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Lehrtes Schulkindergarten soll aufgelöst werden

Lehrte Lehrtes Schulkindergarten soll aufgelöst werden

Die Grundschule An der Masch will Lehrtes einzigen Schulkindergarten nicht mehr weiterführen und hat dessen Auflösung zum Schuljahresende beantragt. Grund seien die unhaltbaren Zustände, sagt Rektorin Heike Haarstrich: "Er ist zunehmend ein Auffangbecken für Schüler mit multiplen Auffälligkeiten geworden."

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Das Kollegium der Grundschule An der Masch will den einzigen Schulkindergarten in Lehrte auflösen.

Quelle: Sandra Köhler

Lehrte. Eine vernünftige pädagogische Arbeit sei dort nicht mehr zu leisten, resümiert Haarstrich. Dahinter stehe der gesamte Schulvorstand. Der Schulkindergarten nimmt bislang jedes Jahr rund 20 Kinder auf, die nach dem Ende ihrer Kindergartenzeit noch nicht schulreif sind. Doch die Probleme gingen über eine bloße nicht vorhandene Schulreife deutlich hinaus. Dazu gehörten neben Verhaltens- und Sprachauffälligkeiten auch Kinder mit ADHS-Symptomatik (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung), Angststörungen, Autismus sowie traumatisierte Flüchtlingskinder. "Manchmal schreit ein Kind eine Viertelstunde, wenn es seinen Willen nicht bekommt." Und oftmals würden nicht nur Mitschüler, sondern auch Erwachsene nicht nur verbal, sondern auch tätlich angegriffen, beschreibt die Rektorin die alltägliche Situation.

Für die einzige Lehrerin, die die "anstrengenden Kinder" von 8 bis 11.30 Uhr betreue und danach noch weiteren Unterricht habe, sei die Situation extrem belastend. Doch eine Zweitbesetzung lehne die Landesschulbehörde ab - mit Hinweis auf den Inklusionsgedanken, der alle Grundschulkinder in einer Klasse vorsieht und nicht mehr in getrennten Einrichtungen. Diesen verfolgt auch die Stadt Lehrte, die den Schulkindergarten ebenfalls gern auflösen möchte. Dieser sei "verzichtbar", sagte Fachdienstleiter Eckhard Otto im Schulausschuss. Die Kinder sollten entsprechend ein Jahr länger im Kindergarten bleiben oder eingeschult werden. Haarstrich sieht nur eine andere mögliche Lösung: Statt 20 nur noch zehn Kinder aufzunehmen und den Schulkindergarten mit eigenen Räumen fest an einer Grundschule zu integrieren.

Erschwerend komme die Raumproblematik hinzu. Bis vor Kurzem habe die Kollegin noch von der Masch zur Feldstraße pendeln müssen. Deshalb habe man den Schulkindergarten schon ins eigene Gebäude geholt. Dafür musste jedoch die Sprachlernklasse in die Aula wechseln - diese muss deshalb für Schulveranstaltungen stets ausgeräumt werden.

Der Schulausschuss war von der dramatischen Entwicklung geschockt. "Das klingt desillusionierend", sagte der Vorsitzende Thomas Diekmann. "Das klingt niederschmetternd", meinte sogar Maren Thomschke (SPD). Sie wollte deshalb nicht darüber entscheiden und schlug vor, die Entscheidung auf die nächste Sitzung am 23. Mai zu verschieben. Dem folgte der Ausschuss. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens, Sprecher der Gruppe CDU/Piraten, meinte allerdings, dass das Modell des Schulkindergartens - Stichwort Inklusion - "vielleicht aus der Zeit gefallen" sei. Sein Fraktionskollege Reneé-Michael Friedrich regte allerdings an "nicht gegen den Schulvorstand zu stimmen".

Von Oliver Kühn

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