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Flüchtlinge: Golden-Toast-Halle unverzichtbar

Lehrte Flüchtlinge: Golden-Toast-Halle unverzichtbar

Seit fast fünf Monaten bringt Lehrte Flüchtlinge in einem ehemaligen Brotlager an der Everner Straße unter. Von Anfang an galt die Sammelunterkunft in der sogenannten Golden-Toast-Halle nur als Notlösung. Trotzdem kann die Stadt auf sie mittelfristig nicht verzichten.

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In der Golden-Toast-Halle am Lehrter Stadtrand sind derzeit rund 120 Menschen untergebracht.

Quelle: Katja Eggers

Lehrte. 2200 Quadratmeter ist die Halle groß. Rund 50 Wohnboxen aus Leichtbauwänden haben Arbeiter im Winter in das triste, kahle, lange Zeit leerstehende Brotlager eingebaut. Maximal 200 Menschen können dort nun eine vorübergehende Bleibe finden. Es gibt neu errichtete Sanitäranlagen, ein Essenzelt und nun sogar Fitnessgeräte. Letztere hat der Lehrter SV gespendet, die Geräte dienen dazu, den Flüchtlingen eine Chance zur Freizeitgestaltung zu geben.

Beschäftigung ist für die Menschen in der Unterkunft wichtig: Insider berichten, dass es in der Golden-Toast-Halle mitunter handfeste Auseinandersetzungen zwischen jungen Männern gebe, von denen die Außenwelt nichts mitbekomme. Der Frust über die erzwungene Tatenlosigkeit sei es, der den Flüchtlingen zusetze, heißt es. Der Malteser Hilfsdienst und die Caritas, welche die sozialen Dienste versieht, täten aber ihr Bestes.

Auf der anderen Seite haben sich nach Informationen des Anzeigers Flüchtlinge schon vor mehreren Monaten im Rathaus über die Bedingungen in der früheren Lagerhalle beschwert. Die Wohnboxen haben dort teilweise keine Außenfenster, die Halle ist hellhörig, eine Privatsphäre gebe es kaum.

Das alles kommt nicht wirklich überraschend: Schon als Lehrter Politiker Anfang März die Halle kurz vor deren Bezug unter die Lupe nahmen, gab es Skepsis. Die auf drei Jahre angemietete Halle sei eine Notlösung, hieß es – damit man nicht zu solch unpopulären Maßnahmen wie der Belegung von Sporthallen und Gemeinschaftshäusern greifen müsse. Doch verzichten konnte die Stadt auf die Sammelunterkunft im früheren Brotlager nicht. Der Druck, zugewiesene Flüchtlinge unterzubringen, war im März noch enorm.

Mittlerweile ist der Zustrom abgeebbt. Ende Juni kamen 40 Menschen neu nach Lehrte. In der vergangenen Woche waren es noch einmal eine Handvoll, verdeutlicht Stadtsprecherin Nele Domin. Sie wurden zunächst in der Golden-Toast-Halle einquartiert, denn alle anderen Sammelunterkunfte in Lehrte, etwa an der Manske- und der Nordstraße, sind belegt.

Das ehemalige Brotlager diene also als Puffer. „Die Leute sollen möglichst kurz dort bleiben“, verdeutlicht Domin. Mittlerweile gelinge es, ebenso viele Menschen aus der Sammelunterkunft in Wohnungen zu vermitteln wie neu einquartiert werden müssten. Vor allem Familien mit Kindern sollen aber nicht allzu viele Wochen in der Golden-Toast-Halle verbringen.

Aktuell sind etwa 120 Flüchtlinge im ehemaligen Brotlager an der Everner Straße untergebracht, darunter rund 40 Kinder. Sie stammen aus Syrien, Somalia, Mali, dem Libanon, Irak und Iran sowie aus Eritrea, der Elfenbeinküste und Afghanistan. Insgesamt beherbergt die Stadt Lehrte derzeit rund 1150 Flüchtlinge, 665 davon sind laut Domin in städtischen Unterkünften oder von der Stadt angemieteten Wohnungen untergebracht.

Von Achim Gückel

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