Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Rot-Rot-Grün setzt Schulpläne durch

Lehrte Rot-Rot-Grün setzt Schulpläne durch

Eine der längsten und verbissensten politischen Diskussionen der vergangenen Jahre in Lehrte ist beendet. Am Mittwochabend hat sich die Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und Linken mit ihren Plänen für die Schulentwicklung in der Stadt durchgesetzt. Die IGS soll nun vollständig in Lehrte Süd angesiedelt werden.

Voriger Artikel
Bürger sollen bei Marktstandort mitreden
Nächster Artikel
Landeserlass bringt Gnadenhof in Bedrängnis

Namentliche Abstimmung zur Schulentwicklung. Im Rat der Stadt wird jeder Mandatsträger einzeln aufgerufen, um mit Ja oder Nein zu antworten.

Quelle: Achim Gückel

Lehrte. Am Ende gab eine einzige Stimme den Ausschlag. Mit 20 Ja- und 19 Nein-Stimmen votierte der Rat für den Sechs-Punkte-Plan der Ratsmehrheit, aus deren Reihen am Mittwochabend Annika Melles (SPD) und Thomas Schwieger (Linke) fehlten. CDU, Pirat, FDP und AfD stimmten gegen den Plan. Die Gruppe CDU/Piraten scheiterte indes mit dem Ansinnen, ihren eigenen Antrag zur Schulentwicklung durchzubringen an der knappen Mehrheit aus SPD, Linken und Grünen.

Die Meinungen schieden sich bis zum Schluss insbesondere an der Platzierung der Integrierten Gesamtschule (IGS). Die Opposition hätte sie, inklusive ihrer derzeit schon in Lehrte Süd angesiedelten Oberstufe, lieber in Hämelerwald gesehen. In Lehrte Süd werde es zu einer "Kanibalisierung" mit der benachbarten Realschule kommen. Die Ratsmehrheit hält indes die IGS samt Oberstufe im Osten des Stadtgebiets für nicht überlebensfähig und möchte ihr in Lehrte Süd eine gute Erreichbarkeit aus allen Ortschaften der Stadt gewährleisten. In Hämelerwald soll nach dem Willen der Mehrheit der Versuch unternommen werden, eine Oberschule zu etablieren, also eine Haupt- und Realschule unter einem Dach.

Ob es dazu kommt, ist aber noch nicht sicher. Zunächst muss das Interesse der Eltern in den östlichen Lehrter Ortsteilen an einer Oberschule abgefragt werden. Die Erziehungsberechtigten haben es also quasi selbst in der Hand, ob Hämelerwald eine weiterführende Schule behält oder nicht. Die Oberschule wäre zweizügig. Das bedeutet 48 Eltern pro Jahrgang müssten sich dazu entschließen, ihr Kind dort anzumelden.

Vor der Abstimmung hatte sich die Debatte im Rat über mehr als anderthalb Stunden gestreckt. Redner aller Lager machten ihre Standpunkt teilweise mit Vehemenz deutlich. Es hagelte Kritik und Anschuldigungen. Indbesondere Oppositionsführer Hans-Joachim Deneke-Jöhrens hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Die Mehrheit gefährde mit ihrem Plan die Schulvielfalt in der Stadt, die Realschule in Lehrte Süd werde mit der IGS in der Nachbarschaft Existenzprobleme kriegen und den Plan, in Hämelerwald nun den Plan für eine Oberschule ins Spiel zu bringen, sei sogar "Betrug", sagte er. Für diese Schule werde es nicht ausreichend Schüler geben. Unter dem Strich werde der Plan aus dem rot-rot-grünen Lager dafür sorgen, dass Lehrter Eltern und Schüler schon bald vor einem geschrumpten Angebot an Schulformen stünden.

