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Lehrte gewinnt den "Feuerwehr-Oscar"

Magirus Award 2016 Lehrte gewinnt den "Feuerwehr-Oscar"

Und der Oscar geht nach: Lehrte. Mit diesem Satz hat eine hochkarätige Jury am Freitagabend die Arbeit der Lehrter Ortsfeuerwehr gewürdigt. Die Einsatzkräfte hatten sich im Herbst am bundesweiten Wettbewerb als „Feuerwehrteam des Jahres 2016“ beworben – und gewonnen.

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Die Ortsfeuerwehr Lehrte rettet Leben nach Unfällen auf der Autobahn, unterstützt die Stadt in der Begleitung von Flüchtlingen, löscht Feuer und klärt über ihre Arbeit auf. Bundesweit gelten sie damit als bestes Feuerwehrteam.

Quelle: Feuerwehr Lehrte

Lehrte/Ulm. Sie erhielten den als „Feuerwehr-Oscar“ titulierten Conrad-Dietrich-Magirus-Award vor mehr als 700 Feuerwehrkameraden und Gästen aus aller Welt im Congress Centrum Ulm. Dorthin war am Freitagmorgen eine Gruppe von Feuerwehrleuten gefahren, ohne vom Sieg zu wissen. Am Sonnabend werden die Preisträger zurück in Lehrte erwartet. 


Zum fünften Mal hatte der Hersteller den Magirus-Award ausgelobt, mit dem besondere Einsätze und Fähigkeiten der freiwilligen Retter gewürdigt werden sollen. „Weltweit gibt es keinen vergleichbaren Wettbewerb“, begründete Stephan Keil, Sprecher der Lehrter Feuerwehr, seinerzeit die Teilnahme. Die Lehrter holten sich mit einem besonderen Rettungskonzept den Sieg. Damit gelang es ihnen, am 12. April 2016 einen schwerverletzten Lastwagenfahrer bei einem Unfall auf der Autobahn 2 aus der komplett zerstörten Führerhaus zu retten.

Damals waren mehrere Lastwagen ineinander verkeilt, Trümmer und geladenene Pellets bedeckten die Autobahn rund 30 Zentimeter hoch. „Alle drei Fahrspuren waren blockiert, der Fahrer des auffahrenden Lastwagens in seinem Führerhaus eingeklemmt“, beschreibt die Laudatio die damalige Situation. Weil die Ortsfeuerwehr wegen der Nähe zum Autobahnkreuz Hannover-Ost sehr oft zu solchen Unfällen ausrücken muss, haben die Retter ein spezielles Konzept entwickelt, bei dem sie von Fahrer- und Beifahrerseite aus parallel den Einsatz beginnen. So konnte der schwerverletzte Fahrer nach 45 Minuten medizinisch versorgt werden. 


„Feuerwehren leisten einen enormen Beitrag für unsere Gesellschaft“, sagte Marc Diening, CEO bei Magirus. Die Gewinner stünden stellvertretend für hunderttausend Einsatzkräfte, die jeden Tag für die Gesellschaft weltweit ihre Gesundheit riskierten. Mehr als 100 Feuerwehren hatten ihre Bewerbung für den nationalen und den internationalen Wettbewerb abgegeben. Die besten zehn Teams stellten sich anschließend in einem Online-Voting, dessen Ergebnis mit dem Votum der Jury ausgewertet wurde.

In beiden Bereichen siegten die Lehrter national. International siegte die Feuerwehr Italiens mit ihrem Einsatz nach der Erdbebenserie in ihrem Land. Neben dem goldenen Oscar haben die Retter, deren Team vor dem aus Bad Aibling (Zugunglück) und Simbach am Inn (Hochwasser) landete, auch zehn Flugtickets zum Fire Departement City of New York im Gepäck.

Zahlen dokumentieren die Belastung

Insgesamt 270 Einsätze haben die Freiwilligen der Ortsfeuerwehr Lehrte im vergangenen Jahr absolvieren müssen – den letzten leisteten sie in der Silvesternacht um 21.21 Uhr. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Lastwagenunfälle auf den Autobahnen  2 und 7, zu denen die Feuerwehrleute wegen der räumlichen Nähe zum Kreuz Hannover Ost alarmiert werden. Für den Wettbewerbszeitraum vom 15. Oktober 2015 bis 20. September 2016 gab Feuerwehr-Sprecher Stephan Keil bekannt, dass die Mitglieder zu 35 Unfällen auf die Autobahnen eilen mussten. Daran waren seinen Angaben zufolge 51 Lastwagen, fünf Kleintransporter und zwölf Autos beteiligt. 40 Menschen wurden schwer verletzt, drei starben sieben Mal brannten Fahrzeuge. In den vergangenen vier Wochen indes mussten die Feuerwehrleute gleich zweimal zu Großbränden ausrücken: Am zweiten Weihnachtsfeiertag kämpften gut 200 Einsatzkräfte gegen ein Brand bei der Bäckerei Schäfer’s. Vor einer Woche brannte die Sporthalle an der Südstraße komplett aus. Wegen der Glutnester mussten Feuerwehrleute zwei Tage die Brandwache stellen.

Der Kommentar: Professionell im Ehrenamt

Viermal innerhalb von fünf Tagen krachten im April 2016 gleich mehrere Lastwagen ineinander – die Autobahn 2 wurde gerade wieder einmal saniert, etliche Fahrer reagierten zu spät oder gar nicht auf die Baustelle und riskierten so ihr eigenes Leben und das anderer Menschen. Während Politiker und Verkehrsexperten noch über die Ursachen diskutierten, rückten die Ehrenamtlichen mit professionellem Einsatz ein ums andere Mal aus. Sie retteten Schwerverletzte, bargen Tote und sicherten Unfallstellen voller Trümmerteile. Wohl kaum eine Feuerwehr in der Region muss eine solch immense Dauerbelastung meistern. Denn neben den öffentlich sichtbaren Einsätzen finden sich in den Protokollen auch Türöffnungen bei kranken Menschen oder die Kontrolle von ausgelösten Brandmeldeanlagen – und jede Alarmierung bedeutet, dass die Lehrter wie alle freiwilligen Feuerwehrmitglieder auf ihre Freizeit verzichten, um Menschen zu helfen. Der Award honoriert die Leistung der Ortsfeuerwehr zu Recht in einer Zeit, in der Retter von Schaulustigen behindert oder gar attackiert werden. Aber auch die Kommunen und das Land sind in der Pflicht, eine hochwertige Ausstattung und Ausbildung langfristig zu sichern.

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Fotostrecke Lehrte: Lehrte gewinnt den "Feuerwehr-Oscar"

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