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Schützen marschieren, musizieren und schwitzen

Lehrte Schützen marschieren, musizieren und schwitzen

Mit dem großen Schützenausmarsch ist das viertägige Schützenfest in Lehrte zu Ende gegangen. Bei Sonnenschein und bester Laune ließen sich die neuen Majestäten von ihrem Schützenvolk feiern. Mit schmissiger Musik sowie vielen Klubs und befreundeten Schützenvereinen marschierten sie winkend im Gleichschritt durch die Innenstadt.

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Mit Fahnen und viel Musik marschieren die Schützen und Vereine vom Rathaus zum Festplatz. Bürgerschützenkönigin Elke Müller hat es gut – sie wird beim Festumzug gefahren.

Quelle: Mareike Schmidt

Lehrte. Die Schützen sind Sonntagnachmittag ordentlich ins Schwitzen gekommen. Beim großen Festumzug vom Rathaus zum Schützenplatz herrschte Uniformpflicht - die Hüte blieben daher auf und Jacken und weißen Handschuhe an.

Das Schützenfest in Lehrte hat begonnen.

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Ihr Fröhlichkeiten bewahrten sich die Schützen aber dennoch. Mit schmissiger Musik sowie vielen Klubs und befreundeten Schützenvereinen marschierten sie winkend im Gleichschritt durch die Innenstadt. Die Zuschauer winkten zurück. Vor allem an der Unterführung der Berliner Allee hatten sich viele Schaulustige eingefunden.

Der Umzug gehörte zu den Höhepunkte des viertägigen Lehrter Schützenfestes. Beim Königsfrühstück im Zelt hatten die Preisträger des Ratsschießens am Sonnabend launige Reden gehalten. Beim anschließenden Scheibenaufhängen durften Bürgerschützen und Schützen-Corps dann etwa durchschnaufen, bevor am Abend mit der Band „Die Zwiebeltreter“ kräftig gefeiert wurde.

Sidortschuk reimt sich was auf Lehrte

Wer gemeint hat, dass das Lehrter Schützenfest wegen der Schulferien unter Besuchermangel zu leiden hätte, sah sich zumindest beim Königsfrühstück eines Besseren belehrt. Ein mit rund 400 Gästen bestens besetztes Zelt ließ den SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch zur Erkenntnis kommen: „Warum in den Süden fahren? Wärme haben wir auch im Festzelt.“ Das Interesse an der Veranstaltung am Sonnabendmorgen war dem Ratsschießen geschuldet: Beim Königsfrühstück werden der Sieger und der Letztplatzierte geehrt, wobei sie eine möglichst humorvolle Rede halten müssen. Ist das normalerweise schon interessant genug, gab es in diesem Jahr ein besonderes Zugpferd. Der Bürgermeister persönlich hatte die Rote Laterne des Schlusslichts errungen, und so musste Klaus Sidortschuk die Lehrter Kommunalpolitik kommentieren. Wer allerdings einen Angriff auf die Opposition erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Sidortschuk zog sich mit geradezu stadtväterlich überparteilichen Reimen aus der Affäre. Das „arme kleine Bürgermeisterlein“, wie er sich beschrieb, ließ das Schimpfen außen vor, denn „das brächt´ das Zelt in Wallung / gehört doch aber eher in die Stallung“. Stattdessen sang Sidortschuk ein Loblied auf Rat und Stadtverwaltung: „Ob schwarz, ob rot, ob grün oder gelb / ob die Haare kräftig oder auch schon welk / die Ideen sind oft gut und selten schlecht / Sie wissen´s: Die Verwaltung macht es dann schon recht“. Derbe draufschlagen mochte auch der Sieger des Ratsschießens nicht. Ralf Wengorsch bemühte die feine Ironie. Er versetzte Lehrte in die Mitte des ?19. Jahrhunderts – eine in der Fiktion durchaus gängige Methode, mit historischen Mitteln aktuelle Zustände zu kritisieren. Im ländlichen Lehrte sei der Ausbildungsbetrieb, der der Jugend die Schmiedekunst und das Rechnen beigebracht habe, vom Regionsfürsten abgezogen worden. Damit spielte er auf die ?Verlegung der Berufsbildenden Schulen in die Nachbarstadt Burgdorf an. Das im Entstehen begriffene Parkhaus in Lehrtes Zentrum verglich der Steinwedeler Christdemokrat mit einem „Rondell, auf dem unsere Kutschen auf sechs Ebenen stehen“, und er kritisierte die mögliche Schließung des ortansässigen Krankenhauses – des „Doktors, der seine Residenz demnächst in rund 30 Kilometern Entfernung haben wird“.

Beim Scheibenaufhängen wird es gemütlich

Bei anderen Schützenvereinen gehört das Aufhängen der Scheiben zu den öffentlichen Höhepunkten eines Schützenfestes. Bei den Lehrter Vereinen geht es dagegen eher privat zu. Die Vereinsmitglieder nutzen den frühen Sonnabendnachmittag regelmäßig zum gemütlichen Verschnaufen. Das Schützen-Corps hatte dabei durchaus Tuchfühlung, denn im Garten des Königs Hermann Buchholz mussten nicht nur die Lehrter Schützen untergebracht werden. Die Musikanten der befreundeten Musikkapelle Grünsfeld fanden auch eine Ecke, von der aus sie spielen konnten. Neben der Scheibe wurde König Hermann noch mit anderen Gaben beschenkt. Dabei stand besonders im Mittelpunkt, dass gerade ein Schützenmusiker zum 90-jährigen Jubiläums des Spielmannszuges König wurde. Kollege Helge Schaubode überreichte Buchholz dafür ein aktuelles Foto des Zuges. Bei den Bürgerschützen hatte sich König Werner Lubetzky mit seinem Gefolge ins Vereinsheim zurückgezogen. „Hier ist es einfacher zu organisieren als zu Hause“, meinte er. Das hinderte seine Untertanen allerdings nicht daran, die Scheibe, kaum aufgehängt, zu klauen. „Das wird schon einige Biere kosten, die wieder auszulösen“, fügte sich Lubetzky in seine traditionelles Schicksal.

Von Michael Schütz und Katja Eggers

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