Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Weil in Lehrte: Yurdumspor ist ein Vorbild

Lehrte Weil in Lehrte: Yurdumspor ist ein Vorbild

Er habe den SV Yurdumspor Lehrte vorher gar nicht gekannt, räumte Ministerpräsident Stephan Weil ein. Doch nach einem Besuch bei dem für seine Integrationsarbeit mehrfach ausgezeichneten türkischen Sportverein war der SPD-Politiker voll des Lobes: "Da geht einem das Herz auf."

Voriger Artikel
Kinderbus bietet sechs Steppkes Platz
Nächster Artikel
Wohnhaus-Reste landen im Straßenbau

Ministerpräsident Stephan Weil (Dritter von rechts) und der örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch (Zweiter von links) haben den türkischen Sportverein Yurdumspor Lehrte besucht und dessen Vorsitzenden Yetis Özdemir in ihre Mitte genommen. Dabei waren auch noch Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk (von rechts), die örtliche SPD-Landtagskandidatin Thordies Hanisch sowie der Sponsorenbeauftragte und Damentrainer Aytac Demirarar.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. Ähnlich empfand der Verein den Besuch. "Das ist uns eine große Ehre", sagte der Vorsitzende Yetis Özdemir. Yurdumspor betreut derzeit mehr als 100 Flüchtlinge, darunter viele unbegleitete Jugendliche - und hat seinen Mitgliederstand damit verdoppelt. Und sogar Frauen aus Syrien und dem Irak haben in Lehrte angefangen, Fußball zu spielen. Das gefiel Weil, der früher selbst Fußball spielte. Aber auch eine Fahrradwerkstatt und Sprachkurse hat der Verein organisiert und engagiert sich zudem in der Flüchtlingshilfe. Und wenn auch der Jugendleiter und zweite Vorsitzende Sevkit Sönmez betonte, dass Yurdumspor ein Fußballverein sei und mit Politik nichts zu tun habe. "Was sie machen, ist schon Politik", entgegnete der Ministerpräsident anerkennend - und es sei ein Vorbild für ganz Niedersachsen. "Das ist das Beste, was unserer Gesellschaft passieren kann."

 Weil sah auch die Belastung für die Ehrenamtlichen. Für den Vorstand sei das "Hölle Arbeit": "Da bleibt ja kaum noch Zeit für die Familie." Welche Sprache denn im Verein gesprochen werde, wollte der Regierungschef ebenfalls wissen. "Auf dem Platz nur Deutsch, die Sprache sollen sie ja lernen", sagte Sönmez. Aber auch die sprichwörtlichen deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Disziplin würden vermittelt, betonte Özdemir. Und wer könnte das Einleben in Deutschland besser vermitteln als ein türkischer Sportverein mit den Erfahrungen schon der Elterngeneration: "Wir kennen uns mit Integration aus." Im nächsten Jahr besteht der Verein 30 Jahre.

Für seine Arbeit hat Yurdumspor bereits etliche Preise eingeheimst: 1. Platz in Bronze und 2. Platz in Silber beim Wettbewerb "Sterne des Sports", 2. Platz beim Intergationspreis des DFB, 2. Platz beim Niedersächsischen "Kinder-haben-Rechte-Preis", Intergrationpreis der Lotto-Sport-Stiftung und des Deutschen Kinderhilfswerks, Anerkannter Stützpunktverein sowie Erfolgreichster Verein 2016 im Landessportbund Niedersachsen. "Das ist eine tolle Bestätigung", sagte Weil anerkennend. "Sind die Flüchtlinge denn auch außerhalb des Sportplatzes ehrgeizig?" Sie hätten zwar Heimweh, sagte der Sponsorenbeauftragte und Damentrainer Aytac Demirarar: "Aber sie wollen etwas aus ihrem Leben machen."

Auf die Frage von Weil, was er sich denn von einer Fee wünschen würde, hatte Özdemir mit Blick auf die nötige Ausrüstung der Flüchtlinge postwendend eine Antwort: "Ein Sportgeschäft, in dem wir nicht bezahlen müssen."

Gäste notieren Fragen auf Bierdeckeln

„Auf ein Wort mit Stephan Weil“ lautete der SPD-Bürgerabend im Anschluss an den Besuch bei Yurdumspor. Und rund 100 Gäste hatten etliche Fragen auf Bierdeckeln notiert. Beispiel Bildungsgerechtigkeit: Das Bildungssystem sei zu undurchlässig, und Kitas müssten beitragsfrei sein. Ärzteversorgung: Lehrte sei noch gut aufgestellt. Krankenhäuser: Allein für die MHH und die Uniklinik Göttingen würden Milliardensummen erforderlich – schlechte Nachrichten für den geplanten Neubau in der Region. Schulformen: Die, die die Eltern wollen. Martin-Schulz-Effekt: Man wolle mehr sein als Kopilot in der Großen Koalition. Maut: Völliger Quatsch. Videoüberwachung: Große Plätze müssen überwacht werden (auch gegen den Widerstand der Grünen). Türkei: Die Situation mache ihm „ziemliche Sorgen“. Hannover 96: Fan seit 50 Jahren. Nach eineinhalb Stunden verabschiedete er sich in den „Vorort von Lehrte“ – nach Hannover.

doc6ugx4go444pauxv17cx

"Auf ein Wort mit Stephan Weil" hieß der Abend der SPD Lehrte, an der auch der Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch (links) und die örtliche Landtagskandidatin Thordies Hanisch teilnahmen.

Quelle: Oliver Kühn

Von Oliver Kühn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6wap6qv4y3leag8z66k
Ein vehementes Nein zum Aldi-Logistikzentrum

Fotostrecke Lehrte: Ein vehementes Nein zum Aldi-Logistikzentrum