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Streikende kritisieren befristete Verträge

Lehrte Streikende kritisieren befristete Verträge

Lehrte war am Donnerstag das Zentrum des Poststreiks in der Region. 120 Zusteller machten ihrem Unmut über ungleiche Bezahlung und immer mehr befristete Verträge Luft.

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Verdi-Betriebsrätin Astrid Jankowski (rechts) bespricht im Streiklokal mit 120 Zustellern die Aktionen für den Streiktag in Lehrte.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. Die Postler aus Lehrte, Sehnde, Burgdorf und Uetze, aber auch aus der Wedemark und Peine, trafen sich im Streiklokal an der Köthenwaldstraße und schwärmten anschließend durch die Innenstadt und die Ortsteile, um Briefkästen mit Infozetteln zu bekleben, Kunden anzusprechen und Aushänge in Schaufenstern zu platzieren.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das ist das Hauptziel für die Gewerkschaft Verdi. „Wir wollen bei der Mutter bleiben und keine weiteren Fremdvergaben“, erklärt Astrid Jankowski, zuständige Betriebsrätin für die Ostregion. „Dafür haben wir im Interesse aller Kollegen extra auf Lohnerhöhungen verzichtet.“ Doch die Post lagere immer mehr Arbeitsplätze in kleinere Gesellschaften wie etwa die DHL Delivery aus, die unter Haustarif bezahlten. Mittlerweile arbeiteten 20 Prozent aller Zusteller mit befristeten Verträgen, kritisiert Jankowski.

Besonders krass sei die Situation in Sehnde: Dort haben acht von 20 Zustellern Befristungen. Bei den rund 45 Lehrter Kollegen sind es ebenso viele. Auch Postler aus Lehrte und Burgdorf klagen daher gegen ihren Arbeitnehmer auf Festeinstellung. So wie etwa Sandra Lang aus Burgdorf, die seit sieben Jahren befristet arbeitet. Sie könne sofort zum Tochterunternehmen wechseln - für 25 Prozent weniger Lohn.

An eine Schlichtung im Tarifstreit, so wie kürzlich im Sozial- und Erziehungsdienst, sei derzeit nicht zu denken, unterstreicht die Verdi-Betriebsrätin. Die Zusteller fordern, dass ihre Arbeitsplätze mit dem Post-Tarif erhalten bleiben. Denn das Unternehmen - Jankowski sprach im Streiklokal von der „Raupe Nimmersatt“ - hat alle befristeten Verträge zum Jahresende gekündigt. Die Gewerkschaft befürchtet dann weitere Auslagerungen mit Billigtarifen.

Der Streik sei kein Selbstzweck, sagt Jankowski: „Das sind alles Vollblut-Postler, denen geht es mit dem Streik nicht gut, die wollen arbeiten.“ Nicht wenige Kollegen seien wegen der befristeten Verträge „psychisch am Ende“.

„Befristung ist seelische Folter“

Ich liebe meinen Beruf“, sagt Sandra Lang. Doch das hat ihr nichts genutzt. Seit fast sieben Jahren arbeitet die alleinerziehende Mutter zweier Kinder mit befristeten Verträgen – insgesamt zwölf. Der längste ging über zwei Jahre, der kürzeste über drei Monate. „Das ist seelische Folter. Man fühlt sich wie ein Mensch zweiter Klasse“, beschreibt die 37-Jährige ihre Situation. Denn die Post warte mit einer Verlängerung fast immer bis zum letzten Tag. Deshalb bekomme sie keinen Kredit über das Vertragsende hinaus, und bei der Wohnungssuche schauten Vermieter pikiert, und wenn man krank werde, werde einem „empfohlen“, dafür Urlaub zu nehmen.

„Man fühlt sich machtlos“, bestätigt ein 49-jähriger Kollege aus Lehrte: „Ich fühle mich schlecht, weil ich meinen Arbeitgeber verklagen muss.“ Immer wieder habe man ihr eine Festanstellung versprochen, sagt Lang. Doch nichts sei passiert. Jetzt habe es ihr gereicht – sie hat wie fast 50 andere Kollegen in der Region auch gegen die Post geklagt. Ihr Vertrag wurde nicht verlängert, am 17. Juli ist Gerichtstermin. „Ich habe Existenzängste“, gesteht die zweifache Mutter.

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