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Unterkünfte: Der Bürgermeister darf verhandeln

Lehrte Unterkünfte: Der Bürgermeister darf verhandeln

Lehrtes Stadtverwaltung und Politiker setzten bei der Unterbringung von Flüchtlingen jetzt auch auf Hilfe von der Region Hannover. Der Rat hat Bürgermeister Klaus Sidortschuk einstimmig die Ermächtigung erteilt, mit der Region Vereinbarungen über den Bau von Unterkünften zu treffen.

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Auf dem Gelände des ehemaligen Ausfluglokals Schwanenburg an der Ahltener Straße in Lehrte will die Stadt eventuell Flüchtlingsunterkünfte herrichten.

Quelle: kühn

Lehrte. Vor mehreren Wochen hatte die Region Hannover angeboten, für ihre Städte und Gemeinden Unterkünfte in Container- oder Modulbauweise zu errichten und für die Dauer der Unterbringung von Flüchtlingen auch baulich zu unterhalten. Auf diesen Zug sind schon mehrere Kommunen aufgesprungen. Lehrte möchte nun auch dazu gehören, weil die Suche nach geeigneten Unterkünften immer schwieriger wird.

Die Stadt favorisiert dabei Gebäude in Holzrahmenbauweise. Mögliche Standorte sind auch schon definiert worden: auf dem Festplatz in Sievershausen sowie auf dem Gelände der ehemaligen Schwanenburg an der Ahltener Straße. Ob und wann dort Flüchtlingsunterkünfte errichtet werden, ist  noch unklar. Bürgermeister Klaus Sidortschuk sagte im Rat, dass die Stadt gezwungen sei, "auf Sicht zu fahren" - also sehr kurzfristig zu reagieren, weil unklar sei, wie sich der Flüchtlingsstrom nach Deutschland entwickele. Er betonte auch, dass die Stadt nicht mehr als etwa 100 Flüchtlinge an einem Standort unterbringen wolle. Es sei wohl auch denkbar, die von der Region zur Verfügung gestellten Unterkünfte auf 60 Plätze anzulegen.

Diese Zahl nannte auch SPD-Fraktionschef Bodo Wiechmann als gute Obergrenze. Insbesondere in Sievershausen solle man nicht über 60 hinaus gehen. 100 Flüchtlinge etwa seien für ein Dorf möglicherweise nicht zu verkraften. Das Angebot der Region, Flüchtlingsunterkünfte in den Kommunen zu errichten, spare der Stadt Arbeit und Risiken, müsse aber gleichwohl mit Bedacht eingesetzt werden, sagte Wiechmann.

Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (CDU) äußerte die leise Sorge, nun dem Bürgermeister "einen Freibrief" für die Verhandlungen zu geben und als Rat keinen Einfluss mehr zu haben. Trotzdem müsse Lehrte die Chance nutzen, unter den ersten Kommunen zu sein, die mit der Region ins Gespräch kommen. Daher stimme auch die CDU/FDP/Piraten-Gruppe zu. Ronald Schütz (Grüne) sprach indes davon, das Lehrte nun die Chance habe, bei der Unterbringung von Flüchtlingen "gute Vorsorge" zu treiben.

Scharfe Worte in Richtung Flüchtlingsgegner

"Eine pauschale Ablehnung von Flüchtlingen gibt es in Lehrte nicht!": Mit diesen Worten hat SPD-Fraktionschef Bodo Wiechmann im Rat auf eine Unterschriftensammlung von Anwohnern des Schwanenburg-Geländes an der Ahltener Straße reagiert. Etwa 60 Menschen hatten die Listen unterzeichnet und damit gefordert, keine Flüchtlingsunterkünfte auf der besagten Fläche zu errichten.

Wiechmann kritisierte unter anderem, dass auf der Liste weder eine Begründung noch eine Sorge formuliert worden sei: "Wenn es Sorgen gibt, nehmen wir diese zur Kenntnis. Aber so geht das nicht." Der Sozialdemokrat erinnerte an die Lehrter Erklärung, mit der sich der Rat sowie viele Lehrter Bürger im vergangenen Jahr zu Demokratie, Toleranz und Vielfalt ausgesprochen hatten.

Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (CDU) sagte, er könne es verstehen, wenn sich manche Bürger wegen des Zuzugs von Flüchtlingen Sorgen machten. "Panikmache" könne er aber nicht nachvollziehen. Auch dem St.-Florians-Prinzip, wonach Flüchtlingsunterkünfte zwar entstehen dürften, bloß nicht in der eigenen Nachbarschaft, lehnte er deutlich ab. Auch Ronald Schütz (Grüne) äußerte sich eindeutig: "Wir lassen uns von Menschen, die andere pauschal verurteilen, nicht unter Druck setzen", sagte er zu der Unterschriftensammlung.

Von Achim Gückel

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