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Ausschuss empfiehlt: IGS nach Lehrte Süd

Lehrte Ausschuss empfiehlt: IGS nach Lehrte Süd

Wird die Integrierte Gesamtschule (IGS) komplett in Lehrte Süd konzentriert und der Standort in Hämelerwald aufgegeben? Der Lehrter Schulausschuss hat diese Frage jetzt mit einem Ja beantwortet. Die Mehrheit dafür fiel jedoch hauchdünn aus und könnte schon nächste Woche im Rat der Stadt wieder kippen.

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Zur Sondersitzung des Schulausschusses kommen mehr als 100 Zuhörer in die Begegnungsstätte an der Goethestraße.

Quelle: Achim Gückel

Lehrte. Es war eine denkwürdige Sondersitzung des Schulausschusses. Weit über 100 Menschen waren am Dienstagabend in die Begegnungsstätte an der Goethestraße gekommen - unter ihnen viele Eltern, Lehrer und auch einige Schüler. Nach dreieinhalbstündiger, meist sachlicher Diskussion, bei der am Ende auch viele der Gäste zu Wort kamen, stand eine halbe Stunde vor Mitternacht das Votum fest: Sieben Stimmberechtigte votierten für den Antrag der Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und Die Linke zur Schulentwicklung in Lehrte, sechs dagegen. Nun hat der Rat in seiner Sitzung am Mittwoch, 21. Juni, ab 18 Uhr im Kurt-Hirschfeld-Forum das letzte Wort.

Sprecher der Mehrheit hatten zunächst vehement für den Antrag geworben, der gravierende Veränderungen in der Lehrter Schullandschaft mit sich bringen wird. Demnach soll das Gymnasium saniert und ausgebaut und die IGS, die derzeit noch an zwei Standorten beheimatet ist, in Lehrte Süd zusammengefasst werden. Dafür soll der Schulstandort am Ried in Hämelerwald aufgegeben werden. Diese Marschroute sei nicht das, was sich die Ratsmehrheit vor drei Jahren vorgestellt hatte, gab Maren Thomschke (SPD) zu. Damals hatte eine Elternbefragung noch ergeben, dass sowohl in Hämelerwald als auch in Lehrte Süd eine IGS existieren könnte. Mittlerweile habe jedoch wegen der Wiedereinführung des Abiturs nach neun Jahren ein Run auf die Gymnasien eingesetzt. "Und das passt nicht zu dem, was wir uns vorgestellt haben", sagte Thomschke. Also müsse man auf die neue Situation nun reagieren.

Carsten Milde (Grüne) und SPD-Fraktionsvorsitzender Bodo Wiechmann betonten indes, dass der Fortbestand einer IGS allein in Hämelerwald unsicher sei, weil dort die Schüler fehlen könnten. Wiechmann legte dazu auch Berechnungen vor, in denen er mögliche Schülerzahlen einer vollständigen IGS in Hämelerwald oder in Lehrte Süd gegenüberstellte. Sein Ergebnis: In Lehrte Süd könnten in der Sekundarstufe I pro Jahrgang etwa 125 Schüler die IGS besuchen, in Hämelerwald seien es etwa 75. Für eine Oberstufe in Hämelerwald fehle bei 45 Schülern aber eine rechtlich ausreichende Basis. Diese gebe es nur in Lehrte Süd mit gut 60 Schülern.

"Und wenn das so ist, können wir in Hämelerwald nicht weitermachen", sagt Wiechmann. Letztlich gehe es darum, im Stadtgebiet ein möglichst breit gefächertes Bildungsangebot vorzuhalten. Dass SPD und Grüne noch vor drei Jahren auf zwei parallele IGSen in der Sekundarstufe I gesetzt hatten, sei ein Beschluss, den es nun zu korrigieren gelte. Die Lehrter Schulpolitik von Rot-Grün sei auch nicht gescheitert, betonte der SPD-Fraktionschef: "Aber wir sind lernfähig."

Von der Opposition hagelte es Kritik. CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Deneke-Jöhrens zweifelte die Rechnungen Wiechmanns an. Die Christdemokraten hätten hingegen schon immer prophezeit, dass die IGS, so wie sie von der Ratsmehrheit durchgedrückt worden sei, nicht auf Dauer funktionieren kann. Jetzt die IGS komplett nach Lehrte Süd zu holen, sei "Flickschusterei" und führe zu einem "Kannibalismus" unter den Lehrter Schulen, die sich gegenseitig die angehenden Abiturienten wegnähmen. "Wir glauben, zwei Oberstufen in Lehrte gehen auf Dauer nicht", sagte Deneke-Jöhrens. Auf der anderen Seite könne es sich die Stadt aber nicht leisten, eine Schule leer stehen zu lassen, nämlich jene in Hämelerwald.

Die CDU ihrerseits kassierte einmal mehr heftige Kritik von der Ratsmehrheit. Die Christdemokraten blieben schon seit Jahren Antworten darauf schuldig, was sie in der Lehrter Schulentwicklung eigentlich konkret wollen, sagte Wiechmann. Es sei kein Gestaltungswille und auch keine Suche nach Lösungen erkennbar. Deneke-Jöhrens sagte indes, seine Fraktion stehe "für weitere Gespräche, auch in den Ferien, zur Verfügung". Man wolle keine Verhinderungspolitik betreiben.

