Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Ende der Kolonie Feierabend ist eingeläutet

Lehrte Ende der Kolonie Feierabend ist eingeläutet

Mit großer Mehrheit und nach einer kontroversen Diskussion hat der Rat die Umwandlung der Gartenkolonie Feierabend an der Manskestraße in ein Wohngebiet beschlossen. Dort sollen bis zu 220 Wohneinheiten sowie eine Kita und eine Grünfläche entstehen. Die Linke, AfD und Piraten stimmten gegen den Plan.

Voriger Artikel
Wolf am Stadtpark: Verdacht erhärtet sich
Nächster Artikel
SPD lobt Aktivitäten der Wohnungsbau

Aus der Luft gut zu erkennen: Das Gelände des Kleingartenvereins Feierabend an der Manskestraße (im Bild unten) aus Richtung Osten fotografiert.

Quelle: Hiller

Lehrte. Die Abstimmung sprengte die politischen Lager: Eigentlich bilden Linke mit SPD und Grünen eine Gruppe und die Piraten mit der CDU. Doch die Zukunft des Kolonie Feierabend wird nicht nur in der Lehrter Stadtgesellschaft kontrovers betrachtet.

In Lehrte gebe es dringenden Wohnraumbedarf, sagte Ekkehard Bock-Wegener für die SPD. Dieser sozialen Verantwortung müsse der Rat gerecht werden. Das sei nach dem bereits vor zwei Jahren beschlossenen Wohnraumversorgungskonzept auch gewollt, da in der Kernstadt keine anderen Flächen zur Verfügung stünden, ergänzte Wilhelm Busch für die CDU. Der größte Anteil der bis zu 220 Wohneinheiten ist mit 140 bis 150 in Mehrfamilienhäusern vorgesehen, die bis zu drei Vollgeschosse haben und bis zu 14 Meter hoch sein dürfen. Hinzu kommen könnten etwa 45 Reihen- und Doppelhäuser sowie knapp 30 Einfamilienhäuser.

Dem Gemeinwohl fühlt sich auch Ronald Schütz von den Grünen verpflichtet. Es gebe in Lehrte eine Wohnungsnot, sagte er und verwahrte sich gegen den Vorwurf von Kleingärtnern und Anwohnern, dass dort "graue Betonklötze" entstünden und in der benachbarten Nordstraße bereits ein sozialer Brennpunkt liege. Das sei Stimmungsmache. Dem wiederum widersprach Jonas Schlossarek (CDU), der diese Gefahr sehr wohl als gegeben sieht. Dieter Münstermann (FDP) bekannte, nur mit Magendrücken zugestimmt zu haben, weil die Kostenentwicklung wegen der Beseitigung möglicher Kampfmittel im Boden noch nicht abschätzbar sei.

Christoph Lokotsch (Linke) stimmte gegen den Plan, weil die Diskussion nicht mehr ergebnisoffen sei und die Stadt auf ihrer Internetseite bereits nach Interessenten suche. Sebastian Frenger (Piraten) lehnte das Vorhaben ab, weil die Kleingärtner bei der Diskussion im Vorfeld nicht gut behandelt worden und zu viele Fragen wie etwa zu Luftschadstoffen noch unbeantwortet seien.

Ähnlich argumentierte Stefan Henze (AfD), der auch eine eventuelle Grundwasserabsenkung und mögliche hohe Ausbaukosten für Anlieger ins Spiel brachte. Im Bauausschuss zwei Tage vor der Ratssitzung hatte auch der Beisitzer Hans-Jürgen Dankert, nach eigener Aussage Chemiker, die fehlende Untersuchung zum Feinstaub angeprangert und die Luftbelastung nach einer Bauverdichtung als brisant bezeichnet.

Die Diskussion am Mittwochabend verlief nicht zuletzt wegen der seit Wochen aufgeheizten Stimmung unter den Kleingärtern sehr kontrovers und teils emotional - obwohl die Verwaltung stets betont hatte, dass die konkrete Ausgestaltung erst im Rahmen des Bebauungsplans besprochen werde: Etwa die Höhe der Bebauung, Schattenwurf, Verkehrszunahme, Parkplatzproblematik und eventuelle Ausbaukosten. Zum letzten Punkt hatte Bürgermeister Klaus Sidortschuk angemerkt, dass er die Ängste der Anwohner verstehen könne und deshalb jetzt überprüft werde, ob nach Fertigstellung des Wohngebiets ein Zweitausbau für Straßen notwendig werde.

doc6uvtwpqq93r7tdoh7ec

Lage am Rand der Kernstadt: Das Gelände des Kleingartenvereins Feierabend an der Manskestraße (links im Bild) aus Richtung Norden fotografiert.

Quelle: Hiller

Von Oliver Kühn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Sohn ersticht seinen Vater

In Lehrte hat ein offenbar psychisch kranker 31-Jähriger seinen Vater mit Messerstichen getötet.