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Sammelunterkünfte voll belegt

Lehrte Sammelunterkünfte voll belegt

Die ersten großen Sammelunterkünfte der Stadt in der Manskestraße und Nordstraße sind kurz vor Weihnachten nahezu voll belegt worden. An den beiden Standorten betreut die Arbeiterwohlfahrt (AWO) rund 150 Flüchtlinge.

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Erschöpft, aber angekommen: Yahya Ibrahim und Hassn Hsain lassen sich in der Containeranlage an der Manskestraße von Landsmann Mohamed Ahmed Tipps geben.

Quelle: Oliver Kühn

Lehrte. In der Unterkunft an der Manskestraße - die AWO nennt sie Wohnhaus - leben rund 100 Sudanesen, davon 40 junge Männer in Containern. Spinde, ein Tisch, zwei Stühle, vier Betten - mehr Platz ist meist nicht in den Räumen. Doch viele Flüchtlinge können ihre Habseligkeiten ohnehin in zwei Plastiktüten unterbringen und sind meist erstmals zufrieden. „Das ist ein bisschen wie Studentenwohnheim-atmosphäre“, beschreibt es Einrichtungsleiter Markus Stünkel. Das Miteinander sei sehr gut, Konflikte gebe es keine. Treffpunkt ist die Küche, wo sich die Asylbewerber selbst versorgen.

Gegen die Langeweile haben mehr als zehn Ehrenamtliche des Flüchtlingsnetzwerkes Lehrte hilft Sprach-, Musik- und Bastelkurse organisiert, dazu kommen Sportangebote von Thai-Boxen über Fußball bis zum Tischtennis. Ein Krökeltisch und ein Basketball müssen noch aufgebaut werden. „Ohne sie wäre das alles nicht möglich“, zeigt sich Stünkel beeindruckt. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt sei sehr gut. Die Kinder kämen sofort in die Schule, nur bei Kita-Plätzen sei es schwieriger.

Zwei Sozialarbeiter kümmern sich um die Bewohner - angelegt ist die Betreuung auf zunächst drei Jahre. Dazu kommen drei Flüchtlinge, die die AWO in Teilzeit als Sozialassistenten eingestellt hat. Mohamed Ahmed macht das ehrenamtlich. Er ist schon eineinhalb Jahre in Deutschland, spricht bereits ganz gut Deutsch und übersetzt für seine Landsleute. Der 26-Jährige fängt im Januar als Hausmeister der AWO in der Unterkunft Nordstraße an. „Mein erster Job in Deutschland“, sagt er und lächelt. Im Frühjahr soll im Hof ein Nachbarschaftsfest organisiert werden.

In der Nordstraße, eigentlich als Notunterkunft für Obdachlose gebaut, leben jetzt auch rund 50 Flüchtlinge, vorwiegend Familien aus Syrien und dem Irak. „Auch dort gibt es keine Probleme“, sagt Stünkel. Die Zimmer haben einen eigenen Küchenblock mit Herd, Spüle und Kühlschrank sowie Dusche und WC.

Flüchtlinge kochen für Helfer

Die Flüchtlinge im Wohnheim an der Manskestraße haben am Montagnachmittag zu einer interkulturellen Weihnachtsfeier eingeladen und für die Besucher gekocht. Zwischen den Ehrenamtlichen und ihren Schützlingen sind persönliche Beziehungen entstanden.Weihnachtsfeiern gibt es in diesen Tagen viele. Aber einige sind in diesem Jahr anders, denn sie werden von Menschen gefeiert, die vor sechs Monaten noch nicht in Deutschland waren. Die Flüchtlinge in Lehrte, in der Mehrheit Muslime, setzen sich gerade mit dem allgegenwärtigen Phänomen Weihnachten auseinander – so auch die Gruppe von 59 Sudanesen, die auf dem ehemaligen Stadtwerke-Gelände Unterkunft gefunden haben. Eigentlich sollte bei der Feier gar nicht Weihnachten im Mittelpunkt stehen. „Die Flüchtlinge wollten mit einem Fest den Unterstützern danken“, erklärte Gabriele Schuppe von der AWO. In ihrer Ansprache erklärte Schuppe den Flüchtlingen, dass Kinder in Deutschland an Heiligabend beschenkt werden. Deswegen war eine Gruppe Angestellter einer Lehrter Bank an die Manskestraße gekommen, um die Flüchtlingskinder in einer kleinen Aktion mit Präsenten zu überraschen.

Die Asylsuchenden in der Unterkunft hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, um teils exotische Speisen zu zaubern. „Das hat hier schon den ganzen Tag wunderbar gerochen“, zeigten sich Schuppe und ihr neuer Kollege Markus Stünkel begeistert. Die Gerichte gerieten durchaus gut. Kein Wunder, denn die zwei Bewohner Salim Amad und Imad Kabashi halfen mit. Sie sind gelernte Köche. „Ich habe einige Zeit in libyschen Hotels gearbeitet“, erklärte der 29-jährige Kabashi. Die eingeladenen ehrenamtlichen Helfer ließen sich nicht lange bitten und nutzten die Gelegenheit, sich an den Tischen mit ihren Schützlingen ausgiebig zu unterhalten. Darunter war auch Rita Fischer. Die Lehrterin gibt für die Sudanesen Deutschunterricht und hat inzwischen mehr als nur eine pädagogische Beziehung zu ihren Schülern aufgebaut. „Sie nennen mich sogar Mama“, meinte die Einzelhandelskauffrau, die sich ehrenamtlich auch im Montagscafé und in einem Burgdorfer Wohltätigkeitsladen engagiert. Der Grund, warum Rita Fischer so viel private Zeit investiert, ist für sie ganz einfach: „Die Flüchtlinge geben mir viel zurück“, sagte die 65-Jährige, „viel Liebe und Anerkennung.“

Von Michael Schütz

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