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Wenn Worte zur Waffe werden

Lehrte Wenn Worte zur Waffe werden

Sie standen sich gegenüber, beäugten sich misstrauisch, verletzten sich mit Worten, nahmen sich in die Arme, küssten und schlugen sich: In diesem Wechselspiel verlief die Theateradaption des Films „Das Interview“ von Theo van Gogh auf der Bühne im Kurt-Hirschfeld-Forum.

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Rollentausch beim Interview: Auch Soap-Star Katja, gespielt von Julia Grimpe, kann unbequeme Fragen stellen. Journalist Peter, gespielt von Gregory B. Waldis, gerät in Erklärungsnot.

Quelle: Susanne Hanke

Lehrte. Dabei trafen zwei Charaktere aufeinander, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht hätten sein können. Der Journalist Peter Petersen interviewt den Soap-Star Katja Schuurman. Petersen ist eigentlich für das Politikressort zuständig, muss aber für einen Kollegen einspringen und das Interview mit dem Filmsternchen führen.

Dabei versuchen beide, die Tarnung ihres Gegenübers zu durchbrechen, um an den Menschen dahinter zu gelangen. Petersen (Gregory B. Waldis) prescht dabei in Wort und Gesten vor, während Schuurman (Julia Grimpe) scharfzüngig und mit bitterem Humor ihre Stellung verteidigt.

Allerdings verkehrt sich die Ausgangssituation gleich zu Anfang, und Soap-Star Katja Schuurman stellt die Fragen. Während Petersen sich offenbart und seine arrogante Hülle zugunsten einer verletzlichen Seele fallen lässt, verbeißt sich Katja gnadenlos in ihre Rolle als seelenloses Geschöpf.

Immer wieder wird dem Zuschauer ein Blick hinter die Maske gewährt, der jedoch im nächsten Moment wieder ad absurdum geführt wird. „Ich will dein Geheimnis erfahren, weil wir verwandte Seelen sind“, versucht der Journalist eine gemeinsame Ebene aufzubauen. „Was krieg’ ich zurück? Was krieg’ ich dafür, wenn ich dir mein Geheimnis verrate?“, fragt Katja. „Was willst du dafür?“, entgegnet er – doch diese Frage bleibt unbeantwortet. Es gelingt, den Dialogen mühelos zu folgen, denn die Protagonisten verharren immer wieder, lassen dem Publikum einen Augenblick der Ruhe, bevor das Rededuell in die nächste Runde geht.

In Nähe und Ablehnung tanzten die beiden Akteure umeinander, was immer mehr Formen eines Beziehungsdramas annahm. Auch hier stand die Frage im Raum, wieweit sich jeder dem anderen zu erkennen gibt. Auf der medialen Ebene bedeutet dies jedoch, wie öffentlich ich mich mache. Eine spannende Auseinandersetzung, von den Schauspielern akzentuiert in Szene gesetzt.

Von susanne Hanke

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