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Die EinDollarBrille zum Selbstbiegen

Steinwedel Die EinDollarBrille zum Selbstbiegen

Helmut Durst hat ein Projekt - und eine Vision: Von seinem Wohnort in Steinwedel aus will er den Verein EinDollarBrille (EDB) in Niedersachsen voranbringen und eine Regionalgruppe Hannover gründen.

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Die Herstellung einer sogenannten EinDollarBrille ist mithilfe der von Martin Aufmuth entwickelten Biegebox ganz einfach. Helmut Durst zeigt die Arbeitsschritte.

Quelle: Heine

Lehrte. „Das ist eine ganz tolle Sache“, ist der Geophysiker im Ruhestand überzeugt und erklärt den Vereinszweck voller Tatendrang und mit leuchtenden Augen: „Ziel ist es, Menschen in Entwicklungsländern, in Afrika, Asien und Südamerika, die mit einer Fehlsichtigkeit leben müssen, mit bezahlbaren Brillen zu versorgen.“

Helmut Durst macht auch die Hintergründe deutlich: „Viele dieser Menschen können sich eine herkömmliche Brille nicht leisten - und viele wissen nicht, dass es Sehhilfen überhaupt gibt. Sie nehmen die Einschränkung ihrer Lebensqualität einfach hin. Es gibt Kinder, die nach dem Anpassen der Brille zum ersten Mal die Tafel im Klassenzimmer sehen können.“

Durst, der bei Explorationen für die Firma Shell viele Jahre lang in Nigeria und Ägypten unterwegs war, kennt die Verhältnisse vor Ort und ist begeistert von der EinDollarBrille. Der Name bezieht sich auf die Materialkosten.

„Kernstück des Projekts ist eine von Martin Aufmuth in Erlangen entwickelte Biegevorrichtung“, erklärt der 62-Jährige. Sie ermöglicht es, einen leichten, flexiblen und vor allem stabilen Federstahlrahmen herzustellen. Fertige Gläser in Dioptriestufen von 0,25 werden einfach in den Rahmen eingehängt.“

Im Juli hatte Durst bereits seinen ersten „Biegekurs“, wie er ihn nennt, im Dorfgemeinschaftshaus in Steinwedel abgehalten. Dabei war den Teilnehmern gezeigt worden, wie die Brillen hergestellt werden, und sie hatten Näheres zum Projekt erfahren.

Im November reist der Steinwedeler nach Malawi, in den Südosten Afrikas. Dort hat EDB bereits eine Außenstelle, wo Einheimische lernen, mit einfachen Mitteln Fehlsichtigkeiten festzustellen und Brillen zu modellieren. „Als Tandem, ein Optiker und ein Bieger, sind sie dann unterwegs und bringen die Brillen zu den Leuten. So ist das Projekt auch nachhaltig, weil es Arbeitsplätze schafft. Die Brillen werden nicht zum Selbstkostenpreis verkauft, sondern für vier bis sechs Dollar“, sagt Durst.

Ehrenamtliche in den Bereichen Logistik, Marketing, Verwaltung, Augenoptik und Fundraising seien sowohl in Deutschland als auch in den Entwicklungsländern gefragt. Nähere Informationen gibt es auch im Internet auf eindollarbrille.de.

Der Verein lebt von Spenden

Martin Aufmuth hat den Verein EinDollarBrille 2012 gegründet. Die Startphase in den Entwicklungsländern wird über Spenden finanziert. Kosten entstehen etwa durch die Bereitstellung der Biegeeinheiten, Material und Training. Die meisten Brillen, etwa 2100 Stück, wurden bisher in Burkina Faso verkauft. Bis das Projekt in einem Land anlaufen kann, müssen lokale Strukturen aufgebaut, Techniker ausgebildet und Genehmigungen eingeholt werden. Den Einkauf des Materials regelt das Logistikzentrum in Erlangen. Das Zielland kauft es mit geringem Aufschlag vom Verein in Deutschland. 5 Prozent der besonders bedürftigen Menschen erhalten die Brillen kostenfrei. Der Verein ist etwa in Ruanda, Brasilien, Bolivien und Nicaragua aktiv.

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