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Schülertheater: Unterricht auf die harte Tour

Lehrte Schülertheater: Unterricht auf die harte Tour

Wie begeistert man disziplinlose Schüler für die klassischen Werke Friedrich Schillers? Diese Frage hat der Kurs Darstellendes Spiel des Gymnasium drastisch beantwortet. Im Kurt-Hirschfeld-Forum zeigte er das Stück "Verrücktes Blut" - voller Power, krasser Kraftausdrücke und vieler milder Zwischentöne.

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Die Lehrerin Frau Kehlich (hier Lisanne Wildt, links) hat ihre Schüler voll im Griff und bedroht den "Klassenking" Musa (Adnan Qerimi).

Quelle: susanne Hanke

Lehrte. Sprüche, Imponiergehabe, Mobbing: Die Autorität von Lehrerin Frau Kehlich ist zu Beginn des Stück keine 10 Cent wert. Hilflos steht sie am Bühnenrand, ringt mit piepsender Stimme um Gehör und fleht um die Auseinandersetzung mit Schillers Werken. Erst als ein Schuss fällt, ändert sich ihre Situation schlagartig - und das Bühnenstück entfaltet ziemlich drastisch seine ganze Schärfe.

Denn Frau Kehlich ist jetzt im Besitz einer Waffe. Die fand sie in der Tasche eines Schülers. Und nun kehrt sie die Machtverhältnisse um. Unterricht auf die harte Tour. Die Klasse ist verängstig, der „Klassenking“ liegt verletzt am Boden, und fortan setzt die vormals so piepsige Frau Kehlich ihre Ansprüche als Lehrerin mit lautstarken Befehlen durch. Eine ziemlich krasse Nummer ist es, die sich dort auf der Bühne abspielt. Doch eigentlich ist Frau Kehlichs abnormes Verhalten ganz anders gedacht, als es auf den ersten Blick aussieht.

Denn die Lehrerin will ihre Schüler vor allem wachrütteln, zum Denken animieren und sie dazu auffordern, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht dem üblichen dummdreisten Imponiergehabe hinzugeben. Und so entspinnt sich eine energiegeladene Handlung, die zwischen Asi-Sprache und klassischer Sprachkultur hin und her springt. Gerade noch wirft Hakim Begriffe wie "Nutte" oder "Hure" in den Raum, schon schlüft er in die Rolle des Räuberhauptmanns aus Schillers „Die Räuber“ und zitiert mit einwandfreier Aussprache formvollendet aus dem Stück.

So beginnt ein Prozess der Auseinandersetzung um freiheitliche Themen, den die junge Schauspieltruppe akzentuiert umsetzt. Im Fokus steht dabei das „Migrationsthema“. So fordert Kehlich die kopftuchtragende Muslima Fatima auf: „Nimm dein Kopftuch ab, tue es für Dich“. Fatima, gespielt von Anika Faak, hält jedoch vorerst an ihrer religiösen Prägung fest. Doch später nimmt sie ihr Tuch ab und lässt ihre Haare fliegen.

Die Gymnasiasten zeigen wirklich kein schlichtes Stück Schülertheater. Speziell die Rolle der Frau Kehlich sei schwierig zu spielen, betont Kursleiter Uwe Röber. Deshalb sei sie auch gleich dreifach besetzt worden. Maleen Schrader, Linda Kiehne und Lisanne Wildt, alle mit weißer Bluse und schwarzem Rock, geben der Lehrerin mit der Waffe ihr Gesicht. Dabei müssen sie ebenso starke Präsenz zeigen, wie den Willen zur idealistischen Missionierung. Das gelingt.

Am Ende gibt es viel Beifall für eine Stunde geballte Spielpower, für das Hüpfen von Klischee zu Klischee, für die krassen Stellen und auch für die milden Zwischentöne.

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Die Lehrerin Frau Kehlich (hier Lisanne Wildt, links) hat ihre Schüler voll im Griff und bedroht den "Klassenking" Musa (Adnan Qerimi).

Quelle: susanne Hanke

Von susanne Hanke

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