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Renitenter Fernfahrer nötigt Zivilstreife

Lehrte Renitenter Fernfahrer nötigt Zivilstreife

Der Lastwagenfahrer fuhr unfassbar dicht auf, überholte rechts und streckte der zweiköpfigen Besatzung einer Zivilstreife auch noch den ausgestreckten Mittelfinger entgegen. Vom Amtsgericht Lehrte bekam er jetzt die Quittung dafür.

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Das Amtsgericht Lehrte hat den Lastwagenfahrer mit einem Fahrverbot bestraft.

Quelle: Symbolbild

Lehrte. Diese Gerichtsverhandlung warf ein grelles Schlaglicht auf die rohen Sitten, die mitunter auf deutschen Fernstraßen an der Tagesordnung sind. Und sie endete damit, dass ein Lastwagenfahrer erbost den Gerichtssaal verließ. Nicht die Männer der Zivilstreife seien die Opfer in dieser Angelegenheit, sondern vielmehr er selbst, schimpfte der Mann.

Der Vorfall hatte sich kurz vor Weihnachten 2014 auf der A 2 bei Lehrte in Fahrtrichtung Hannover abgespielt. Dort waren die Polizisten in Zivil mit einem Kombi unterwegs. Ihr Auftrag: Beschattung eines Autos mit Anhänger. Es transportiere möglicherweise Diebesgut, hieß es.

Weil das Gespann mit den mutmaßlichen Hehlern langsam fuhr und die Zivilstreife nicht auffallen wollte, ordnete sie sich bei Lehrte auf der rechten Fahrspur ein - laut Tacho etwa mit Tempo 95. Von hinten näherte sich dann der MAN-Truck mit dem 47-Jährigen am Steuer, blendete auf, fuhr extrem dicht auf und rollte schließlich über die durchgezogene Linie auf die noch nicht freigegebene rechte Zusatzspur. An der Abfahrt auf die A 7, als sich Zivilstreife und Lastzug auf gleicher Höhe befanden, erspähten beide Polizeibeamte den Mittelfinger. Sie zeigten dem Trucker daraufhin kurz ihre Polizeikelle, setzten aber die Verfolgung der mutmaßlichen Hehler fort.

Nötigung und Beleidigung lautete nun der Vorwurf gegen den Fernfahrer. Vor Gericht räumte der Mann jedoch nicht das geringste Fehlverhalten ein. Er achte stets auf genug Abstand zum Vordermann, die Zivilstreife sei ihm in den Sicherheitsbereich hineingefahren, habe ihn quasi genötigt. Er habe auch nur zweimal kurz die Lichthupe betätigt, „aber die haben auch noch gebremst“, sagte er. Letztlich sei ihm gar nichts anderes übrig geblieben, als rechts zu überholen, denn bremsen wäre viel zu gefährlich gewesen, wollte der Mann Richter Robert Glaß weismachen. Und der ominöse Mittelfinger sei in Wirklichkeit ein nach oben gereckter Daumen gewesen.

Die zwei Polizeibeamten stellten die Sache völlig anders dar. Beim Blick in den Rückspiegel hätten sie nur noch den Kühlergrill und das Fernlicht sehen können, so dicht war der Truck an der Zivilstreife dran. „Das waren weniger als zwei Meter. Mir wurde richtig heiß. Und das ging mehrere Kilometer so“, sagte einer der Beamten aus.

Richter Glaß glaubte den Polizeibeamten und richtete deutliche Worte an den Angeklagten: „Ich habe von Ihnen nicht gehört, dass sie gebremst hätten. Sie waren verärgert, wollten nicht vom Gas gehen und haben gnadenlos durchgezogen. Das ist hochgradig gefährlich.“ Glaß sprach auch von „nicht vorhandener Einsicht“. Der Richter verurteilte den Fernfahrer zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 45 Euro und einem Monat Fahrverbot. Die Strafe fiel nur deswegen nicht noch höher aus, weil der Mann keine Vorstrafen hatte.

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