Breiten Raum in der Diskussion nahm auch die Frage nach den möglichen Kosten für Um- und Anbauten am Schulzentrum Süd oder in Hämelerwald ein. Die CDU zweifelte die dazu vorgelegten Zahlen der Verwaltung grundsätzlich an. Diese seien "vorläufig, nicht belastbar und nicht nachvollziehbar", sagte Deneke-Jöhrens. Auch Annette Sturm-Werner (FDP) meinte, es sei wirtschaftlich vernünftiger, in Hämelerwald anzubauen. Damit würde auch eine Investition in die dortige Dorfentwicklung geleistet. Die Kosten für die Schließung, eventuellen Abriss oder die Nachnutzung des Schulgebäudes Am Ried seien zudem kaum kalkulierbar.

SPD-Fraktionschef Wiechmann indes ließ keinen Zweifel aufkommen, dass die Ratsmehrheit "Bildung nicht unter einen Finanzierungsvorbehalt" stelle. "Wenn wir dafür Schulden machen, dann machen wir eben Schulden", sagte er. Außerdem rede man bei den nun anstehenden Investitionen, zu denen nicht nur der Schulausbau, sondern auch die Sanierung des Rathauses und der Bau der neuen Feuerwache gehört, von einem Programm über zehn Jahre. Lehrte sei finanzstark. Es werde zwar Schulden machen müssen, "aber keine 100 Millionen Euro", hielt Wiechmann den Kritikern vor.

Am Ende der Marathon-Sitzung meldeten sich auch einige geduldige Gäste zu Wort. Eine Mutter etwa kritisierte, dass die IGS in Hämelerwald von Ahlten aus schwer erreichbar sei. Sie plädierte dafür, die Schule komplett nach Lehrte Süd zu verlegen. Das sei für alle Schüler aus dem Stadtgebiet gut erreichbar. In dieselbe Kerbe hieb auch ein Schüler der IGS-Oberstufe. Eine IGS-Lehrerin beschwor die Lokalpolitiker, ihre Schule in Lehrte Süd zusammenzufassen. "Wenn wir erst einmal dort sind, wird sich die Schule entwickeln", sagte sie und warf der Ratsopposition vor, es der IGS durch "vehementes Dagegenreden" so schwer wie möglich zu machen.

IGS-Leiter Bernhard Mellentin schließlich richtete einen eindringlichen Appell an die Entscheidungsträger: "Es geht um die Überlebensfähigkeit unserer Schule", sagte er. Eine IGS an zwei Standorten könne nicht ihre volle pädagogische Leistungsfähigkeit entfalten. Und das habe zur Konsequenz, "dass man aus Hämelerwald herausgehen muss". Damit fälle man keine Entscheidung gegen Hämelerwald, sondern vielmehr für die IGS.

Eine Mehrheit, die gar keine ist?

Auf den ersten Blick scheint alles klar zu sein: Siebenmal Zustimmung für die Pläne der Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und Die Linke, sechsmal Ablehnung: So sah die Empfehlung im Schulausschuss am Dienstagabend aus. Doch diese Mehrheit ist bei der entscheidenden Abstimmung am nächsten Mittwoch möglicherweise gar keine mehr.

Im Detail: Ja zum Umzug der IGS nach Lehrte Süd sagten am Dienstagabend die Sozialdemokraten Bodo Wiechmann, Maren Thomschke, Michael Clement, der Grüne Carsten Milde, Christoph Lokotsch von Die Linken sowie Beate Forgber, Leiterin der Albert-Schweitzer-Grundschule, als Vertreterin der Lehrkräfte und Frank Scherling als Elternvertreter. Mit Nein votierten Hans-Joachim Deneke-Jöhrens, Heike Koehler, Jonas Schlossarek und Reneé-Michael Friedrich von der CDU, Annette Sturm-Werder (FDP) und Ulrich Gürtler (AfD) sowie Ausschussvorsitzender Thomas Diekmann (SPD).

Forgber und Scherling sind allerdings nur im Schulausschuss  stimmberechtigt. Im Rat sind sie es nicht. Und dort haben SPD, Grüne und Die Linke mit 21 von insgesamt 41 Stimmen nur einen hauchdünnen Vorsprung - der wegen zweier Hämelerwalder in den Reihen der SPD zu platzen droht.

Denn Diekmann sowie Hämelerwalds Ortsbürgermeister Dirk Werner haben sich schon längst festgelegt, dass sie den Schulstandort in Hämelerwald nicht preisgeben wollen.  "Warum einen Schulstandort aufgeben und an anderer Stelle viel höhere Kosten verursachen?", fragte Diekmann im Ausschuss. Mithin sei die Schule an der Straße Am Ried ein Standortfaktor für Lehrtes Ost-Dörfer. Er sei im Übrigen ebenso den Bürgern in seiner Ortschaft verpflichtet, die ihn dort auch in den Ortsrat gewählt haben, wie der Stadt, sagte Diekmann. Er sitze also zwischen den Stühlen. Diekmann kritisierte jedoch auch die von seinem Fraktionschef Bodo Wiechmann vorgelegten Berechnungen zu den Auslastungen einer IGS in Lehrte Süd und in Hämelerwald. Diese Zahlen seien lediglich "Hoffnungen", sagte Dieckmann, der auch die Kostenberechnungen der Verwaltung für Um- und Anbauten in Hämelerwald nicht nachvollziehen mag: "Es ist kein Bemühen für eine wirtschaftliche Variante zu sehen", kritisierte er.

Auch auf die Anregung von Carsten Milde (Grüne), sich bei der entscheidenden Abstimmung am 21. Juni im Rat doch wenigstens zu enthalten, ging Diekmann nicht ein. "Eine Enthaltung gibt es nicht", sagte der Hämelerwalder.

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