemokraten. Aber das passe strukturell nicht zum Frauentaxi, deshalb "freue ich mich auf einen gesonderten Antrag", sagte Gailus.

Die CDU bestand jedoch auf ihrem Ergänzungsantrag, der aber mehrheitlich abgelehnt wurde. Daraufhin stimmten die CDU- und der AfD-Vertreter gegen den Ursprungsantrag der Mehrheit aus SPD, Grünen und Linken.

Ein anderes Bild gab es am Mittwochabend im Sozialausschuss. Dort stimmten alle Mitglieder für den von SPD, Grünen und Linke vorgelegten Prüfantrag. Die letzte Entscheidung fällt dann im Rat der Stadt am 13. September.

Lehrtes Erster Stadtrat Uwe Bee betonte am Donnerstag, dass es bisher nur darum gehe, dass die Stadt die Machbarkeit, die Kosten und die Rahmenbedingungen für eine Ausweitung des Frauennachttaxis erörtern soll. Wolle man auch jungen Männern ein entsprechendes Angebot schaffen, werde die Prüfung umfangreicher und komplizierter. Dann kämen auch Aspekte wie der "Gender-Gedanke" ins Spiel.

Der Kommentar: Rein formales Gefeilsche

Gewählt werden in den nächsten Wochen zwar nur Bundes- und Landtag. Aber der Wahlkampf strahlt offenkundig auch kräftig in die Niederungen der Kommunalpolitik herab. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass sich die Lehrter Parteien darum streiten, ob die Realisierbarkeit ihrer Vorschläge gemeinsam oder getrennt geprüft wird. Glauben die Ratspolitiker tatsächlich, dass es für die Öffentlichkeit eine große Rolle spielt, wer da wann welchen Antrag eingebracht hat? Den Bürger interessiert, was hinten rauskommt. Das Kleinliche, in diesem Fall auch noch rein formale Gefeilsche in Sachen Frauennachttaxi mag ja die Seele des Politikers streicheln, der dabei gewinnt. Den Wähler schreckt es eher ab.

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