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Neubaugebiet darf nicht verschattet werden

Lehrte Neubaugebiet darf nicht verschattet werden

Das Gelände des Kleingartenvereins Feierabend an der Manskestraße gilt als Filetstück - und wird jetzt zu einem Neubaugebiet. Das hat der Rat am Mittwochabend beschlossen. Der Verein erhält dafür ein Ersatzgrundstück am Hohnhorstweg. Anwohner befürchten dagegen mehr Lärm und eine noch größere Parknot.

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Idyllisch direkt am benachbarten Hohnhorstsee liegt die Ersatzfläche für die Kleingartenkolonie Feierabend.

Quelle: Sandra Köhler

Lehrte. Bis auf die AfD, die sich der Stimme enthielt, haben alle Parteien den Bebauungsplan Manskestraße Nord-West befürwortet. "Das ist hervorragend gelöst", befand Burkhard Hoppe (SPD) für seine Fraktion. Denn nach dem Wohnraumversorgungskonzept gebe es erheblichen Bedarf sowohl an Wohnungen wie auch an Bauplätzen. Dennoch dürften dort keine Hochhäuser entstehen, damit die Nachbarschaft nicht verschattet werde.

Gleichzeitig müssten viele Parkplätze geschaffen werden, da in der Gegend rund um die Kolonie schon heute hoher Parkdruck herrsche. Auch die Gruppenpartner Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke hoffen auf günstigen Wohnraum. Das war vor allem Christoph Lokotsch (Linke) wichtig. "Aber auch die Umweltauswirkungen sind noch nicht endgültig klar", sagte er. Dazu meldete sich ein Anwohner aus der Straße Auf den Blockäckern zu Wort. "Wir haben mehr Lärm, bekommen drei große Bauriegel vor die Nase gesetzt und müssen vermutlich auch noch mit Kosten für den Straßenausbau rechnen."

Auf der knapp sechs Hektar großen Fläche sind Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Doppel- und Reihenhäuser geplant. Der größte Anteil der bis zu 220 Wohneinheiten ist mit 140 bis 150 in Mehrfamilienhäusern vorgesehen, die bis zu drei Vollgeschosse haben und bis zu 14 Meter hoch sein dürfen. Hinzu kommen könnten etwa 45 Reihen- und Doppelhäuser sowie fast 30 Einfamilienhäuser. Außerdem sind eine öffentliche Grünfläche, ein Spielplatz und ein Kindergarten geplant.

Wilhelm Busch sagte für die Gruppe CDU/Piraten, dass ihnen die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. "Das ist aber die einzige verfügbare Fläche, zudem bekommt der Verein ein hervorragendes Ersatzgrundstück in der Nähe." Allerdings dürfe die Umgebung nicht verschattet werden. Ulrich Gürtler (AfD) wies auf den zunehmenden Parkdruck hin. Laut Gesetz müssten auf dem Gelände mehr als 300 Parkplätze entstehen. "Das geht nur mit einer Tiefgarage, wodurch die Wohnungen teuer werden, oder mit Parkbuchten an der Straße Auf den Blockäckern. Die Anwohner werden sich nicht freuen." Dafür erhielt er Applaus aus den Zuschauerreihen. Bürgermeister Klaus Sidortschuk wies dies zurück: Für jedes Einfamilienhaus müssten zwei, für jede Wohnung 1,2 Parkplätze nachgewiesen werden: "Erwecken Sei nicht den Eindruck, dass 300 Autos in den Blockäckern oder im Buchenweg parken."

 Feierabend soll selbständig bleiben

Muss der Kleingartenverein Feierabend wirklich an den Hohnhorstsee umziehen? Oder könnten dessen Mitglieder in andere Kolonien integriert werden, um deren Leerstände zu reduzieren? Günther Kellner, Vorsitzender des Kleingartenvereins Dornröschen, ist jedenfalls verwundert, dass die Stadt und der Bezirksverband Lehrte der Kleingärtner (BVL) nie daran gedacht hätten, statt einer Ersatzfläche den Leerstand in allen 18 Mitgliedsvereinen zu ermitteln: „Vielleicht hätte das Ergebnis dazu geführt, dass durch Weitervermittlung gar keine Ersatzfläche benötigt worden wäre.“ Allein in seinem Verein, dem ältesten in Lehrte, stünden 38 von 220 Gärten leer.
Und auch die Kolonien in Aligse und Ahlten seien nicht aus der Welt. Er hätte sich gewünscht, das der Bezirksverband zumindest Kontakt zu den Vorsitzenden aufgenommen hätte. „Der Verein soll eine eigenständige Zukunft haben“, sagt dagegen Stadtsprecher Fabian Nolting. Das habe sich auch der Bezirksverband als Generalpächter gewünscht. Außerdem habe die Stadt eine passende Ersatzfläche in unmittelbarer Nähe und nicht etwa am anderen Ende der Stadt zugesagt. Darüber hinaus gebe es nicht so viele Leerstände: „Der Trend geht wieder zum Kleingarten.“
Das bestätigt der BVL-Vorsitzende Peter Heinze: „Die Leerstände sind deutlich zurückgegangen, es gibt viele Vereine, bei denen kein einziger Garten frei ist.“ Etwa 50 Feierabend-Mitglieder beabsichtigten laut Umfrage, auf das Ersatzgelände umzusiedeln, weitere hätten dies in Erwägung gezogen. „Alle würden wir gar nicht in anderen Kolonien unterbekommen.“
Henze betont, er habe sich schon sehr früh mit der von Kellner angeregten Möglichkeit auseinandergesetzt. Ein gewichtiges Gegenargument neben der 90-jährigen Tradition von Feierabend sei das individuelle Gemeinschaftgefüge gewesen: „Jede Kolonie tickt anders. Von daher können Sie nicht sagen ‘In xy ist ein Garten frei, geh mal dahin’."

Von Oliver Kühn

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