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Fuchsbau: Mehr als Musik

Lehrte Fuchsbau: Mehr als Musik

Ein riesiger Abenteuerspielplatz für Kulturtreibende und kulturell Interessierte: Das umreißt das Wesen des Fuchsbaufestivals in aller Knappheit. Und wird dem Konzept des 20-köpfigen Veranstalter-Kollektivs aus Studenten und Künstlern doch nicht in Gänze gerecht.

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Entspannte Stimmung auf dem Festivalgelände des Fuchsbaufestivals.

Quelle: Sandra Köhler

Lehrte. Denn das Meiste von dem, was die zwischen 2000 und 3000 Besucher in den vergangenen drei Tagen bei der vierten Auflage des Festivals auf dem Gelände der alten Ziegelei bei Immensen erlebt haben, ist zudem höchst politisch und/oder gesellschaftskritisch angehaucht. Das gilt für klassische Malerei, etwa von Isabel Friedrich, wie für die Installationen von Charlotte Hoffmeister, für Lesungen bekannter und unbekannter zeitgenössischer Literaten wie Kevin Kuhn, Daniela Janjic und Bruno Mokross genauso wie für Performance und Theater, sehenswerte Kurzfilme und bekanntere Streifen wie „Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“.

Auf dem Gelände der alten Ziegelei in Lehrte hat das Fuchsbau-Festival eine neue Heimat gefunden. Das Festival 2015 in Bildern.

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Das große Interesse an Programmpunkten wie Podiumsdiskussionen unter den Titeln „Kann Kunst die Welt verändern oder leidet sie an Größenwahn?“ und „Krieg, Medien, Vermessenheit“ zeigt, dass die größtenteils jüngeren Besucher durchaus bereits sind, sich und ihre Umwelt kritisch zu hinterfragen. „Es gibt keine unpolitische Generation“, formuliert es Valerie Göhring in ihrem „Fuchsbau-Manifest“: „Mit dem Fuchsbaufestival versuchen wir, einen Raum aufzubauen, in dem Platz ist, sich Gedanken zu machen ­- über Freiheit, Furcht, Liebe, Wahl, Größenwahn- und die Haltung, die man bereit ist einzunehmen.“

Ganz bewusst hatten die Fuchsbau-Macher Größenwahn zum zentralen Thema erhoben, zum berühmten roten Faden gemacht. Mit dem Thema lässt sich trefflich spielen, wie es die Street-Art-Künstler von Olf Lupin mit ihren bunten großformatigen Wandbildern tun, die etwa einen König im Unterhemd mit Goldkettchen auf einem Elefantenthron zeigen. Es lässt sich aber auch heftig provozieren: So philosophierte Frederik Buchholz beim Wettstreit des Größenwahns gekonnt, aber deutlich an der moralischen Schmerzgrenze darüber, ob Kannibalismus eine Lösung für den Welthunger darstellen könne. Menschlichen Größenwahn par excellence setzte das Duo Eigenwelt mit seiner eigenwillig-kreativen Interpretation des Turmbaus zu Babel ein temporäres Denkmal.

Aber auch, wer am Wochenende einfach nur feiern wollte, war im Fuchsbau gut aufgehoben: Je später der Abend, desto besser war die Party, wenn Bands wie Moglebaum und DJs wie Ben UFO an den insgesamt vier Bühnen für Stimmung im Publikum sorgten.

Zytanien oder Hannover – das ist hier die Frage

Ob das Fuchsbaufestival auch im kommenden Jahr seine Zelte in Zytanien aufschlägt oder nach Hannover wechselt – wie von einigen dort diskutiert –, steht noch in den Sternen. „Wir wollen erst einmal das laufende Festival gut über die Bühne bekommen“, sagt Pressesprecherin Paula Rathjen und stimmt damit mit Backoffice-Leiterin Corinna Haug, Literaturexpertin Valerie Göhring und der Kunstverantwortlichen Nina Diel überein. „Hinterher werden wir uns mit allen Beteiligten, nicht zuletzt mit der Stadt Lehrte, austauschen.Und dann im Kollektiv überlegen, was im kommenden Jahr geschehen soll.“ Drei verschiedene Locations in vier Jahren, das sei natürlich nicht ganz einfach. Am Anfang habe sie, gibt Haug zu, in der Tat ein wenig Bedenken gehabt, ob der Fuchsbau denn an einem Ort funktionieren könne, der bereits seit Jahren mit einem anderen Festival belegt sei und an dem auch noch Leute wohnten: „Wir wollten denen ja nicht ihre ganze Welt umbauen.“ Doch die Zusammenarbeit mit den Zytaniern, der Stadt und der Polizei habe hervorragend geklappt. Und das Vorhandensein von Bühnen und logistischem Know-how habe die stressige Aufbauphase erleichtert. Zudem passe das Gelände mit seiner Verbindung aus Natur und Industriegebäuden schon super zum Fuchsbau.

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