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Handtaschenräuber muss 18 Monate in Haft

Lehrte Handtaschenräuber muss 18 Monate in Haft

Das ist kaum zu glauben: Obwohl sie auf offener Straße beraubt und verletzt wurde, hat eine 75-jährige Rentnerin das Amtsgericht gebeten, den Täter "nicht zu hart zu bestrafen". Wegen Raubes und Körperverletzung verhängte die Kammer dennoch eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten - ohne Bewährung.

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Der Lehrter Handtaschenräuber muss für ein Jahr und sechs Monate ins Gefängnis.

Quelle: Symbolbild/dpa - Puchner

Lehrte. Damit ging das Schöffengericht deutlich über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß von einem Jahr auf Bewährung hinaus. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass ihr Verhalten in keinster Weise zu tolerieren ist", sagte Amtsgerichtsdirektor Robert Glaß in Richtung des Angeklagten. Der Mann habe sich eines der schwächsten Glieder der Gesellschaft ausgesucht und seine körperliche Überlegenheit "schamlos ausgenutzt".

Der 49-Jährige hatte mit der Seniorin am 11. Dezember vergangenen Jahres gegen 16 Uhr an der Manskestraße ein paar Worte gewechselt - vielleicht weil der Mann aus Polen stammt und die Seniorin ebenfalls in Polen geboren wurde. "Der hatte eine freundliche Stimme", sagt die Rentnerin. Doch kurz darauf wollte ihr der stark alkoholisierte Mann - eine Blutprobe ergab später 3,06 Promille - die Handtasche entreißen. Als sich die Rentnerin wehrte, schubste er sie in ein Gebüsch. Bei dem Sturz verletzte sich die alte Dame an Hand, Knien, Schulter und Brustbereich. Dies hatten allerdings mehrere Zeugen beobachtet, die den Angeklagten bis zum Eintreffen der Polizei festhielten. Für ihre Zivilcourage erhielten die Zeugen von Glaß ein dickes Lob.

Vor Gericht bat der geständige Angeklagte bei seinem Opfer um Entschuldigung. Gleichzeitig berief er sich auf Erinnerungslücken. Wie das alles geschehen sei, könne er sich nicht erklären - was Glaß allerdings als Schutzbehauptung einordnete. Bei der Polizei hatte er noch ausgesagt, dass ein unbekannter Dritter der Räuber sei und er nur die Handtasche zurückgeben wollte. Das konnten aber fünf Zeugen widerlegen. Dass die angeblichen Erinnerungslücken vom Alkohol herrühren, scheint ebenfalls vorgeschoben: Bei der Vernehmung habe der 49-Jährige keine besonderen Ausfallerscheinungen gezeigt, bestätigten zwei Polizeibeamte.

Vor Gericht stand eine gescheiterte Existenz. Der 49-jährige Pole ist seit November in Lehrte, spricht kein Deutsch, ist arbeitslos und hat immer öfter mit Landleuten Zechgelage abgehalten - so wie auch am Tattag. Als strafmildernd erkannte das Amtsgericht eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund der Alkoholisierung an, und dass der Angeklagte geständig und bislang nicht straffällig geworden sei. Weil er bereits seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft sitzt, könnten sich die Gefängnistore schon Ende des Jahres wieder öffnen. "Bei guter Führung sind sie Weihnachten zu Hause", sagte Glaß.

Von Oliver Kühn

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