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Das Oktavheftchen ist immer dabei

Lehrte Das Oktavheftchen ist immer dabei

In Lehrte kennt man ihn als „Mister Citylauf“: Jürgen Teiwes (73) organisiert die riesige Laufveranstaltung regelmäßig seit fast 15 Jahren. Mit Anzeiger-Mitarbeiterin Katja Eggers sprach Teiwes über seine bisherigen Erfahrungen, die schönsten Erlebnisse und den Hang zum Perfektionismus.

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Wir sind ein tolles Team mit fast 100 Helfern: Jürgen Teiwes ist Hauptorganisator des Citylaufs.

Quelle: Archiv

Lehrte. Herr Teiwes, der 14. Lehrter Citylauf ist nah. Übermorgen gehen wieder Hunderte von Läufern an den Start. Wie viele haben sich denn schon angemeldet?

Inklusive der Bambinis sind es bisher etwa 2200. Allein die Kindergärten sind mit 241 Kindern dabei. Die Grundschulen haben 1035 Schüler gemeldet, die verteilen sich auf vier 2-Kilometer-Läufe. Der erste Start ist um 17.28 Uhr, der zweite um 17.30 Uhr, um 17.32 Uhr und nochmal um 17.34 Uhr.

Wie kommt es denn zu diesen krummen Anfangszeiten?

Ach, ich habe mal ausgerechnet, dass zwischen den Läufen genau zwei Minuten Zeit sein müssen. Das ist die Zeit, die die nächsten Läufer brauchen, um an die Startlinie nachzurücken. Ich war anfänglich mal so verrückt, dafür nur eine Minute einzuplanen. Das war viel zu kurz. Zu viel Zeit darf aber auch nicht zwischen den Starts liegen, schließlich müssen die Teilnehmer der vier Schüler-Läufe doch auch alle vor 18 Uhr wieder im Ziel sein, weil um 18 Uhr doch schon der allgemeine 2-Kilometer-Lauf startet.

Im Laufe der Zeit ist der Citylauf also immer effizienter geworden?

Richtig, seit 2014 haben wir Einweg-Transponder ohne Pfand, die die Läufer nach dem Lauf nicht mehr zurückgeben müssen. Und es gibt mittlerweile auch nur noch Online-Anmeldungen. Auch das System mit den vierstelligen Startnummern ist pfiffig. Für den ersten Lauf beginnen die mit einer „1“, die Läufer des zweiten Laufs haben eine „2“ und so weiter. Das ist praktisch, weil die Kampfrichter dann sofort erkennen können, wenn sich beim Start jemand falsch aufgestellt hat.

Das klingt ja alles sehr ausgereift. Gibt es denn überhaupt noch etwas zu verbessern?

Natürlich! Perfekt ist nie etwas. Nach jedem Lauf setzen wir uns im Team immer zusammen und schauen, wo noch gefeilt werden muss. Und Routine halte ich für ganz gefährlich, da kann man schnell mal was vergessen.

Das wäre für einen Perfektionisten wie Sie sicher das Schlimmste.

Ja, das Allerschlimmste! Deswegen gucke ich ja auch ständig in mein Oktavheftchen. Das habe ich immer bei mir, da schreibe ich alles rein.

Aber Teilnehmerzahlen haben Sie doch auch nach Jahren noch im Kopf.

Ja, die merke ich mir, das kann ich (lacht). Ich weiß noch genau, dass wir beim ersten Lauf 780 Teilnehmer hatten. Der Teilnehmerrekord lag mal bei 2600 Sportlern. Im vergangenen Jahr waren sogar 2644 Läufer gemeldet, ins Ziel kamen wegen der großen Hitze letztendlich nur 2165.

Können Sie sich auch noch an besonders schönen Erlebnisse erinnern?

Klar, da gab es ja viele. Schön war für mich immer zu sehen, wenn die Schüler strahlend ins Ziel kamen. Gerade, wenn es welche waren, die in anderen Fächern vielleicht sonst nicht so geglänzt haben. Oder die Mobiles in den Kitas: Da haben die Erzieherinnen Startnummern und Fotos der einzelnen Kinder drangehängt - super!

Gibt es etwas, auf das Sie besonders stolz sind?

Ja, darauf, dass wir über Jahre so eine tolle Mischung aus Breiten- und Leistungssport aufrechterhalten können. Darauf, dass wir so viele tolle Sponsoren und hochwertigere Preise haben und natürlich auf das Publikum. Lehrte steht zum Citylauf. Am Streckenrand wird immer kräftig angefeuert. Im vergangenen Jahr haben einige Anwohner wegen der Hitze sogar Rasensprenger aufgestellt. Die Sportler liefen durch das Wasser und konnten sich abkühlen.

Sogar viele Kinder bringen Sie sofort mit dem Citylauf in Verbindung. Hätten Sie gedacht, dass Sie mal so prominent werden?

Ach (winkt ab), ich betrachte mich ja gar nicht als prominent. Ich mache das alles ehrenamtlich und vor allem auch nicht allein. Wir sind ein tolles Team mit fast 100 Helfern.

Sie selbst wirken beim Lauf immer sehr ruhig und bleiben auch im größten Stress noch fröhlich ...

Ja, ich bemühe mich trotz innerer Anspannung, nach außen hin ruhig zu sein. Manchmal muss ich allerdings auch hart durchgreifen.

Wann zum Beispiel?

Wenn jemand versucht, das Regelwerk zu umgehen. Vor zwei Jahren wollten zwei Jungen beim 10-Kilometer-Lauf mitlaufen, obwohl sie nur für den 4-Kilometer-Lauf gemeldet waren. Da habe ich sie gebeten, die Strecke zu verlassen. Die fragten dann, wer hier denn das Sagen hat. Da hab’ ich mein Käppi mit der Aufschrift „Chef“ aufgesetzt, und dann sind sie ruckzuck übers Absperrgitter geklettert (lacht).

Laufen Sie eigentlich auch selbst?

Nein, nicht mehr. Früher war ich in einer Laufgruppe und bin auch mal bei Kreismeisterschaften gestartet. Heute bin ich ab und an noch als Kampfrichter oder Ansager bei Leichtathletikveranstaltungen im Einsatz.

Letzte Frage: Was wünschen Sie sich für den diesjährigen Citylauf?

Das Wichtigste ist immer, dass nichts passiert und sich niemand verletzt. Und schönes Wetter wünsche ich mir - aber die Vorhersage sieht bisher ja ganz gut aus.

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