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Der Anzeiger wird verfilmt

Lehrte Der Anzeiger wird verfilmt

Die meisten Leser des Anzeigers sind es gewohnt, ihre tägliche Zeitung auf Papier oder als E-Paper zu lesen. Auf Film allerdings haben das Blatt wohl die wenigsten Leser gesehen. Im Stadtarchiv Lehrte ist das möglich.

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Der promovierte Stadtarchivar Jens Mastnak vor dem Mikrofilmgerät.

Quelle: Katja Eggers

Lehrte. Dort ist jetzt die Verfilmung ganzer Jahrgänge des Anzeigers und seiner Vorgänger abgeschlossen worden, sodass eine Lehrter Zeitungslandschaft von 1877 bis heute zu finden ist.

Im Jahr 2002 hat der heutige Stadtarchivar Jens Mastnak seine Stelle in dem Gebäude des Gymnasiums an der Burgdorfer Straße 16 angetreten und fand eine Reihe von Rollfilmen im Format 35 Millimeter vor. „Das wunderte mich, da es kein Lesegerät dazu gab.“ Also war eine seiner ersten Amtshandlungen, ein solches Gerät zu beschaffen. „Das kostete damals so viel wie ein neuer Kleinwagen.“

Die Rollen stammten aus einem Projekt, das Mastnaks Vorgängerin Louise Schweigart zusammen mit der Universität Osnabrück in die Wege geleitet hatte. Auf den Filmen fanden sich Zeitungsausgaben aus Lehrte der Jahrgänge 1877 bis 1938. Mastnak hat dann die Verfilmung der weiteren Jahrgänge in Auftrag gegeben. Mit dem Jahr 2014 sind jetzt alle Ausgaben aus den letzten 137 Jahren auf 264 Rollen Film einsehbar.

Der Grund für dieses Projekt ist ein konservatorischer. Schon beim Öffnen einer über 100 Jahre alten Zeitung ist fühlbar, dass das Papier über die Jahre gealtert ist. Ab etwa 1840 sei säurehaltiges Papier genutzt worden, erklärt Mastnak. Die Säure mache das Material mit der Zeit brüchig, sodass es am Ende unter den Händen zerfallen würde. Wenn man aber über das Medium Film auf die Seiten zugreifen kann, würden die Originale geschont.

Dazu kommt, dass die Jahrgänge in Bänden zusammengefasst wurden und werden. Wenn man diese ständig öffne und beispielsweise auf einen Kopierer lege, leide der Einband, weiß der Stadtarchivar. Statt des Kopierers könnten die Nutzer des Stadtarchivs entsprechende Zeitungsseiten oder auch einzelne Artikel digitalisieren und über einen USB-Stick auf den Computer ziehen.

Abgesehen von der Anschaffung des Lesegeräts vor inzwischen schon 13 Jahren halten sich die Kosten der Verfilmung in Grenzen. „Ein Jahrgang kostet etwa 700 Euro“, rechnet Mastnak vor. Angst, eine Ausgabe in späteren Zeiten nicht mehr lesen zu können, wie es etwa bei digitalen Medienformaten aufgrund veralteter Software sein könnte, muss man bei den Filmen nicht haben. „Da braucht man eigentlich nur eine Lichtquelle und eine Lupe“, meint Mastnak.

Das Projekt ist mit dem Jahrgang 2015 natürlich nicht abgeschlossen. Jetzt wird der Jahrgang 2016 in Angriff genommen, darunter natürlich auch die Ausgabe vom Dienstag.

In Lehrte herrschte einst ein Zeitungskrieg

Zeitungen sind in Lehrte eine verhältnismäßig neue Errungenschaft. Erst im 19. Jahrhundert gab es überhaupt Nachrichten aus dem Ort. Das hat natürlich damit zu tun, dass Lehrte bis dahin ein unbedeutendes Dorf war. Erst der Bau der Eisenbahn und die damit verbundene Ansiedlung von Industrie verhalf der bäuerlichen Ansiedlung zu Wachstum. Seit 1866 existierte das „Burgdorfer Wochenblatt“, das auch Lehrter Meldungen aufwies. 1875 gab Fritz Momper mit dem „Lehrter Volksblatt“ die erste eigene Lehrter Zeitung heraus. Das rief den Burgdorfer Verleger Wilhelm Rumpeltin auf den Plan, der im selben Jahr den „Lehrter Beobachter“ gründete. Die beiden Zeitungen richteten sich von Anfang an an verschiedene Leser, denn Lehrte teilte sich in die alteingesessenen Dörfler um die Osterstraße und die Neubürger, die die Industrien in die spätere Stadt gebracht hatten. Das „Volksblatt“ war für die Neubürger gedacht. Der „Beobachter“ wollte ausgleichend wirken. Das „Volksblatt“ hielt der Konkurrenz nicht stand und stellte sein Erscheinen bald ein. Der Chefredakteur des dreimal in der Woche erscheinenden „Beobachters“ neigte eher der sogenannten Bahnhofspartei der Neubürger zu, sodass die Dorfpartei 1898 den „Lehrter Stadt-Anzeiger“ an den Start brachte. In der Folge tobte in Lehrte ein regelrechter Zeitungskrieg. Ab 1902 übernahm Otto Hoffmann den einstigen „Anzeiger“, der mittlerweile den Titel „Lehrter Stadtblatt“ trug, und setzte auf Versöhnung der Parteien. Bis in die Nazizeit hinein existierten beide Zeitungen neben- beziehungsweise gegeneinander. Ab 1943 gab es aber nur noch das „Burgdorfer Kreisblatt“. In der Bundesrepublik gab es dann lange das „Lehrter Stadtblatt“, aus dem der heutige Anzeiger hervorgegangen ist.

Von Michael Schütz

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