Bodo Wiechmann, Fraktionschef der SPD, warf hingegen der Opposition vor, keine eigene IGS-Oberstufe in Lehrte haben zu wollen. Er nannte dieses Angebot aber eine "wunderbare alternative Form, zum Abitur zu gelangen". Die IGS-Oberstufe sei ein unverzichtbarer Baustein der Bildungslandschaft in Lehrte. Und neben einem starken Gymnasium werde es auch weiter eine starke Realschule in der Stadt geben, sagte Wiechmann. Ronald Schütz (Grüne) bezichtigte die Oppostition "nur Lippenbekenntnisse" zur IGS-Oberstufe abzugeben. Und die von der CDU angetrebte Kooperation am Standort Hämelerwald mit den IGSen in Burgdorf und Uetze werde nicht finktionieren. "In Burgdorf wächst gerade eine starke IGS heran. Die werden sich den Teufel um Hämelerwald scheren", sagte Schütz.

Christoph Lokotsch (Linke) stützte die Linie der Ratsmehrheit ausdrücklich, die IGS aus Hämelerwald fortzunehmen und komplett in Lehrte Süd anzusiedeln. Es handele sich dabei um eine "lange notwendige Richtungsentscheidung", um die Schulform in Lehrte zukunftfest zu machen und sie für alle Schüler aus dem Stadtgebiet gleichermaßen gut erreichbar zu machen. Lokotsch bezeweifelte im Rat allerdings auch, dass der Plan für eine Oberschule in Hämelerwald aufgehe. "Woher die 48 notwendigen Schüler dafür herkommen sollen, erschloießt sich mir nicht", sagte er, appellierte aber trotzdem an die Eltern, an der nun anstehenden Befragung teilzunehmen.

Bei einer ersten Abstimmung zur Schulentwicklung in Lehrte waren SPD, Linke und Grüne im Juni noch mit ihren Plänen gescheitert. Damals war noch vorgesehen gewesen, die weiterführende Schule in Hämelerwald ganz zu schließen. Diesen Plan trugen die SPD-Ratsherren Thomas Diekmann und Dirk Werner aus Hämelerwald (beide SPD) nicht mit. Die Mehrheit platze. Aber auch die Opposition konnte sich mit ihrem Ansinnen einer IGS allein in Hämelerwald nicht durchsetzen. Nach massiven Bürgerprotesten aus der Ortschaft brachte die Ratsmehrheit schließlich den Versuch ins Spiel, es mit einer Oberschule in Hämelerwald zu versuchen - ein Weg, den auch Werner und Diekmann jetzt mitgingen.

Interfraktionelle Gespräche zwischen den beiden streitenden Lagern waren in der zweiten Hälfte der Sommeferien ohne Ergebnis geblieben.

Das ist der 6-Punkte-Plan

Das Gymnasium soll erweitert und umgebaut werden, um den Schülerboom zu bewältigen. Dafür soll die Verwaltung gemeinsam mit der Schulleitung Pläne erarbeiten und Geld im Haushalt 2018 sowie in der Finanzplanung bis 2021 bereitstellen. Über diesen Punkt waren sich im Rat alle Parteien grundsätzlich einig.

Der Sitz der IGS Lehrte wird nach und nach komplett nach Lehrte Süd verlegt. Für den derzeitigen IGS-Standoret in Hämelerwald gibt es einen Übergangsplan.

Die Realschule in Lehrte Süd wird fortgeführt. Sie soll stärker als bisher mit der IGS zusammenarbeiten, vor allem im Hinblick auf die dortige Oberstufe.

Die Hauptschulein Lehrte Süd wird ab dem Schuljahr 2018/19 aufgehoben.

Die Stadtverwaltung soll nun ein it den Schulleitungen abgesimmtes Raumprogram  für Erneuterungen und Umbauten des Schulzentrums Lehrte Süd erarbeiten. Dabei sllen unter anderem Flexibilität und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen.

Im Schulzentrum Lehrte-Ost in Hämelerwald soll eine Oberschule eingerichtet werden. Dazu soll es Informationsveranstaltungen für Eltern sowie einen Nachweis des Bedarfs, also eine Umfrage, geben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6xgyhvdjvaq7wcuphh6
Stück über den Leidensweg von KZ-Häftlingen

Fotostrecke Lehrte: Stück über den Leidensweg von KZ-Häftlingen