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Neue Foto-Ausstellung im Antikriegshaus

Sievershausen Neue Foto-Ausstellung im Antikriegshaus

Auf den Spuren der Flüchtlinge und ihrer Heimat: Eine neue Ausstellung im Antikriegshaus in Sievershausen zeigt Bilder des prämierten Hamburger Fotografen Robin Hinsch aus der zerstörten syrischen Stadt Kobane.

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Wie selbstverständlich spielt ein Kind auf einem zerstörten Panzer.

Quelle: Robin Hinsch

Lehrte. Vor einiger Zeit war die nordsyrische Stadt Kobane ein Topthema in den Nachrichten. Damals hatten Kämpfer des sogenannten Islamischen Staats die Grenzstadt zur Türkei erobert, und die kurdischen Peschmerga erkämpften sie kurze Zeit später zurück. Danach wurde es wieder ruhiger um die Stadt. Wie Kobane nach den Kämpfen aussieht, hat der Hamburger Fotojournalist Robin Hinsch im Mai dokumentiert. Seine Fotos sind jetzt in einer beeindruckenden Ausstellung im Antikriegshaus in Sievershausen zu sehen.

Die Fotos zeigen Menschen in Ruinen. „Zwischen 90 und 95 Prozent der Gebäude sind zerstört“, berichtet Hinsch bei der Ausstellungseröffnung. „Der Rest ist beschädigt.“ Er wolle vor allem zeigen, wie die Menschen mit der Situation umgehen. Zwar seien von den ursprünglich 400.000 Bewohnern nur etwa 70.000 geblieben, aber diese könnten oder wollten Kobane nicht verlassen. Es sei inzwischen auch nicht mehr so einfach zu fliehen: „Die Grenze ist geschlossen.“

Hinsch dokumentiert mit seinen Bildern den Alltag der Kinder, die unbefangen auf einem Panzer spielten, oder der Menschen, die sich mit einfachen Mitteln wieder eine Art wohnliche Umgebung schaffen. Eine staatliche Struktur bestehe kaum noch, sagt der 28-Jährige: „Die Menschen leben auf der Basis der Selbstversorgung.“

Die hannoversche Gruppe von Amnesty International, die Hinschs Besuch organisierte, hatte zur Eröffnung den Berliner Amill Gorgis eingeladen. Der gebürtige Syrer ist ökumenischer Beauftragte der syrisch-orthodoxen Kirche und übt Kritik an den USA, die mit ihrem Einmarsch im Irak 2003 erst die Entstehung des IS ermöglicht hätten. „Man hätte gedacht, dass sie aus Afghanistan gelernt hätten, wo sie die Taliban einst gegen die sowjetische Besatzung aufgerüstet haben.“

Von Michael Schütz

Interview mit Robin Hinsch

Der preisgekrönte Fotograf Robin Hinsch (28) absolviert zurzeit ein Masterstudium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Anzeiger-Mitarbeiter Michael Schütz sprach mit ihm über Krisen und Pläne.

Warum interessieren Sie sich für das Thema Krieg und Zerstörung?  
Im Fall von Kobane ist es Ursachenforschung. Es geht um ein Thema, aus dem sich auch europäische Probleme ergeben. Ich will sehen, wo die Flüchtlingskrise herkommt. 

Ist man dabei emotional engagiert oder eher Beobachter?  
Man kann sich dem nicht entziehen. Mensch bleibt Mensch und Leid bleibt Leid. 

Welche Themen bearbeiten Sie zurzeit?  
Ich bereise die Westbalkanroute. Nach Slowenien, Kroatien und Serbien will ich jetzt noch nach Mazedonien und Griechenland. Ich will die Geschichte zu Ende erzählen.

Interview: Michael Schütz

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