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Aldi-Logistikzentrum: Heftiger Zoff im Ortsrat

Lehrte Aldi-Logistikzentrum: Heftiger Zoff im Ortsrat

In der jüngsten Sitzung des Ortsrates Aligse, Kolshorn und Röddensen ist es sehr kontrovers zugegangen. Die Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung des Aldi-Logistikzentrums am Rand Aligses übte heftige Kritik an Dorfpolitikern und Stadt. Beide hätten den Bürgern gegenüber nicht mit offenen Karten gespielt.

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Auf dieser etwa 175.000 Quadratmeter großen Fläche zwischen der Autobahn 2 und dem Gewerbegebiet Mergelfeld will Aldi Nord sein neues Logistiklager errichten.

Quelle: Hiller

Aligse. Die Drei-Dörfer-Initiative forderte unter großem Beifall der mehr als 40 Zuhörer im Landgasthaus, der Ortsrat solle seine Empfehlung für das auf einer Fläche von rund 175.000 Quadratmetern geplante Aldi-Zentrum südwestlich von Aligse zurücknehmen. Die Lokalpolitiker hatten Ende April bei einer Gegenstimme des Ortsbürgermeisters Frank Seger für den Entwurf des Bebauungsplans gestimmt und sahen sich nun dem Vorwurf ausgesetzt, den Wählerauftrag nicht wahrzunehmen. In den vergangenen Wochen haben rund 1010 Bürger die Unterschriftenlisten gegen die Industriepläne unterzeichnet.

Harsche Kritik bekam in der Sitzung vor allem das beigeordnete und nicht stimmberechtigte Ortsratsmitglied Bodo Wiechmann ab, der auch gleichzeitig Fraktionschef der SPD im Lehrter Stadtrat ist. Wiechmann zweifelte Zahlen an, die Otto Lüders von der Bürgerinitiative (BI) unlängst öffentlich vorgelegt hatte. Der Aligser Rechtsanwalt und Unternehmensberater hatte unter anderem Zahlen zu Gewerbesteuereinnahmen, Gewinnen und Umsätzen in einem Aldi-Gutachten angezweifelt und der Stadt vorgeworfen, sie würde diese Angaben nicht hinterfragen. "Die Zahlen von Herrn Lüders sind aber schlicht falsch", sagte Wiechmann.

Vertreter der BI erklärten, dass für sie das Thema Gewerbesteuer gar nicht ausschlaggebend sei, sondern man sich vielmehr um Lärm, erhöhtes Verkehrsaufkommen und die Zerstörung des Ortsbildes und der Umwelt sorge. Doris Rohjans, Sprecherin der Bürgerinitiative, betonte, dass man in Aligse kein Industriegebiet direkt vor der Haustür haben wolle.

Zuhörer Michael Meyer-Frerichs erklärte, dass er sich von der Stadt über den Tisch gezogen fühle. Weder Aldi noch die Verwaltung hätten den Bürgern jemals erklärt, was der Begriff Industriegebiet baurechtlich bedeute - nämlich ein 24-Stunden-Betrieb mit erheblich mehr Lärm und Verkehrsbelastung als in einem Gewerbegebiet - auch am Wochenende und in der Nacht, so Meyer-Frerichs.

Als Wiechmann auf Nachfrage erklärte, der Ortsrat habe von Anfang an gewusst, dass in Aligse ein Industriegebiet geplant sei, bekundeten die Zuhörer erneut lautstark ihr Unverständnis. "Aldi hat da kein Geheimnis draus gemacht, vielleicht hat die Öffentlichkeit das nur nicht in dieser Deutlichkeit wahrgenommen", erklärte Wiechmann. Er fragte zudem, ob die BI denn wisse, dass Lüders einen der Eigentümer des Grundstücks, auf dem Aldi bauen möchte, als Anwalt berate. "Ich sehe da einen Interessenkonflikt", erklärte Wiechmann.

Er sagte, dass derzeit viel Unmut herrsche und bat darum, den Fachdiensten nun Zeit zu geben, um alle Einwände und Fakten zu prüfen. Die Bürger protestierten daraufhin erneut. Es gebe schon jetzt erschreckende Fakten, die nicht mehr bestritten werden könnten. Es stehe zudem die Glaubwürdigkeit der gesamten Kommunalpolitik auf den Prüfstand, hieß es aus dem Publikum.

Wenn die Beschlussvorlage zur weiteren Beratung in den politischen Gremien vorliegt, soll es nun noch vor den offiziellen Beratungen ein Gespräch zwischen der SPD im Stadtrat und der BI geben. Für die Moderation hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch zugesagt. Ein konkreter Termin steht noch nicht fest.

Von Katja Eggers

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