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Eidechsen müssen wandern

Lehrte Eidechsen müssen wandern

Kleine Tiere, aufwendige Umsiedlung: Auf der Brachfläche zwischen Lehrter Bauhof und Jugendzentrum Nord leben Zauneidechsen. Die unter strengem Artenschutz stehenden Tiere müssen das Gelände nun nach und nach verlassen, weil sie dem Millionenprojekt neue Feuerwache im Weg sind.

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Dort leben Zauneidechsen. Aber schon im Herbst sollen sie das Gelände hinter dem Bauhof freiwillig in Richtung Blockengraben verlassen haben.

Quelle: Achim Gückel

Lehrte. Sie werden gut 20 Zentimeter lang, die Weibchen sind graubraun, die Männchen an den Flanken hellgrün. Und die Tiere sind wegen der zunehmenden Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums mittlerweile sehr selten. Daher stehen Zauneidechsen per Bundesnaturschutzgesetz unter strengstem Schutz und dürfen weder getötet oder eingesammelt noch nachhaltig gestört werden.

Auf der Grünfläche hinter dem Lehrter Bauhof haben Experten jetzt genau geprüft, was dort kreucht und fleucht. „Sie haben eine nennenswerte Population von Zauneidechsen gefunden“, sagt Christian Bollwein von der Lehrter Stadtverwaltung. Eine derartige Überprüfung des Grunds sei für ein Bauprojekt obligatorisch. Der Fund der Reptilien habe die Stadt aber doch etwas überrascht. Trotzdem habe die Stadt die Angelegenheit „gut im Griff“, sagt Bollwein. Dass sich wegen der Zauneidechsen der Bau der neuen Feuerwache verzögern oder das Projekt sogar grundsätzlich in Gefahr geraten könne, sei sehr unwahrscheinlich.

Allerdings musste die Stadt jetzt ein umfangreiches Programm zur sogenannten Vergrämung der Zauneidechsen starten. Das sei mit Biologen abgestimmt und von den Naturschutzbehörden bereits abgesegnet, heißt es. Große Investitionen sind dafür nicht nötig, sehr wohl bedeutet die Aktion aber einen großen Arbeitsaufwand für die Mitarbeiter des Bauhofs.

Grundsätzlich geht es darum, den Tieren das Dasein auf ihrem angestammten Gelände hinter dem Bauhof ungemütlich zu machen, damit sie freiwillig von dannen ziehen. Das geschieht laut Bollwein unter anderem durch ein gezieltes und regelmäßiges Mähen des Areals. Außerdem wurden Unterschlüpfe aus Stroh und aus Ästen angehäuft. Diese werden nun immer wieder in den nördlichen Bereich des Geländes verlagert, wo keine Baumaßnahmen vorgesehen sind.

Im Idealfall ziehen die Zauneidechsen rund 150 Meter mit - und haben an dem westlich und nördlich des vom künftigen Baugrund verlaufenden Bockengrabens dann ein unantastbares Biotop. Damit alles klappt, werden nun sogar Baumstämme über den kleinen Wasserlauf gelegt. Diese sollen den Tieren quasi als Brücken dienen. Laut Bollwein soll die listige Umsiedlung im Herbst erledigt sein.

Grundsätzlich siedeln sich Zauneidechsen gern an Waldrändern, Bahndämmen, in alten Steinbrüchen, auf Magerwiesen oder in Wildgärten an. Die intensive Landwirtschaft, der Verlust von Randstreifen und Böschungen, aber auch der Straßen- und Siedlungsbau hat sie nach und nach zurückgedrängt.

Bahn siedelt für Megahub 164 Tiere um

Zauneidechsen sind nicht zum ersten Mal einem Großprojekt in Lehrte im Weg. Eine große Anzahl dieses Reptils kroch einst auch im Bereich des Rangierbahnhofs zwischen Kernstadt und Ahlten umher – genau dort, wo in den nächsten Jahren der riesige Containerumschlagplatz Megahub entstehen soll. Die Bahn musste aus Gründen des Artenschutzes tätig werden und siedelte nach eigenen Angaben exakt 164 Zauneidechsen um. Das geschah zwischen 1997 und 2012 – allerdings mit einer anderen Methode als jetzt am Bauhof. Die Tiere auf dem Gleisfeld wurden nach und nach eingesammelt und in ein Biotop am Rand des Ahltener Waldes geschafft. Es handelte sich bei diesen Zauneidechsen nach Angaben der Stadt um eine für Deutschland untypische Art, die offenbar mit Zügen aus Osteuropa eingewandert war und für die ein anderer Schutzstatus galt.

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