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Der Chef der Musikschule geht in Ruhestand

Lehrte Der Chef der Musikschule geht in Ruhestand

Er hat mehr als 1000 Menschen die Grundzüge des Gitarrenspiels vermittelt und ist in Lehrte, Burgdorf, Sehnde und Uetze so bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Jetzt geht Eberhard Ladewig in den Ruhestand. Mehr als 27 Jahre lang hat er die Musikschule Ostkreis Hannover geleitet. Anzeiger-Redakteur Achim Gückel hat mit ihm gesprochen.

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Eberhard ladewig verlässt Lehrte: Mehr als 27 Jahre lang hat er die Musikschule Ostkreis Hannover geleitet.

Quelle: Achim Gückel

Lehrte. Herr Ladewig, in ein paar Tagen beginnt das Leben als Rentner. Wie fühlt sich das an?

Gut!

Ist das als Antwort alles?

Nein. Ich weiß, dass ich viel gearbeitet habe. Und ich weiß auch, dass ich ganz gut gearbeitet habe und ein geordnetes Feld hinterlasse.

Aber schauen Sie doch mal nach vorn in Richtung Ruhestand ...

Da herrscht viel Vorfreude. Nur noch freie Zeit. Keine Termine mehr. Keine Verpflichtungen. Ich habe Zeit, ausgiebig Fahrrad oder mit dem Boot zu fahren. Es gibt ja viele Leute, die sagen, dass sie ihren Beruf vermissen werden. Ich sage dazu: Nein, das werde ich nicht. Ich lasse die Zeit auf mich zukommen. Ganz gelassen, ganz frei.

Und die Gitarre? Ohne die können Sie doch bestimmt nicht auskommen.

Doch. Erst einmal werde ich gar nicht spielen. Die Gitarre, das ist meine Arbeit gewesen, weniger mein Vergnügen. Und Arbeit möchte ich jetzt nicht mehr machen. Das lustvolle Gitarrespielen wird noch kommen. Vielleicht in einem halben Jahr.

Aber vielleicht gibt es ja irgendwelche Projekte, die Sie schon lange vorhaben und die Sie nun im Ruhestand verwirklichen wollen?

Nein, gibt’s nicht. Es muss sich auch niemand darüber Gedanken machen, ob ich jetzt eventuell irgendwo ehrenamtlich tätig werden sollte. Das mache ich nicht. Ich ziehe erst mal einen Schlussstrich in Lehrte.

Einen Schlussstrich?

Ich gehe mit meiner Partnerin nach Ostfriesland.

Ostfriesland? Was zieht Sie denn dorthin?

Die frische, klare Luft. Keine Berge, was gut fürs Fahrradfahren ist. Ich kenne die Gegend gut, ich bin eine Zeit lang in Esens auf ein Internat gegangen.

Für den 18. Juni ist eine Verabschiedung im Kurt-Hirschfeld-Forum vorgesehen.

Ja. Was da auf mich zukommt, weiß ich gar nicht. Danach sind dann Ferien, im August habe ich noch offiziell Urlaub und am 31. August ist Schluss.

Klingt alles ein bisschen so, als wären Sie froh, von Lehrte wegzukommen.

Ach, das darf man nun nicht falsch verstehen. Ich bin in den vier Städten, die zum Bereich der Musikschule Ostkreis gehören, unglaublich bekannt. Meistens ist das auch schön und spannend gewesen. Und ich habe sehr viel liebe Zuwendung von den Leuten erfahren. Aber jetzt kommt halt ein neuer Abschnitt im Leben. Und wenn ich noch etwas hinzufügen darf: Lehrte hat sich in den vergangenen Jahrzehnten unglaublich zum Positiven verändert. Nicht nur städtebaulich. Gerade in Sachen Kultur ist die Stadt immer ein spannendes Terrain.

Wie viele Schüler haben Sie eigentlich in Ihrem Berufsleben an der Gitarre unterrichtet?

Keine Ahnung. Ich habe sie nicht gezählt. Aber eine vierstellige Zahl kommt da bestimmt zusammen.

