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Ein Kuhstall diente als Atelier

Immensen Ein Kuhstall diente als Atelier

Nach 45 Jahren und 90 Kunstwerken ist Schluss: Die Schützenscheiben, die die Majestäten des Schützenvereins in Kürze an den Giebeln ihrer Häuser befestigen können, sind die letzten aus der Hand von Helmut Erxleben.

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Jagdmaler Helmut Erxleben zeigt die letzten beiden Scheiben, die er für den Schützenverein Immensen angefertigt hat.

Quelle: Sandra Köhler

Lehrte. „Ich kann es nicht mehr richtig sehen“, sagt der 1927 in der Altmark geborene und seit 1955 in Immensen lebende Künstler bedauernd: „Deswegen lasse ich es jetzt sein.“

Welch hohen Anspruch er an sein eigenes Schaffen hat, das zeigen die unzähligen, mit viel Liebe und Können bis ins feinste Detail ausgearbeiteten Darstellungen von Tieren wie Wildschweinen, Hirschen und Fasanen. „Ich male nur einheimisches Wild, wie ich es selbst erlebt habe“, betont Erxleben.

Mit diversen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Gemäldeausstellungen, etwa im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum in München sowie in Lulea am Polarkreis, hat er sich europaweit einen Ruf als hervorragender Jagdmaler erworben. Mit feinstem Pinsel bannte er seine Beobachtungen in Öl, meist im Freien. „Auch der Hintergrund muss passen“, sagt der Perfektionist: „Ich habe Hirsche meist im Schnee gemalt, weil man die auch im Winter schießt.“ Studiert hat der gelernte Kaufmann und Landwirt niemals.

Sein bereits als Kind zutage getretenes Talent entwickelte er vielmehr während seiner zweijährigen Kriegsgefangenschaft in Italien weiter. „Da gab es einen Kameraden, der zeichnete aus der Hand und ermunterte mich: „Sieh mal zu, wenn du eine Papiertüte hast, dann kannst du das auch machen“, erinnert sich der Autodidakt, der sich später in seiner neuen Heimat ein Atelier in einem leer stehenden Kuhstall einrichtete.

An seine Schützenscheiben legte er ebenso hohe Maßstäbe an, wie an alle seine anderen Gemälde. Kein Wunder also, dass das Burgdorfer Kreisblatt bereits 1971 titelte: „In Immensen sind die Königsscheiben kleine Kunstwerke“ und weiter ausführte: „Was alljährlich unter seinen geschickten Händen entsteht, sind Kunstwerke, viel zu schade eigentlich, um später an den Giebeln der ,Königshäuser‘ Wind und Wetter ausgesetzt zu werden.“

Als sein Vorgänger in Sachen Schützenscheiben, Paul Truschel, aus Altersgründen den Pinsel niederlegte, verfielen die Immenser Schützenbrüder zügig auf den Geselligkeit liebenden Erxleben. Sein Jagdfreund Rudolf Kochannek - der gleichzeitig der Schatzmeister des Schützenvereins war - klopfte bei dem Jagdmaler an. Und der stimmte schließlich zu. „Aber nur für Immensen. Mich haben später auch andere Vereine aus dem Umkreis gefragt. Aber das habe ich abgelehnt. Ich wollte keine Schützenscheiben in andere Dörfer tragen“, betont der Mann, dessen Giebel-Kunstwerke allein einen Besuch in Immensen lohnen.

Von Sandra Köhler

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