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Megahub: Lärmschutzwand nur für Schillerstraße

Lehrte Megahub: Lärmschutzwand nur für Schillerstraße

Ein Jahr lang hat die Deutsche Bahn Bedenken, Einwände und Anregungen für den geplanten Containerumschlagplatz Megahub in Ahlten gesichtet und in das zweite Planfeststellungsverfahren eingearbeitet. Fazit: Beim Lärm werden bis auf zwei Ausnahmen alle Grenzwerte eingehalten. Die Grünen und die Bürgerinitiative Megaleise dagegen sprechen von Rechentricks.

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Der grüne Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler (links) spricht mit Maik Reiß von der Bürgerinitiative Megaleise und dem Lehrter Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Ronald Schütz, an der Bahnstrecke in Ahlten über den geplanten Megahub.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. Als einzige neue bauliche Anlage hat die Bahn bei einer Informationsveranstaltung am Montagabend im Kurt-Hirschfeld-Forum eine Verlängerung der Lärmschutzwand im Bereich Schillerstraße 44 bis 51 angeboten. "Dort gibt es neue Ansprüche auf Lärmschutz", sagte Bahnvertreter Andreas Witzel. Die Wand werde um 100 Meter in Richtung Westen erweitert und habe statt bisher zwei Meter dann eine Höhe von 2,50 Meter. Die alte Lärmschutzwand werde aber nicht erhöht, weil sie nicht aufgestockt werden könne, sondern abgerissen werden müsste - was der Bahn zu teuer ist. Das Eisenbahnbundesamt könnte allerdings noch eine Nachbesserung fordern.

Sonst bekommt nur noch ein Wohnhaus am Eisenbahnlängsweg 4 Schallschutzfenster und ein neues Dach - der Lärm im Freien spielt für die Bahn dagegen keine Rolle. Auf die Frage aus der Politik, ob ein automatisches Monitoring wie in Bremerhaven vorgesehen sei, dass etwa Lärm und Schadstoffe aufzeichnet, verneinte die Bahn. Man halte in puncto Lärm, Licht, Schadstoffen und Verkehr alle Grenzwerte ein. Während der Bauarbeiten müssen alle Hauseigentümer, die näher als 50 Meter entfernt wohnen, zudem selbst tätig werden und eine sogenannte bauliche Beweissicherung beantragen, um später Schäden dokumentieren und eine mögliche Entschädigung einfordern zu können.

Der Megahub soll fünf Züge am Tag und 16 Güterzüge in der Nacht aufnehmen - jeder zwischen 600 und 700 Meter lang. Dazu kommen laut Berechnung der Bahn 640 Lastwagenfahrten am Tag. Die Stadt überlegt deshalb, die Ausfahrt vom Megahub zur Europastraße so auszuzeichnen, dass Lastwagen direkt auf die A2 geführt werden. Was passiert, wenn es dort einen Stau gibt, blieb offen.

Maik Reiß von der Bürgerinitiative Megaleise appellierte an die rund 100 Zuhörer, aktiv zu werden: "Was wir jetzt nicht erreichen, schaffen wir später auch politisch nicht mehr." Tatsächlich hat die Bahn am Montag bestätigt, dass es bereits Pläne für eine zweite Ausbaustufe des Megahub gebe. Deren Verwirklichung könne aber noch 30 Jahre dauern, sagte Witzel.

Grüne: Bahn rechnet mit Tricks

Bei einem Ortstermin mit dem grünen Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler hat sein Lehrter Parteikollege und Ratsfraktionsvorsitzender Ronald Schütz zu den Planänderungen der Bahn für den Megahub kein Blatt vor den Mund genommen: „Die Bahn geht mit dem Lärm nicht sauber um, das sind Rechentricks", sagte er am Dienstagvormittag. Weil der Schall gemittelt werde, werde aus einer schallenden Ohrfeige nach einer halben Stunde eine Streicheleinheit, nannte er als Vergleich.

Ähnlich urteilt Maik Reiß von der Ahltener Bürgerinitiative (BI) Megaleise: „Viele Schallquellen wie etwa die Kühlcontainer mit eigenen Aggregaten wurden gar nicht aufgenommen.“ Bei den Berechnungen ende der Schall „komischerweise immer am Gartenzaun“.

Kindler, Sprecher für Haushaltspolitik mit Schwerpunkt Verkehrswegeplanung, betonte, dass ein optimaler Lärmschutz beim Megahub im Vordergrund stehen müsse. Die Bahn setze sich oftmals über die Bedürfnisse der Bürger hinweg und schöpfe Mittel für Lärmschutz nicht aus. „Hier kommt das Bundesverkehrsministerium seiner Aufsichtspflicht nicht nach.“ Er versprach, bei Bahnchef Rüdiger Grube und Verkehrsminister Alexander Dobrindt nachzuhaken. Die BI leiste hier wertvolle Arbeit.

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Bei der Informationsveranstaltung legt die Bahn Pläne aus, die die Ausmaße des Containerumschlagplatzes zeigen.

Quelle: Oliver Kühn

Von Oliver Kühn

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