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Weg für Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit

Lehrte Weg für Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit

Wie können junge Flüchtlinge zu einer Ausbildung oder Arbeitsstelle kommen? Antworten auf diese Frage will in Lehrte ein Unterstützernetzwerk geben - auch in Arabisch und Kurdisch. Informationsabende sollen zudem auf die Ausbildungsmesse am 23. März vorbereiten. Der nächste ist am Mittwoch, 8. März.

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Ein Netzwerk von Akteuren berät Flüchtlinge in Sachen Ausbildung und bereitet sie auf die Ausbildungsmesse vor. Der geflüchtete afghanische Kameramann Nisibullah Amiri filmt sie dabei.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. Flüchtlingen stellten sich oft zwei zentrale Fragen, sagt Veronika Schulte vom Netzwerk Lehrte hilft: Die eine betreffe die Frage nach einer langfristigen Aufenthaltsperspektive, um eine Ausbildung zu beginnen. "Die zweite dreht sich darum, wie man schnell Geld verdienen kann", sagt Schulte. Denn viele Flüchtlinge hätten von ihrer Flucht noch Schulden und wollen außerdem ihre Familien in den Heimatländern unterstützen.

Doch der Weg in eine Ausbildung ist steinig. Denn Deutschland sei mit Österreich weltweit das einzige Land mit einem dualen Ausbildungssystem von Betrieb und Berufsbildungsschulen, sagt Dina de Haas, Projektkoordinatorin der Kausa-Servicestelle der Region Hannover von Pro Regio. Nur einfach mitarbeiten wie in den meisten Ländern reiche deshalb nicht aus. Das Problem dabei: fehlende Deutschkenntnisse.

Der Fall eines Asylbewerbers, der bei der Lehrter Bädergesellschaft als Rettungsschwimmer oder Aufsichtspersonal anheuern wollte, ist das beste Beispiel: Sein Deutsch war zu schlecht. "Für eine Ausbildung fehlt meist das Fachvokabular", sagt Imke Fronia vom Diakonieverband Hannover-Land. Die fachspezifische Arbeit dagegen sei oft kein Problem. Deshalb wolle man zusammen mit der Handwerkskammer das Programm Berufskompetenzen erkennen (BKE) ausweiten, das auf Vorerfahrungen der Flüchtlinge aufbaut.

Darüber hinaus wollen die Unterstützer Wege in die Bildung und Ausbildung aufzeigen. "Viele Betriebe sind für eine Einstiegsqualifizierung offen", weiß de Haas. Aber auch wenn Flüchtlinge nur eine Aufenthaltsgenehmigung von einem Jahr haben, könnte man die Bleibezeit damit sinnvoll füllen, meint Fronia - und für das Heimatland seien die neuen Fertigkeiten bei einer Rückkehr ebenfalls wertvoll.

Die alle zwei Jahre stattfindende Ausbildungsmesse wolle man deshalb nun auch für Flüchtlinge öffnen, sagt Katharina Kühnle, die bei der Stadt für Gleichstellung und Teilhabe zuständig ist. Dort gebe es nicht nur Informationen über das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystem. Es könnten auch Kontakte zu Betrieben hergestellt sowie im besten Fall Praktikums- und Ausbildungsplätze vermittelt werden.

Der nächste Informationsabend zur Ausbildung und Arbeit für junge Geflüchtete auf Kurdisch/Deutsch ist am Mittwoch, 8. März, von 19 bis 21 Uhr im DRK-Haus, Ringstraße 9. Dazu sind auch ehrenamtliche Helfer willkommen. Zum jüngsten Infoabend waren 35 Interessierte gekommen, darunter aber nur drei Frauen.

Schneider fährt jetzt Gabelstapler

Jahya Alshaer spricht schon ganz gut Deutsch, obwohl er erst eineinhalb Jahre hier ist. Der gelernte Schneider aus Syrien hat das Sprachniveau B1 erreicht und damit eine Qualifizierung in Lagerlogistik und als Gabelstaplerfahrer absolviert. Doch einen Deutschkurs für die nächste Stufe (B2), Voraussetzung für eine Ausbildung, habe das Jobcenter abgelehnt. "Nun sitze ich zu Hause und warte", sagt der 40-Jährige.

Ähnlich ergeht es Nisibullah Amiri aus Afghanistan. Der 23-Jährige ist seit zwei Jahren in Lehrte und hat in seinem Heimatland als Kameramann beim Sender ATV gearbeitet. Doch der Bürgerkrieg hat ihn vertrieben. "Es gab jeden Tag Attacken", sagt er. Drei Jahre habe er die Arbeit gemacht, stets gut geschützt. Doch dann war es einfach zuviel. Wie es nun in Lehrte weitergeht, weiß Amiri nicht. In Afghanistan habe er nur ein zweiwöchiges Praktikum gemacht - danach war er bereits Kameramann. Bis er das in Deutschland schafft, wird es noch ein langer Weg.

Von Oliver Kühn

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