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Job-Coaching des SV Yurdumspor trägt Früchte

Lehrte Job-Coaching des SV Yurdumspor trägt Früchte

Sei Januar 2016 bietet der SV Yurdumsport in den Räumen des Schachclubs ein ehrenamtliches Job-Coaching für Flüchtlinge an. Das ist nicht nur sehr gefragt, sondern auch erfolgreich. Von 60 Teilnehmern haben es 21 in Praktika, Einstiegsqualifizierung, Ausbildung oder Job geschafft.

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60 Flüchtlinge, überwiegend aus Schwarzafrika, nutzen das Job-Coaching beim SV Yurdumspor.

Quelle: privat

Lehrte. "Das Job-Coaching mit Geflüchteten ist sehr individuell und persönlich, aber keineswegs einfach", sagt Anke Gabcke, Integrationsbeauftragte des Vereins. Sie und ihre ehrenamtlichen Job-Coache bieten neben der wöchentlichen offenen Beratungssprechstunde zusätzlich individuelle Termine an. Denn es gibt viel zu tun: Unterlagen aus dem Heimatland müssen geprüft, Kompetenzprofile entwickelt, Bewerbungsunterlagen erstellt, geeignete Stellen gesucht, Vorstellungsgespräche vorbereitet, Bewerber bei der Arbeitsaufnahme begleitet und Praktika vermittelt werden. Weiterhin gehören Einstiegsqualifizierung sowie Tipps aus der Praxis wie Betriebsbesichtigungen und Azubi-Gespräche zum Angebot.

"Neben dem Spracherwerb ist die Integration in den Arbeitsmarkt eine wichtige und große Herausforderung für alle Flüchtlinge", sagt Gabcke. Kein Wunder also, dass diese das ehrenamtliche Unterstützungsangebot nur allzu gern wahrnehmen. 60 Interessenten begleiteten die Job-Coaches im vergangenen Jahr - und zwar ausschließlich Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren. Diese kamen überwiegend aus Schwarzafrika, auch wenn im Verlauf des Jahres die Zahl der Teilnehmer aus den Ländern Syrien, Irak, Iran und Somalia anstiegen ist.

Dass etwa 80 Prozent von ihnen nur ungenügend bis schlichtweg gar kein Deutsch verstehen, macht das Erstellen eines sogenannten Kompetenzprofils sehr aufwendig und schwierig. In diesem wird zusammengestellt, über welche beruflichen und persönlichen Erfahrungen der Geflüchtete verfügt. Es dient als Basis für die gemeinsame Überlegung, in welchem Bereich eine Beschäftigung möglich und sinnvoll ist - und welche weiteren Aktivitäten die dahingehenden Chancen vergrößern können.

Die Erfahrungen und Fähigkeiten differieren je nach Herkunftsland sehr stark. So haben Afrikaner zumeist überwiegend in der Landwirtschaft oder als Fahrer gearbeitet und verfügen häufig über keinerlei Schulbildung. Einige Syrer und Iraker hingegen haben in ihrem Heimatland studiert und streben dementsprechend auch in Deutschland eine qualifizierte Beschäftigung an.

Egal ob hochqualifizierter Job oder Lagerarbeit: Ohne entsprechende Sprachkenntnisse geht es nicht. Und der deutsche Alltag muss zu bewältigen sein. Paten, so die Erkenntnis der Ehrenamtlichen, seien eine gute Hilfe beim Sammeln von Erfahrungen mit dem Gesellschaftssystem und dem Abbau von falschen Vorstellungen. Wenn die Flüchtlinge die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen, werden mit ihnen gemeinsam Bewerbungsunterlagen erstellt und passende Stellenausschreibungen gesucht. Kommt eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, bereiten die Coaches ihre Schützlinge darauf vor und begleiten sie auf Wunsch auch dorthin.

 Der intensive Einsatz trägt Früchte: Bis heute hat der SV Yurdumspor es geschafft, zwölf Teilnehmer in ein Praktikum, zwei in eine Einstiegsqualifizierung, zwei in eine Ausbildung und fünf in eine Beschäftigung zu vermitteln. "Branchen sind die Logistik, Dienstleistung und Handel - überwiegend im Niedriglohnsektor“, sagt der Yurdumspor-Vorsitzende Yetis Özdemir.

Trotz allem mahnt Gabcke aufgrund ihrer Erfahrungen aus dem Job-Coaching zu Realismus: „Perspektivisch ist davon auszugehen, dass die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen in den ersten Arbeitsmarkt ein langer und schwieriger Prozess sein wird, der viel Geduld von allen Beteiligten erfordert." Neben einer persönlichen Betreuung des Flüchtlings durch einen Mentor, seien auch Unterstützungs- und Beratungsleistungen seitens der Arbeitgeber eine sinnvolle Investition.

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Marius Leon von der Elfenbeinküste hat es geschafft: Der Flüchtling hat in Hämelerwald einen festen Arbeitsvertrag als Klempner unterschrieben.

Quelle: privat

Von Sandra Köhler

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