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Zytanier erwarten mehr als 2000 Besucher

Lehrte Zytanier erwarten mehr als 2000 Besucher

Das Aussteigerdorf Zytanien erwartet in diesem Jahr wieder mehr als 2000 Festivalbesucher. Vom 26. bis 30 August steigt das als "Woodstock des Nordens" bezeichnete Festival zum 30. Mal. Seit der Premiere hat sich einiges verändert, der Charme der Open-Air-Feier ist jedoch gleich geblieben.

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Bald steigt hier wieder das Festival: Das Zytanien-Gelände bei Immensen.

Quelle: Patricia Oswald-Kipper

Immensen. "Unsere neue Bierbar ist jetzt fertig", freut sich Christian Topf, den in Zytanien alle nur Dippen nennen. Stolz zeigt er die grünen Jägermeister-Flaschen, die in dem Rondell verbaut wurden. "Die haben wir für so eine Aktion jahrelang gesammelt", sagt Dippen. Der 52-jährige Zimmermann ist einer der Festivalorganisatoren. Er gehört zu jenen Zytanien-Pionieren, die 1986 als Aussteiger das Gelände friedlich besetzten.

1986, als Dippen dort ankam, gab es auf Zytanien weder Strom, noch fließend Wasser. Es wurden Brunnen angelegt, ein Energieanschluss geschaffen. Die Einrichtung habe man anfangs größtenteils vom Sperrmüll besorgt. "Der erste Winter war hart", erinnert Dippen sich.

Die Aussteiger richteten sich häuslich ein. Seitdem gab es viele Wechsel unter den Mitbewohnern. Die meisten haben inzwischen ganz normale Jobs, unte ihnen sind Elektriker, Taxifahrer, ein Architekt, Ingenieure und Erzieher. Manche leben wie Dippen in einem der Häuser der ehemaligen Ziegelei, mit neuem Dach und moderner Einrichtung.

Andere Aussteiger wohnen in ehemaligen Containern sowie Wohnwagen oder sie haben sich auf dem weitläufigen Gelände kleine Hütten gebaut. Die meisten haben weder Toilette noch warmes Wasser. Auch für Wärme, also einen Ofen, muss in Zytanien jeder selber sorgen.

Das Zusammenleben in der kleinen Kommune klappe trotz der vielen Wechsel in all den Jahren ganz gut, sagt Dippen. Sonntags setzt man sich zusammen und bespricht, was auf dem Gelände noch so zu tun ist. Da werden Dächer der Hallen repariert oder wie jetzt vor dem Festival auch neue Sofas oder Sessel vom Sperrmüll besorgt. "Jeder muss hier mitarbeiten", sagt Dippen. Vor allem nach dem Brand in einem Dachstuhl ist das Engagement aller gefragt. Die Zytanier sind nicht versichert und müssen alles aus eigener Tasche finanzieren. Das Dach ist schon wieder neu gedeckt.

An ihrem unkonventionellen Leben auf dem Lande lieben die meisten Zytnaier vor allem die Freiheit."So etwas gibt es woanders nicht", ist Dippen überzeugt. Gerne erzählt er die Geschichte von Gerhard Schröder, der Anfang der Neunzigerjahre den Deal mit dem Bauunternehmer einfädelte, dem das Gelände gehört. Seitdem wohnen die Zytanier legal, zahlen kaum Miete, die Erbpacht läuft über 99 Jahre.

Höhepunkt ist für die Bewohner jedes Jahr das Festival im August, das drei Tage lang dauert. Mehr als 2000 Besucher werden in diesem Jahr erwartet. Schon lange ist es kein "Umsonst-und-draußen-Festival" mehr. Die Stadt hat strenge Auflagen verhängt - dazu gehören Sicherheitsleute ebenso wie Zäune rund ums Gelände oder genügend Dixitoiletten. "Das kostet alles viel Geld", sagt Dippen. Dennoch bleibt den Zytaniern immer noch Geld übrig. Den Erlös des Festivals investieren die Bewohner in die Instandhaltung der Gebäude.

Das Festival

Das vor 30 Jahren als Geburtstagsparty entstandene Open-Air-Fest lockte bei seiner ersten Auflage bereits mehrere hundert Menschen an. Die Zytanier professionalisierten das Fest. Mittlerweile haben sie eine große Hauptbühne mit professioneller Licht und Soundtechnik. Die Ankündigungsplakate werden auch nicht mehr von Hand gemalt, sondern am Computer entworfen. Seine ursprüngliche Anziehungskraft hat das Festival jedoch bewahrt.

Die alte Industrieruine verwandelt sich jedes Jahr im August in eine Flaniermeile mit Ständen, Buden und Bühnen. Gezeltet wird auf dem benachbarten Acker. Zum 30-Jährigen vom 26. bis 30. August bieten die Organisatoren wieder ein starkes Programm: Auf der Hauptbühne spielen an drei Tagen 17 Bands. Darunter die schwedische Stoner-Rock-Band Truckfighters, die kolumbianische Rockband Doctor Krapula sowie die Münchner Band Jamaram, die neben Reggae und Dub auch Ska und Balkan Beats spielen. Außerdem haben sich Vladi Wostok, Orange, Mila Mar, Coogans Bluff und Miwata angesagt. Auf zwei weiteren Bühnen gibt es Alternatives und Technoklänge.

Die Karten für die drei Festival-Tage kosten inklusive Zeltplatz 30 Euro, an der Abendkasse 35 Euro.

Das ist Zytanien

Südlich vom Ortsteil Immensen liegt mitten zwischen Feldern ein altes Industriegelände. Hier stellte die Zytan AG bis in die Achtzigerjahre Ziegel her. Die Firma ging pleite, danach lagen die Hallen brach. 1986 besetzte eine Gruppe von Aussteigern das Gelände. Ihr Dorf nannten sie Zytanien - in Anlehnung an die alte Ziegelei. Heute leben in Zytanien 17 Menschen.

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