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Ausverkauf: Der Treude-Baumarkt macht dicht

Lehrte Ausverkauf: Der Treude-Baumarkt macht dicht

Der Markt Baufuchs Treude an der Germaniastraße schließt seine Türen. Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet, der Ausverkauf ist bereits im Gang. Vor knapp einem Monat war Firmenchef Richard Treude unerwartet gestorben. Rund 15 Mitarbeiter verlieren nun ihren Arbeitsplatz.

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Der Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe zieht derzeit viele Besucher zum Baumarkt Treude.

Quelle: Katja Eggers

Lehrte. Die Nachricht geht vielen alteingesessenen Lehrtern durch Mark und Bein: Der Treude-Baumarkt macht dicht. Das seit den Fünfzigerjahren etablierte Familienunternehmen gehört für viele ebenso zur Stadt wie der Wasserturm und der Bahnhof. Jetzt kündigen große Plakate das Aus für das Traditionsunternehmen an. Grund dafür ist vor allem die Konkurrenz durch den vor vier Jahren nur wenige hundert Meter entfernt eröffneten Baumarktriesen Obi.

Es gebe keine realistische Perspektive mehr, den Baufuchs am Leben zu halten, sagt Moritz Treude, einziger Nachkomme des am 7. Februar verstorbenen Unternehmenschefs Richard Treude. Er habe sich gemeinsam mit seinem Onkel alle Zahlen angeschaut, sagt der 28-Jährige. Es bleibe nur die Insolvenz. Wie lange jetzt der Ausverkauf dauert, kann Moritz Treude noch nicht sagen, für die Immobilie und das etwa 4300 Quadratmeter große Grundstück an der Germaniastraße sucht er nun Interessenten.

Moritz Treude kennt sich mit Firmenfinanzen aus: Er ist in der Unternehmensberatung tätig, arbeitet und lebt in der Schweiz und will dort auch bleiben. Den Baumarkt in Familientradition weiterzuführen sei für ihn keine Option: "Es gibt keine Perspektive", sagt er. Der Obi-Baumarkt habe dem Baufuchs die Existenzgrundlage genommen: "Mein Vater hat um sein Unternehmen gekämpft. Ganz so schnell wollte er sich nicht geschlagen geben", sagt der 28-Jährige und bezeichnet den Baumarkt an der Germaniastraße als das Lebenswerk seines Vaters. Letztlich seien inhabergeführte Geschäfte wie der Baufuchs gegen eine Kette wie Obi aber chancenlos. Dass beide Geschäfte in Lehrte nebeneinander existieren können, wie es beim Bau des Obi-Markts mitunter prognostiziert wurde, sei langfristig eben doch nicht möglich.

Rund 15 Treude-Mitarbeiter verlieren nun ihren Job. Für den Ausverkauf seien noch einige Helfer zusätzlich verpflichtet worden, sagt Moritz Treude. In der Tat haben sich die Kunden wegen der satten Rabatte schon am Mittwoch und Donnerstag beim Baufuchs die Klinke in die Hand gegeben. Auch in sozialen Netzwerken im Internet verbreitet sich die Kunde vom Aus des Unternehmens schnell. Dort loben viele Schreiber die gute und kompetente Beratung in dem Geschäft. So etwas bekomme man anderswo nicht, heißt es.

Familienunternehmen seit rund 60 Jahren

Holz und Brennstoffe werden auf dem Treude-Gelände zwischen Germaniastraße und Bahnanlagen schon seit den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts verkauft. Richard Treude senior kaufte das dortige Unternehmen in den Fünfzigerjahren, dessen Sohn Richard junior wandelte es 1977 in einen Baumarkt.

Als vor sechs Jahren die Debatte über die Ansiedlung des Obi-Markts auf der sogenannten C-Fläche neben dem Wasserturm hohe Wellen schlug, gehörte Richard Treude zu den erbitterten Gegnern des Projekts. Er gehörte zur Initiative "Mobil für Lehrte", die 6154 Unterschriften gegen den Obi sammelte. Stoppen konnte das die politisch höchst umstrittene Ansiedlung nicht, der Rat der Stadt befürwortete sie mehrheitlich.

Als der Obi-Markt 2012 seine Türen öffnete, gab es erste Gerüchte, Treude müsse seinen Baufuchs schließen. Das hatte der Inhaber damals vehement bestritten. Der Baufuchs stelle sich der Konkurrenz, sagte er.

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Von Achim Gückel

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