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Erste Bildungsseminare am Eisenzeithaus

Lehrte Erste Bildungsseminare am Eisenzeithaus

Die weit und breit ungewöhnlicheste Bildungsstätte hat jetzt ihre Arbeit aufgenommen. Seit kurzer Zeit gibt es am Eisenzeithaus in Grafhorn Seminare, in denen Kinder und Erwachsene am eigenen Leib erfahren können, wie die Menschen vor 400 Jahren lebten und arbeiteten. Zu Gast waren dort jetzt auch Kinder Immenser Grundschule.

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Ava (10, rechts) und Conny (10) mühen sich, aus Dinkelkörner Mehl für Fladenbrote herzustellen.

Quelle: Michael Schütz

Grafhorn. Es ist nicht besonders schwierig, sich in diesen modernen Zeiten ein Fladenbrot zu besorgen. Man kauft es einfach. In der Eisenzeit war das aber ein eher mühsames Unterfangen, wie jetzt 75 Kinder der Heinrich-Bokemeyer-Schule aus Immensen erfuhren.Seinerzeit mussten die Menschen ihr Mehl zum Backen erst aus Getreide mahlen, bevor daraus ein Teig geformt werden konnte. Ava und Conny waren nur zwei der Immenser Grundschüler, die sich, mit einem Stein ausgerüstet, am Eisenzeithaus an die Dinkelkörner machten, um sie klein zu kriegen. "Mit den großen Steinen geht es besser", fand die zehnjährige Ava. Zeit brauchte es trotzdem.

Genau diese Langsamkeit  ist ein Kernstück der Pädagogik im Eisenzeithaus. "Es ist ein Stück Entschleunigung für die Kinder", sagt Christian Helmreich, der das Naturfreundehaus Grafhorn und die neue Bildungsstätte betreibt. Wer an einer solchen Reise in die Ära der Eisenzeitmenschen teilnimmt, solle auch lernen, Frustrationen zu ertragen und den Willen zu entwickeln, nicht aufzugeben.

Seit dem Frühjahr bieten Helmreich und sein Team diese Reisen in die Eisenzeit an. "Das kommt ziemlich gut an", sagt er. Auch Erwachsene ließen sich inspirieren. Gerade erst sei eine Gruppe Manager aus Hannover nach Grafhorn gekommen, um dort als Team zusammen zu wachsen.

Das Angebot der offiziell Natur- und kulturhistorische Bildungsstätte (Nakubi) Grafhorn genannten Einrichtung gliedert sich in mehrere Bausteine. Teilnehmer können sich auch am Töpfern, der Bearbeitung von Feuersteinen, dem Herstellen von Steinfiguren, dem Ackern oder dem Bauen von Zelten aus Ästen und Laub nach Art der Sammler und Jäger versuchen. Ein wahres Geduldsspiel sei das Entfachen eines Feuers mithilfe von Heu, Reisig und Zunderschwamm, sagt Helmreich: "Meist ist man schon kaputt, wenn es gerade einmal raucht." Der Nakubi-Chef plant außerdem, künftig mit den Seminarteilnehmern Bronzeguss oder Eisenverhüttung auszuprobieren. "Aber das müssen wir selber erst mal lernen", sagt Helmreich.

Die Vermittlung der Geduld scheint bei den Immenser Schülern schon geklappt zu haben. "Es dauert ein bisschen, bis man einen schönen Splitter hat", sagte die neunjährige Finja, die mit ihrer Schulkameradin Jana Feuerstein bearbeitete, um kleine Beile und Pfeilspitzen zu produzieren. "Aber damals hat man sich auch daran gewöhnt, dass es so lange dauert."

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Von Michael Schütz

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