Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Angeklagter will Messer in Gericht schmuggeln

Lehrte Angeklagter will Messer in Gericht schmuggeln

Der Prozess um einen Nachbarschaftsstreit ist soweit eskaliert, dass Amtsgerichtsdirektor Robert Glaß noch während der Verhandlung in Lehrte eine Hausdurchsuchung und ein Gutachten zur Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten anordnete. Der 62-Jährige hatte ein Messer und einen Teleskopschlagstock ins Gericht schmuggeln wollen.

Voriger Artikel
Nach den ersten Tönen verfliegt Nervosität
Nächster Artikel
Unfallfahrer hat Pistole und Marihuana im Haus

Der Angeklagte flog bei einer Leibesvisitation der Polizei auf, als er in einer Aktentasche ein Messer und einen Schlagstock ins Amtsgericht Lehrte schmuggeln wollte.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. Die Waffen hatten Polizeibeamte aus der Aktentasche des 62-Jährigen Lehrters gefischt - durch reinen Zufall. Denn Kontrollen gibt es in Lehrte nur stichprobenartig hin und wieder. Gegenüber Richter Glaß verteidigte sich der Angeklagte damit, er habe sich nur gegen seine Nachbarn in der Windmühlenstraße schützen wollen.

Seine Nachbarin hatte den Mann angezeigt, weil er sie beleidigt und ihren Ehemann im Juni dieses Jahres tätlich angegriffen hatte. Der 62-jährige Angeklagte hatte seinen Nachbarn dabei so massiv geschubst, dass dieser stürzte und auf seinem Grundstück in einem Blumenbeet landete. Schäden hatte er von dem Sturz glücklicherweise nicht davongetragen.

Der Angeklagte entschuldigte sein Verhalten mit seiner großen Angst vor dem benachbarten Rentnerehepaar. Die "wollten mich weg haben", sagte er. Seit den Neunzigerjahren streite man sich. Er sprach von einer "Bande, die die Leute erpresst". Das Ehepaar habe schon Pflanzen auf seinem Grundstück mit Säure verätzt und Hundekot in seinem Gartenhaus verteilt. Außerdem würde ihn das ältere Ehepaar ständig mit Kameras überwachen. Die Nachbarn seien zudem mit einer Giftspritze hinter ihm her, und seine Kinder hätten sie auch schon misshandelt, erklärte der 62-jährige türkischstämmige Mann.

Richter Glaß wies den Angeklagten darauf hin, dass das Tragen von Eisenstangen wie Schlagstöcken nicht erlaubt ist. "Und Messer gehören auch nicht ins Gericht", betonte er. Auf Nachfrage erklärte der Angeklagte, dass er keine weiteren gefährlichen Gegenstände besitze. Die Untersuchung seines Autos beförderte allerdings ein weiteres Messer - diesmal mit einer mehr als 20 Zentimeter langen Klinge - und einen weiteren Schlagstock zutage. Sämtliche Waffen wurden beschlagnahmt.

Der Vorsitzende Richter unterbrach daraufhin sofort die Verhandlung und ordnete eine umgehende Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten an. Zudem soll ein Sachverständigengutachten nun feststellen, ob von dem 62-Jährigen eine Gefährdung für die Allgemeinheit ausgeht und ob er wegen seiner Ängste und Wahnvorstellungen medizinisch behandelt werden muss. Der Prozess wird fortgesetzt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Digitales Daumenkino: So wächst das Parkhaus

Das Parkhaus in Lehrte wächst zusehends. Woche für Woche macht HAZ-Redakteur Achim Gückel ein Foto des Baus aus derselben Perspektive. Daraus entsteht ein digitales Daumenkino.