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Ein Schauspiel gegen die Schubladen im Kopf

Lehrte Ein Schauspiel gegen die Schubladen im Kopf

Eine schauspielerische Glanzleistung, ein Lehrstück über das Leben dreier Wissenschaftlerinnen, eine Motivation für wissenschaftlich interessierte Mädchen und Frauen: All das erlebten die Zuschauer bei der großartigen Aufführung des Stücks „CURIE_MEITNER_LAMARR_unteilbar“ in der Alten Schlosserei

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Marie Curie, Lise Meitner, Hedy Lamarr: Schauspielerin Anita Zieher verkörpert auf der Bühne alle drei Wissenschaftlerinnen. 

Quelle: Gabriele Gerner

Lehrte. Immer diese Schubladen! Die Schubladen, in die die Leute versuchten, die drei Wissenschaftlerinnen zu stecken. Die Welt feierte die Chemikerin und Physikerin Marie Curie als Heldin, als sie im Ersten Weltkrieg durch die Entwicklung von Röntgenwagen Hunderttausenden Verwundeten das Leben rettete. Doch dass auch ihr der Nobelpreis für die Forschung zu Strahlungsphänomenen verliehen wird, nicht nur ihrem Mann Pierre und Henri Becquerel, musste sie sich erst erkämpfen. Die Öffentlichkeit liebte von Marie Curie das Bild des armen, polnischen Mädchens, das frierend und hungernd in der Dachkammer seine Experimente durchführte. Doch als sie nach dem Tod ihres Mannes eine Affäre mit einem Assistenten hatte, beschimpfte man sie weltweit als „Ehebrecherin“ und riet ihr davon ab, ihren zweiten Nobelpreis entgegenzunehmen.

Die Kernphysikerin Lise Meitner empörte sich darüber, als „Mutter der Atombombe“ bezeichnet oder lediglich als Jüdin gesehen zu werden. Und sie musste ertragen, dass ihr der Nobelpreis verwehrt blieb, weil sie im Exil zu wenig wissenschaftlich publiziert hatte. Hedy Lamarr hingegen spielte gekonnt mit den Rollenzuweisungen – schließlich war die Schauspielerei ihr Hauptberuf. Sie narrte die Männerwelt, indem sie das naive Dummchen darstellte – und entwickelte stillschweigend ein Frequenzsprungverfahren. Heute noch ist dieses die Basis jedes Handys und Laptops.

Die eine kochte im Labor das Abendessen für die Familie, die andere heiratete gar nicht, die dritte tat es etliche Male. Gemeinsam ist allen drei Frauen ein motivierender Vater, der sie als Mädchen ernst nahm und die Begeisterung für die Naturwissenschaften in ihnen entfachte, die Liebe zu ihrer Arbeit, ihre Beharrlichkeit und ihr Kampf gegen diskriminierende Rollenbilder.

All dies brachte Schauspielerin Anita Zieher in einer Dreifachrolle beeindruckend auf die Bühne. Den Text zum Stück hat sie gemeinsam mit der Regisseurin Sandra Schüddekopf geschrieben und von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern prüfen lassen.

Umrahmt wurden die Bühnenakte durch erheiternde Filmsequenzen. Dabei erforschten drei Mädchen aus der heutigen Zeit wissenschaftliche Zusammenhänge. Sie zeigten, dass auch Bananen radioaktive Strahlung aussenden und dass es auch heute noch Vorurteile gegenüber Frauen und Mädchen in Wissenschaft und Technik gibt. Dazu lasen sie aus alten Büchern und Gegenwartsliteratur vor und zeigten: Es gibt sie noch, die Schubladen im Kopf.

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Von Gabriele Gerner

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