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Großmutter schluckte Pillen mit Champagner

Lehrte Großmutter schluckte Pillen mit Champagner

Die Sitzplätze wurden diesmal knapp in der Stadtbibliothek Lehrte: Die Vorstellung des Buches „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff hatte viele Zuhörer angelockt. Daraus las Brigitte Spennes, ehemalige Erste Stadträtin, in der Reihe Lehrter lesen für Lehrter vor.

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Die ehemalige Erste Stadträtin Brigitte Spennes (am Tisch) ist in der Stadtbibliothek Gast in der Reihe Lehrter lesen für Lehrter.

Quelle: Susanne Hanke

Lehrte. Sie sei von dem Satz „Wann wird es wieder so wie es nie war“ des ersten Bandes der Trilogie fasziniert gewesen und habe sich neugierig auf dieses Leseabenteuer gestürzt, sagte Brigitte Spennes. Die biografische Geschichte des Autors beschreibt die Zeit seines Studiums an der Schauspielschule München, in der er bei seinen Großeltern lebte. Meyerhoff sei in Schleswig aufgewachsen. Dass er sobald wie möglich aus dem norddeutschen Milieu weg wollte, könne sie gut nachvollziehen, da sie selbst einige Zeit in Kiel gelebt habe. Das eigentliche Vergnügen aber bereiteten die skurrilen und mit köstlicher Ironie beschriebenen Szenen des alltäglichen Lebens der Großeltern.

Sie hätten ein „hochprozentiges Netz" gespannt, heißt es in dem Kapitel, das die alkoholgeschwängerten Rituale beschreibt. Um Punkt 9 Uhr gab es ein Glas Champagner. Damit spülte Großmutter alle Pillen auf einmal hinunter. Die wissen schon, wo sie hin sollen, war ihr Kommentar - eine Textstelle, die für Heiterkeit sorgte. Der Großvater philosophierte und brauchte Struktur auf seinem Teller. In Erinnerung blieb dem Autor ebenso der "Folterfernseher", der mit voll aufgedrehter Lautstärke schreiend die Tagesschau wiedergab.

Spennes musste sogar die Zeit überziehen, da das Publikum immer noch mehr aus dem Buch hören wollte. Zum Abschluss bot sie eine Textstelle, die eine Beziehung zu dem Titel herstellte. Meyerhoff beschreibt dort seine Darstellung als Schauspielanfänger in Goethes „Die Leiden des jungen Werther“: Selbstmord, das sei der finale Versuch, mit sich eins zu werden und die Lücke zu schließen, lautete seine Interpretation.

Von susanne Hanke

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