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Bombenentschärfung verzögert sich

Bombenfund in Lehrte Bombenentschärfung verzögert sich

Rund 7000 Lehrter mussten ihre Wohnungen verlassen: Bei Bauarbeiten in der Nähe einer Kleingartensiedlung ist eine Fliegerbombe gefunden worden. Seit 17 Uhr sind die Bahnstrecke komplett gesperrt und die Hauptstraßen abgeriegelt. Die Bombe sollte ab 19 Uhr entschärft werden, der Einsatz verzögerte sich. Jetzt nahm der Sprengmeister die Bombe in Augenschein.

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Noch ist unklar, wann die wartenden Menschen wieder in ihre Wohnungen können.

Quelle: Brunhöber

Lehrte. Ein Rollstuhlfahrer, der sich noch in seiner Wohnung befand, und zwei Personen, die sich auf dem Bahndamm in Lehrte aufhielten: Sie haben die Entschärfung der Bombe bisher deutlich verzögert. In der Sammelstelle warten inzwischen rund 600 Menschen darauf, endlich nach Hause zu dürfen. Einige Menschen werden unruhig, zum Beispiel weil sie Medikamente einnehmen müssen, die sie nicht bei sich tragen.

Bei der Bombenräumung in Lehrte verzögerte sich alles: Die Einsatzleitung ist zunehmend missmutig. Immer noch hielten sich Leute im Sperrbezirk auf, verzögerten dadurch den Einsatz und die Rückkehr Tausender in ihr Zuhause. Zwischenzeitlich war ein Helikopter aufgestiegen, der noch einmal überprüfte, ob sich wirklich niemand mehr im Gebiet aufhält. Ab kurz nach 19 Uhr sollte die Bombe entschärft werden, dies verzögert sich jedoch weiter. Da es sich um einen mechanischen Zünder handelt, kann wahrscheinlich auf eine Sprengung verzichtet werden. Bei chemischen Zünder ist dies meist unausweichlich. Die Feuerwehr hat trotzdem begonnen, Strohballen und Wasser zu besorgen, um im Falle einer Sprengung die Detonation abzuschwächen. Jetzt hat der Sprengmeister die Bombe in Augenschein genommen.

Sporthalle fungierte als Sammelstelle

Gegen 15 Uhr hatten Polizei und Feuerwehr begonnen, im Westen der Kernstadt ein Gebiet evakuieren, in dem rund 7000 Menschen wohnen. Ein nicht immer einfaches Unterfangen: Mancher musste mühsam überredet werden, sein Haus zu verlassen. Eine ältere Frau hat sich sogar zunächst schlicht geweigert, berichtet ein Feuerwehrmann. Auch ein Seniorenheim und ein Heim für betreutes Wohnen mussten geräumt werden. Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, sorgten dafür, dass auch Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ihre Wohnung verlassen konnten.

Die Anwohner wurden jäh aus ihrem Tagesablauf herausgerissen: „Ich stand gerade unter der Dusche, als ich die Polizeidurchsage durchs Megaphon hörte, dass die Leute die Wohnungen verlassen sollen", sagt Jan Pachol, der nun, mit seinem sieben Wochen alten Sohn auf dem Schoß, vor der Sporthalle am Südring auf dem Rasen sitzt  und darauf wartet, dass er wieder nach Hause zurück kann. Die Sporthalle fungierte als Sammelstelle. Sie bleibt mit schätzungsweise 100 bis 200 Menschen relativ leer. Helfer des DRK versorgten die Wartenden mit Speisen und Getränken. Ziemlich voll sind dagegen Cafés außerhalb des Absperrgebiets."

Evakuierung wurde per Lautsprecher angekündigt

Die betroffenen Einwohner wurden per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Eine Sammelstelle ist nach Angaben der Stand in der Vier-Feld-Sporthalle am Südring eingerichtet worden. Die Hauptverkehrsstraßen nach Lehrte sind bereits gesperrt - darunter die B 443 und die K 385. Auch auf den Zugverkehr hat sich die Evakuierung ausgewirkt: Der Lehrter Bahnhof selbst liegt in der Sicherheitszone und musste komplett gesperrt werden. 

Nach Informationen der Bahn wurde mit der Evakuierung um 15 Uhr begonnen.Spezialisten vom Kampfmittelräumdienst prüften, ob die Bombe gesprengt werden muss, oder ob sie entschärft werden kann. Ab 18:30 Uhr sollte der Blindgänger entschärft werden. Die Vorbereitungen ziehen sich jedoch hin, weil viel mehr Bettlägerige als gedacht aus dem Sperrgebiet als Liegendtransporte gebracht werden mussten und da sich noch immer Menschen im Sperrbezirk aufhalten.

Komplette Streckensperrung seit 17 Uhr

Laut Angaben der Bahn sollte die Sperrung des Bahnhofs ursprünglich um 18 Uhr beendet sein. Für den Zugverkehr wirkt sich die Bombenentschärfung wie folgt aus: Die Züge der Linien S 6, S 7 und S 3 sowie die Regional-Expresszüge von und nach Wolfsburg und Braunschweig werden in dieser Zeit nicht in Lehrte halten. Ab Hannover hat die Bahn einen Schienenersatzverkehr mit Bussen nach Lehrte eingerichtet.

Reisende können sich auf der Internetseite der Bahn informieren.

In einer Kleingartensiedlung in Lehrte ist eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden.

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Nach ersten Informationen wurde die Bombe am Montagvormittag gegen 10.30 Uhr bei Ausschachtungsarbeiten in der Kleingartensiedlung am Fuhrenweg entdeckt.  Erst in der vergangenen Woche wurden Sprengstoffsplitter entdeckt, im Mai eine weitere Bombe - allerdings ohne Zünder. Beide Male war eine Evakuierung nicht notwendig gewesen. Die Stadt Lehrte baut in dem Gebiet ein großes Regenrückhaltebecken. Bereits nach dem ersten Fund war das Gelände vom Experten mit Detektoren nach möglichen Bomben abgesucht worden. Sie hatten aber grünes Licht gegeben. Wahrscheinlich liegt die Bombe in zu großer Tiefe.

Wie ein Sprecher mitteilte, handele es sich bereits um den dritten Blindgänger, der in dem betroffenen Gebiet innerhalb eines kurzen Zeitraums gefunden wurde.

Von Eike Brunhöber und Esther Kathmann

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Bombenfund
Sprengmeister Marcus Rausch (r.) und die Munitionsfacharbeiter Ronald Kowski (l.) und Marcus Gesk mit der Bombe.

Die Fliegerbombe, die am Vormittag in der Kleingartensiedlung in Lehrte entdeckt worden war, konnte erfolgreich entschärft werden. Die Anwohner, die seit Stunden in einer Notunterkunft ausharrten, konnten in ihre Wohnungen zurück.

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