Wird es nicht irgendwann langweilig, immer wieder neuen Eleven den D-Dur-Griff zu zeigen?

Nein. Schema F geht im Unterricht nicht. Die Kinder sind alle unterschiedlich. Das ist bis zum Schluss meines Berufslebens spannend.

Und was war die spannendste Aufgabe für den Musiklehrer Eberhad Ladewig?

Mein Unterricht im Gefängnis.

Im Gefängnis?

Ja. Vor fünf Jahren habe ich eine Gruppe aufgebaut, in der ich Inhaftierten der Justizvollzugsanstalt Sehnde das Gitarrespielen beibringe. Die Erfahrung mit diesen Männern hat mich sehr bereichert. Einige von ihnen haben sich richtig reingekniet, andere hatten tolle Ausreden, warum sie nicht üben konnten.

Reden wir mal von der Leitung einer Musikschule. War das mehr Lust oder mehr Frust?

Alle Aufgaben unter einen Hut zu bringen, ist wirklich eine Kunst. Man muss verstehen, wie Verwaltungen und Schulen arbeiten. Man muss viel über Finanzen lernen. Aber das haben wir uns im Leitungsteam gut erarbeitet. Auch Personalführung ist immer ein großes Thema. Meist ist es uns gelungen, dass das Kollegium mit uns geht. Aber Fehler habe ich sicher auch gemacht.

Was waren in den vergangenen 27 Jahren denn die größten Aufgaben des Musikschulleiters Eberhard Ladewig?

Anfangs war das die Finanzierung der Musikschule. Das ist nun nicht mehr so schwierig, weil die Musikschule und die vier beteiligten Kommunen eine gute und praktikable Regelung für die Bezuschussung gefunden haben. Das macht die ganze Sache planbar, verlässlich, stringent. Das ist bei 1800 bis 1900 Schülern auch notwendig. Außerdem ist die Suche nach geeigneten Räumen immer problematisch gewesen. In Lehrte konnten wir ja in die Berthold-Otto-Schule ziehen. Das sind klasse Räume. Aber in Sehnde steht schon wieder ein Umzug an.

Gibt es auch etwas, worüber Sie sich richtig geärgert haben?

Ja. Dass der Begriff Musikschule nicht geschützt ist. Was mich ärgert, sind Leute, die nie eine Hochschule besucht, Prüfungen abgelegt oder eine substanzielle Ausbildung gemacht haben und trotzdem eine Musikschule eröffnen. Ich habe nichts gegen Konkurrenz. Die hat der Musikschule Ostkreis auch immer gutgetan. Aber in Sachen Qualität gibt es für mich klare Maßstäbe.

Wenn Sie die Musikschule Ostkreis nun verlassen, werden Sie auch etwas vermissen?

Das weiß ich vielleicht in einem halben Jahr. Wichtig ist es, dass meine Nachfolgerin Nana Zeh und ich drei Monate Zeit hatten, um den Übergang zu gestalten. Wie gesagt: Ich hinterlasse ein geordnetes Feld.

Zur Person

Eberhard Ladewig ist waschechter Lehrter. Sein Abitur hat er aber an einem Internatsgymnasium im ostfriesischen Esens gemacht. Nach einem Lehramtsstudium, Hauptfach Musik, absolvierte er ein Studium der Kulturpädagogik. Bereits während dieser Zeit, seit Februar 1975, unterrichtete Ladewig an der Musikschule des Kreises Burgdorf. Im September 1979 gehörte er dann zu jenen, die beim Start der Musikschule Ostkreis Hannover dabei waren. Im Januar 1989 übernahm er die Leitung der Einrichtung. Der Kontakt mit seiner beruflichen Wirkungsstätte wird auch nach dem Umzug nach Ostfriesland nicht ganz abreißen, sagt er. Aber einen tiefen Einschnitt stellt der Ruhestand für ihn schon dar. So tief, dass er ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sich dann den markanten Zopf und Bart zu stutzen.ac

Von Achim Gückel

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