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Rente steht im Mitelpunkt der Mai-Kundgebung

Lehrte Rente steht im Mitelpunkt der Mai-Kundgebung

Die Einheit der Gesellschaft und die Zukunft der Rente stand bei der Mai-Kundgebung des Lehrter DGB im Mittelpunkt. Rund 600 Besucher kamen auf den Rathausplatz, um die Meinung der Journalistin Hanna Legatis zu erfahren und mehreren Gewerkschaftern zuzuhören.

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Pfarrer Roman Blasikiewicz und Pastorin Beate Gärtner eröffnen die Lehrter Mai-Kundgebung mit einer ökumenischen Andacht.

Quelle: Böger

Lehrte. "Wir sind viele. Wir sind eins." Diesem bundesweiten Motto der Mai-Kundgebungen vermochte die Hauptrednerin nur teilweise folgen: "Wir sind noch nicht eins", sagte Legatis. Es gebe noch große Differenzen etwa "zwischen Wutbürgern und Demokraten, zwischen Verlierern und Gewinnern". Auch der Unterschied zwischen arm und reich sei noch nie so groß gewesen - "und die Schere geht immer weiter auseinander". Die Zahl der Wohnungslosen nehme ständig zu. Der Grund dafür seien keineswegs die Flüchtlinge, sondern "es gibt keinen sozialen Wohnungsbau mehr". 

Legatis warnte davor, in Ängste zu verfallen, denn beispielsweise "Angst vor Armut macht krank", erklärte die langjährige NDR-Moderatorin und Mitherausgeberin des Obdachlosen-Magazins "Asphalt". Angst helfe nicht, sondern mache "bitter und aggressiv". So resultiere auch die Pegida-Bewegung aus Angst vor dem sozialen Abstieg. Wohin das führe, habe man in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erlebt.

Legatis ging auch auf Aggressivität und Ausgrenzung ein, die Menschen mit Migrationshintergrund derzeit wieder verstärkt erlebten und forderte, Hemmnisse, vor allem bürokratische, für eine Integration abzubauen. Mit Blick auf die Immigranten wandelte sie das DGB-Motto ab in "Wir sind viele. Wir sind vielfältig." Und Vielfalt mache stark, betonte die Rednerin.

Zum Auftakt der Kundgebung hatte Pfarrer Roman Blasikiewicz in einer ökumenischen Andacht mit Pastorin Beate Gärtner heftige Kritik an der derzeitigen Globalisierung, insbesondere an den Finanzmärkten geübt, die "ganze Gruppen ausgrenzen und an die Wand drücken". Dabei könne die weltweite Vernetzung durchaus "ein Segen sein, wenn wir sie verantwortungsvoll ausgestalten". Bürgermeister Klaus Sidortschuk appellierte an die Zuhörer, sich an den anstehenden Wahlen zu beteiligen. "Gehen Sie nicht leichtfertig mit diesem Recht um, für das in anderen Ländern Menschen im Gefängnis sitzen."

Der Lehrter DGB-Vorsitzende Reinhard Nold befasste sich vor allem mit dem Thema Rente. Wer 40 Jahre lang nur den Mindestlohn erhalte, bekomme danach lediglich 600 Euro Rente, rechnete er vor. Selbst wer in dem gleichen Zeitraum stets das bundesweite Durchschnittseinkommen von derzeit mehr als 3000 Euro erziele, stehe am Ende "mit 1050 Euro für 40 Jahre harte Arbeit" da.

Nold forderte, das Rentenniveau müsse schrittweise wieder auf 53 Prozent des letzten Nettolohns angehoben werden und im gleichen Maße wie die Löhne steigen. Mit einer Erwerbstätigenrente, in die alle einzahlten, auch Selbstständige, Beamten, Richter und Abgeordnete, sei das durchaus zu finanzieren. 

"Pflegekräfte sind aussterbende Rasse"

Die Rente war auch das Thema von Hartmut Völger, Betriebsratsvorsitzender im Klinikum Wahrendorff: "Meine Kollegen in der Pflege gehen alle in die Altersarmut." Sie müssten zwar 40 Stunden in der Woche arbeiten, würden aber "weit unter Tarif" bezahlt, obwohl sie auch an Feiertagen arbeiteten, oft an freien Tagen einsprängen und auf Pausen verzichteten. Wegen dieser Bedingungen wolle niemand mehr in der Pflege arbeiten, sagte Völger: "Wir sind eine aussterbende Rasse."

Er wurde in seinem Vortrag immer wieder mit einer Klingel von einer (Schein-)Patientin unterbrochen, die in einem vor der Bühne aufgestellten Bett lag und um Essen und Trinken oder Hilfe beim Gang zur Toilette bat. Doch Völger musste sie immer wieder vertrösten: "Es steht gerade keine Pflegekraft zur Verfügung." Damit illustrierte der Betriebsratsvorsitzende die Situation, dass nach seinen Angaben in Norwegen auf eine Pflegekraft 3,8 Patienten kommen, in Deutschland gut zehn - und bei Wahrendorff bis zu 30.

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