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Helfer stehen zweimal Spalier

Lehrte Helfer stehen zweimal Spalier

Tee kochen, Brötchen schmieren, Spielsachen überreichen - etliche Lehrter haben am Wochenende die im Zug ankommenden Flüchtlinge begrüßt, die innerhalb von jeweils einer Stunde mit Bussen weiterfuhren. Die Ankömmlinge freuten sich vor allem über die Dolmetscher, die ihre vielen Fragen klärten.

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Freiwillige und Lehrter Bürger begrüßen Flüchtlinge aus den zwei Zügen am Wochenende.

Quelle: Antje Bismark

Lehrte. „Wo sind wir?“: Diese Frage hörte Yüksel Cimen am Sonnabendvormittag am häufigsten. Sie gehörte zu den Freiwilligen, die sich über das Netzwerk „Lehrte hilft“ zum Dolmetschen eingefunden hatten. Dass sie wie ihre anderen gut 20 Mitstreiter über Stunden warten und frieren musste - egal: „Hauptsache, ich kann helfen“, sagte die vierfache Mutter. Sie sah ihre Aufgabe vor allem darin, die Ankommenden zu beruhigen: „Ich sage, dass sie in Sicherheit sind und nicht abgeschoben werden.“ Dabei setzte Cimen wie die anderen Helfer auf ein Blatt mit Informationen, das die Region Hannover vorbereitet hatte.

Seit morgens 7 Uhr standen Angelika Licht, Anne Elsaied und Antje Rubart-Rosentreter an der Friedrichstraße. „Wir haben Schokolade und Hygieneartikel in einer privaten Initiative gesammelt“, sagte Rubart-Rosentreter und lobte die Lehrter Händler, die sie unterstützt hätten. Gleich nebenan bereiteten Heike und Dennis Höltermann, Resmiy und Serivan Koyun frische Brötchen und heißen Tee zu. „Wir wollen helfen“, begründete Dennis Höltermann seine freiwillige Morgenschicht. Das galt auch für Laila Lopatar sowie Lara und Meira Jüschke, die mit Kuscheltieren und Schokoladen die Kinder auf die Weiterreise schicken wollten.

Und auch wenn den Flüchtlingen die geografische Orientierung fehlte: Die Gastfreundschaft der Lehrter beeindruckte sie. Zwischen Bahnhof und Bus stoppten sie, konnten dank der vielen Dolmetscher ihre Fragen stellen, sich die Hände am Tee wärmen oder die Kinder in neue Decken hüllen.

Nach Aussage von Einsatzleiter Jörg Engel kamen am Sonnabend 456 Flüchtlinge an, am Sonntag waren es 394. Seiner Einschätzung nach hatte sich an beiden Tagen das modifizierte Konzept bewährt, die Ankommenden ohne Zwischenstation in der Sporthalle Friedrichstraße zu den Bussen zu bringen.

Einsatzleiter: Stopps sollen Ausnahme bleiben

Knapp 1500 Kinder, Frauen und Männer haben innerhalb weniger Tage die Stadt Lehrte passiert – auf der Durchreise, weil der Bahnhof samt Post- und Friedrichstraße als Drehkreuz fungierte. Aus Sicht der Einsatzleitung sollen diese drei Stopps die Ausnahme bleiben, weil das Umfeld des Bahnhofs sich nicht als dauerhafter Verteilungspunkt eignet. Zwar hatte die Stadt am Dienstag noch im Morgengrauen die Hecke an einem Seitentor zurückschneiden lassen und damit einen schnellen Wechsel vom Zug in die Busse ermöglicht. „Doch für jeden Zug müssen wir die Bundesstraße 443 sperren“, sagt Einsatzleiter Jörg Engel. Das habe am Wochenende gut funktioniert, weil ohnehin kaum Autos gefahren seien. Doch weil die Strecke als Umleitung für die A2 gilt, sei dies keine Dauerlösung. Hinzu komme, dass die Friedrichstraße an Werktagen zu wenig Platz für Ankommende, Retter und Busse bietet. Deshalb kündigte Engel bereits am Sonnabend den Abbau der Einsatzzentrale am Schützenplatz für Sonntag an. Erwin Jordan, Sozialdezernent der Region, betonte, es gebe in der Region Hannover sicher geeignetere Bahnhöfe, die als Drehkreuz für die Verteilung von Flüchtlingen dienen könnten, als jenen in Lehrte.

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