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Schwere Kost über Widerstand im Dritten Reich

Lehrte Schwere Kost über Widerstand im Dritten Reich

Stiefel knallen, die rote Fahne mit Hakenkreuz im Wechsel mit Biedermeiersofa und Pantoffeln – so gestalteten sich die ersten Szenen des Schauspiels „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada. Es war keine leichte Kost und oft schwer auszuhalten für das Publikum im Kurt-Hirschfeld Forum.

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Schmieden Pläne für den Widerstand: Trudel Baumann (Elisabeth Halikiopoulus, von links), Anna (Hellena Büttner) und Otto Quangel (Peter Bause).

Quelle: Susanne Hanke

Lehrte. Die Geschichte um das Arbeiterehepaar Quangel, das die Nachricht vom "Heldentot" ihres Sohnes aufrüttelt und zum Widerstand veranlasst, wurde von Fallada nach einer wahren Begebenheit geschrieben.
Die Bühnenadaption von Volkmar Kamm zeigte schonungslos die Charaktere der Denunzianten, Überläufer, Spitzel und überzeugten Nazis - und ihrer Opfer.

Wie sich der wortkarge Otto Quangel aus seinem Schneckenhaus herausbewegt und einen Weg findet, um mutig seine Ansichten zu vertreten, war gut zu verfolgen. Wie dicht sich das Netz aus Bespitzelung, Gewalt und Befehlsgehorsam um das Ehepaar spannt, wurde durch die kurzen, wechselhaften Szenen deutlich. Etwa als sich das Ehepaar mit dem Schreiben von provokanten Postkarten im Wohnzimmer befasst - während die folgende Szene, nur durch das Drehen der Requisiten, zum Spielplatz der nationalsozialistischen Gesinnungsgenossen wird.

Pistolenschüsse ließen das Publikum zusammenzucken, ein Unschuldiger wird zum Sündenbock gemacht, drangsaliert und zum Bühnenrand gedrängt. Aufgezeigt wurde aber auch, wie innerhalb des Machtapparates die Verhältnisse kippen. Erst noch als erfolgreicher Ermittler ausgezeichnet, wird Kommissar Escherich gnadenlos gefoltert, weil das erwünschte Ergebnis dem Gestapo-Chef nicht passt. Katzbuckelnd kehrt er zurück auf seinen Posten und ekelt sich vor sich selbst.

Allein die Botschaft, dass sich ein guter Samen ausbreitet, schimmerte immer wieder durch. Umsonst geschehe nichts in dieser Welt, und da wir gegen die rohe Gewalt für das Recht kämpfen, werden wir am Schluss doch die Sieger sein, heißt es im Roman von Fallada.

Von susanne Hanke

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