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Erstes bezahlbares energieautarkes Eigenheim steht in Lehrte

Kein Stromanschluss Erstes bezahlbares energieautarkes Eigenheim steht in Lehrte

Die Firma Helma stellte am Donnerstag in Lehrte das bundesweit erste bezahlbare energieautarke Eigenheim vor. Kosten: 363.000 Euro. Beginnt im Lehrter Musterhauspark tatsächlich die Zukunft des Wohnens?

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So soll sie aussehen, die „Zukunft des Wohnens“: Sonnenkollektoren und Photovoltaikmodule auf dem Dach, ein Elektromobil unter dem Carport und ein Festmeter Holz als Reserve daneben.

Der Energieversorger hat beste Laune: Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel, als die Firma Helma in Lehrte das erste energieversorgerunabhängige und bezahlbare Fertighaus der Welt präsentiert. Für 363 000 Euro stellt die Firma ein schlüsselfertiges Eigenheim mit 168 Quadratmetern Wohnfläche auf, das ohne Anschlüsse an Versorgungsnetze auskommt. Das, was Helma gestern zeigte, ist für das Unternehmen nicht weniger als „Die Zukunft des Wohnens“.

Und diese Zukunft sieht von außen betrachtet nach geschmackvollem, vielleicht etwas biederem Understatement aus: ein hübsches weißes Häuschen mit Carport, viel Fensterfläche – und vielen, vielen Solarmodulen auf dem Dach. Die Sonne versorgt das Haus mit Wärmeenergie für Heizung und Warmwasser, liefert den Strom für den Haushalt und sogar für das Elektroauto vor der Tür – das nachts aufgeladen werden kann. „So etwas können selbst moderne Plus-Energiehäuser nicht“, erklärt Prof. Timo Leukefeld, der das Projekt mitentwickelte. Möglich wird das durch eine Reihe von Akkus, die in einem Behälter hinter dem Haus stehen – etwa so groß wie zwei Schreibtische. Sollte ein kalter Winter die Energiespeicher mal in Bedrängnis bringen, steht ein Kaminofen bereit. Zwei Festmeter Holz reichen aus, bis die kalte Periode überwunden ist, verspricht der Hersteller.

Die Helma Eigenheimbau AG hat an diesem Donnerstag das erste vollständig energieautarke Fertighaus am Firmensitz in Lehrte eröffnet. Die Sonne versorgt es mit Wärmeenergie für Heizung und Warmwasser und liefert den Strom für Haushalt und Elektro-Mobilität. Ein öffentlicher Stromnetzanschluss ist nicht erforderlich, somit sind die Bewohner des Hauses tatsächlich völlig unabhängig von Energieversorgern.

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Während viele der geladenen Gäste noch etwas skeptisch dreinblickten, sind die beiden Bundestagsabgeordneten, die Helma zur Präsentation eingeladen hat, bereits von dem Projekt überzeugt. „Das Haus weist nach, dass Unabhängigkeit von konventionellen Energien möglich ist“, sagt Maria Flachsbarth (CDU). Und Matthias Miersch aus Laatzen, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, ist „stolz, dass ein solches Projekt in diesem Wahlkreis existiert“. Nun müsse es bundesweit bekannt gemacht werden.

Der Clou des Hauses seien nicht etwa neuartige Technologien, erklärt Leukefeld, sondern die besonders intelligente Zusammenführung gängiger Technik. Ein ausgeklügeltes Mess-, Steuer- und Regelsystem sorgt für den optimalen Einsatz der gewonnenen Energie. Beispielsweise konsultiere der Geschirrspüler nach dem Einschalten zunächst automatisch den Wetterbericht – und wenn die Zeit reicht, schaltet er sich dann ein, wenn die Sonne sowieso per Photovoltaikmodul Strom liefert. So sehr die Technologie auf Effizienz abgestimmt ist – die Bewohner müssen sich nicht einschränken, verspricht Helma-Vorstandschef Karl-Heinz Maerzke. Schaumbäder, Dauer-Internetsurfen oder nachts das Licht brennen lassen – all das verkrafte das System. „Man kann hier mit gutem Gewissen Energie verschwenden.“ Im Anschaffungspreis sei das Haus zwar kein Schnäppchen, allerdings stelle es im Betrieb gleich drei Bereiche des Lebens kostenfrei zur Verfügung, nämlich Wohnen, Energieverbrauch und Mobilität, sagt Entwickler Leukefeld.

Für den Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Carsten Körnig, der direkt nach der Eröffnung der „Woche der Sonne“ von Berlin nach Lehrte eilte, ist dieses Projekt „unter Tausenden das Entscheidende“, sagt er. Auf der Leinwand hinter ihm zeigt ein Animationsfilm ein nächtliches Gewitter über einer Neubausiedlung. Dann schlägt der Blitz ein, und überall geht das Licht aus. Nur das Helma-Haus bleibt erleuchtet.

Rüdiger Meise

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