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Gemeinsam kochen und füreinander da sein

Lehrte Gemeinsam kochen und füreinander da sein

Seit zehn Jahren kochen, brutzeln und backen sie : Im Jahr 2007 sind an der Realschule Lehrte das Internationale Kochstudio und das damit verknüpfte Buddy-Projekt an den Start gegangen. Darin kümmern sich einmal pro Woche ältere Schüler um die Jüngeren. Jetzt wurde der Geburtstag gefeiert.

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Abgewaschen wird gemeinsam - Zohal Nooruhaal (Mitte) und Laura Höfel (links) packen gemeinsam mit den anderen Buddys und Teilnehmern bis zum Schluss mit an.

Quelle: Gabriele Gerner

Lehrte. Die Idee ist bestechend einfach: Stelle einem jungen Menschen einen vernünftigen Kumpel an die Seite, der ein paar Jahre älter ist, sich in ihn hinein versetzen kann und ihm Vorbild und Freund ist - das kann den Jüngeren stärken, schützen und ihm durch die Tiefen des Erwachsenwerdens helfen. So gestärkte Jugendliche werden im Idealfall zu friedlichen, sozial kompetenten jungen Erwachsenen und neigen seltener zu Gewalt.

Auf dieser Theorie basiert das Buddy-Projekt an der Relschule. Es nahm seinen Anfang vor elf Jahren, als die Lehrerin Angelika Spiekermann eine Fortbildung zu diesem Thema besuchte. Im Anschluss daran gründete sie das Internationale Kochstudio. Hier kochen und essen jeden Mittwoch ältere Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit jüngeren. Die älteren werden als Buddys ausgebildet und erhalten dazu einmal im Monat Schulungen. "Wie verhalte ich mich im Konfliktfall?", "Wie schlichte ich einen Streit?", "Wann muss ich in einer Situation auch mal eingreifen?": Das sind die Fragen, mit der sich die "Kumpels" auf ihre Arbeit mit den Jüngeren vorbereiten.

"Natürlich nerven die Kleinen auch mal, vor allem die Jungs", sagt Buddy Tim Schmezko lachend: "Aber ich bin ja selbst ein Junge und kann die gut verstehen." Der 16-Jährige ist seit fünf Jahren mit im Kochstudio dabei. Als er anfing, war er selbst einer der Jüngeren und ging nur hin, weil sein Freund Janis dabei war. Jetzt sind die zwei Zehntklässler die Großen und leiten die Kleinen an.

Janis macht am liebsten Pfannkuchen. Die 16-jährige Laura Messer nickt lächelnd: "Vor allem das Wenden macht Spaß!" Nur sehr selten passiere es, dass ein Pfannkuchen nach dem Hochwerfen nicht in der Pfanne lande. Das Lieblingsessen von Joshua Preyer (11) sind die Gemüseschnecken. Die 13-jährige Zohal Nooruhaal isst am liebsten Speisen aus ihrer Heimat Afghanistan. Denn im Kochstudio geht es bei den Gerichten gern international zu.

Projektleiterin Angelika Spiekermann ist stolz darauf, dass es ihr mit den Jugendlichen seit zehn Jahren gelingt, Gerichte aus aller Welt auf den Speiseplan zu setzen. Sie betont: "Bei uns wird nur frisch gekocht.  Und Maggi kommt bei uns nicht auf den Tisch." Die Rezepte suchen die Buddys aus, manchmal erhalten sie auch Anregungen von den jüngeren Kindern. Auf Ernährungsregeln verschiedener Kulturen und Religionen wird selbstverständlich eingegangen. "Oft verwenden wir nur Rind- und Hähnchenfleisch. Aber meistens kochen wir ohnehin fleischlos, weil viele Schüler inzwischen Vegetarier sind", sagt Spiekermann.

Schulleiter Markus Böhm ist beeindruckt davon, dass Kindern und Jugendlichen in diesem Projekt lebenspraktische Dinge beigebracht werden. Angelika Spiekermann nickt: "Das gemeinsame Abwaschen, das Putzen des Kühlschranks und der Herdplatten gehört ebenso dazu wie das Eindecken des Tisches."

Hat die Idee der Gewaltprävention gegriffen? "Wir kennen uns alle und haben natürlich immer ein Auge aufeinander, ob auf dem Schulhof oder an der Bushaltestelle", sagt Laura Messer. Die 17-jährige Laura Höfel, selbst seit der 6. Klasse dabei, hat sogar immer noch Kontakt zu ihren ehemaligen Buddys, die längst die Schule verlassen hat und die für sie einst Vorbilder waren. Und auch umgekehrt weiß sie von Fällen jüngerer Schüler, die sich immer mal wieder in Problemlagen an sie und andere Buddys wenden.

Das Kochen ist für die beiden Lauras inzwischen eine Leidenschaft geworden. Ein Praktikum in einem Restaurant habe ihr das noch einmal bestätigt. Und die Arbeit mit den jüngeren Mädchen und Jungs macht ihr so viel Freude, dass für sie der Berufswunsch feststeht: Erzieherin für Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf.

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Von Gabriele Gerner

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