Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Pokémon kämpfen auf dem Friedhof

Lehrte Pokémon kämpfen auf dem Friedhof

Monsterkämpfe zwischen Grabsteinen: Der Hype um das Spiel Pokémon Go treibt in Ahlten makabre Blüten. Dort befindet sich direkt vor der Friedhofskapelle eine der virtuellen Kampfarenen, in denen Pikachu und Co. gegeneinander antreten können. Jetzt musste dort sogar schon die Polizei eingreifen.

Voriger Artikel
Ein gepanzerter Gast bei der Polizei
Nächster Artikel
Beim Zapfenstreich lodern doch die Fackeln

Die Friedhofskapelle von Ahlten: Direkt vor ihr befindet sich eine virtuelle Pokémon-Go-Arena.

Quelle: Achim Gückel

Ahlten. Was Pokémon-Go-Spieler auf der Jagd nach den putzigen virtuellen Monstern so alles unternehmen, ist für Außenstehende mitunter schwer nachvollziehbar. Ein Beispiel dafür lieferten vier junge Männer am Donnerstagabend auf dem Ahltener Friedhof am Rehwinkel. Dort fuhren die vier 21 bis 23 Jahre alten Pokémon-Enthusiasten mit ihrem Mercedes direkt vor die Kapelle, um in der dortigen virtuellen Arena Kämpfe auszutragen.

Gut 1000 Menschen haben sich am Freitag in der Stadt versammelt um das Smartphone-Game der Stunde, "Pokémon Go", zu spielen.

Zur Bildergalerie

Eine Besucherin des Friedhofs sah das und rief die Polizei. Die Beamten sprachen den vier Männern einen Platzverweis aus. Außerdem leiteten sie ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein, weil das Autofahren auf dem Friedhof verboten ist. Zu ihrer Verteidigung konnten die Pokémon-Go-Spieler nichts Vernünftiges vorbringen. Es befinde sich halt eine virtuelle Kampfarena vor der Kapelle, gaben sie an. Dort hatten sie offenbar möglichst schnell und ohne großen Aufwand hingelangen wollen.

Dass der Ahltener Friedhof zur Pilgerstätte für Pokémon-Jäger geworden ist, wurde sehr schnell nach Veröffentlichung des Spiels vor gut einer Woche klar. Schon am Montag setzte sich die örtliche SPD mit der Angelegenheit auseinander. Sie hat mittlerweile an den Hersteller des Spiels in den USA geschrieben und darum gebeten, die virtuelle Arena vom Friedhof zu entfernen und möglicherweise an einer anderen Stelle im Dorf zu platzieren. Ob die SPD mit diesem Anliegen Erfolg haben werden, ist unklar. "Das kann sicher kompliziert werden", meint Mike Hoffmann, der im September bei der Kommunalwahl für die SPD antritt. "Wir wollen aber nichts unversucht lassen", meint Ortsbürgermeisterkandidat Timo Bönig.

Aus Sicht der SPD Ahlten sei der Ort der Arena auf dem Friedhof sehr unglücklich gewählt. Sie wollen den Pokémon-Go-Spielern aber auch nicht den Spaß an der Sache verderben, sondern erreichen, "dass der Spaß der einen nicht die anderen negativ berührt", heißt es in einer Presseerklärung. Deshalb will die SPD nun Ideen sammeln, welche Orte im Dorf für eine virtuelle Monsterkampfarena besser geeignet sein könnten. Vorschläge nimmt sie unter der Mailadresse vorstand@spd-ahlten.de entgegen.

Mindestens einen weiteren Pokémon-Kampfplatz, neben jenem auf den Friedhof, gibt es in Ahlten bereits: Er befindet sich am Schlahdekamp auf dem Platz am alten Dorfteich.

Ein Kommentar von Achim Gückel

Es gibt No-Go-Areas

Pokémon Go generell zu verteufeln ist Unfug. Es ist ein Spiel der Neuzeit. Und die Kids (und nicht nur die) haben daran so viel Spaß, dass es sie sogar aus der heimischen Computer-Höhle raus ins Freie treibt. Trotzdem gibt es Grenzen. Pokémon Go auf dem Friedhof zu spielen, das geht genauso wenig wie die Jagd nach den virtuellen Mini-Monstern in Gedenkstätten, Museen oder auf Truppenübungsplätzen. Das sollte selbst jedem Zwölfjährigen klar sein, wenn er auch nur für einen Moment aus der virtuellen Welt auftaucht. Spielt also bitte, liebe Pokémon-Fans, aber schaltet den Verstand nicht völlig aus!

 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Digitales Daumenkino: So wächst das Parkhaus

Das Parkhaus in Lehrte wächst zusehends. Woche für Woche macht HAZ-Redakteur Achim Gückel ein Foto des Baus aus derselben Perspektive. Daraus entsteht ein digitales Daumenkino.