Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Das Idyll hinter der Backsteinmauer

Lehrte Das Idyll hinter der Backsteinmauer

Der Alte Friedhof in Arpke ist aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf geweckt worden: Die Siedlergemeinschaft hat das Gelände an der Straße Zum Hämelerwald innerhalb von sechs Jahren auf Vordermann gebracht - und dabei dennoch den Charme des Verwunschenen bewahrt.

Voriger Artikel
Stadtpark: Lässt sich Stadt etwas schenken?
Nächster Artikel
Radweg ist ab heute wieder befahrbar

Renate Obermeier hat das Sandsteinkreuz ihrer Großeltern wieder aufstellen lassen. Um es zu sichern, hatte sie es von dem einst verwilderten Friedhof seinerzeit entfernen lassen.

Quelle: Katja Eggers

Arpke. Hinter dem denkmalgeschützen Friedhofsmauer aus Backstein liegt ein kleines Idyll. Wer durch das schmiedeeiserne Tor geht, steht inmitten von hohen Bäumen und alten Grabstellen mit verwitterten Steinen. Auf manchen sind noch die Inschriften zu lesen. Es gibt Familiengräber, Einzel- und Doppelgräber, Kindergräber und Gräber dreier unbekannter Soldaten. "Insgesamt sind etwa 100 Grabstellen aufgelistet", sagt Renate Obermeier von der Siedlergemeinschaft.

In der sogenannten Lehrer-Ecke ruht ein Lehrer mit Frau und Tochter, in einer anderen Ecke die Gärtnerin neben dem Zahnarzt. Den Grabstein von Flugkapitän Otto Kindervater ziert eine Propellermaschine. In der Nähe des Eingangs ruhen sogar  die Gebeine einer Ermordeten: Berta Kiel wurde 1950 in ihrem Häuschen im Hainhoop getötet. Was damals genau geschah, weiß Obermeier nicht so genau. "Aber als Kinder haben wir uns damals nicht an dem Haus vorbei getraut. Das war irgendwie unheimlich", sagt sie.

Obermeier kennt auf dem Friedhof jeden Winkel. Zusammen mit anderen Siedlern hat sie dort immer wieder Büsche und Hecken geschnitten, Wege wieder begehbar gemacht und etliche Gräber freigelegt. "Hier war alles zugewuchert, es gab kein Durchkommen mehr", erinnert sie sich.

Die Siedler haben auch eine große Grabstele wieder aufrichten lassen. Sie war nicht mehr standsicher gewesen. Ein Steinmetz baute den Obelisk mithilfe eines Krans nun wieder auf und befestigte sie. Fliesen mit den Namen von Verstorbenen haben die Siedler hingegen selber angebracht, und zwar auf einem großen Stein in der Nähe des Eingangs. "Die Plaketten haben wir in einer Hütte gefunden, sie waren keinen Gräbern zuzuordnen", berichtet Obermeier.

Die Arpkerin hat eine enge Bindung zu dem Friedhof: Ihre Großeltern ruhen dort. Um das große Sandsteinkreuz samt Kopfsteinen für Pastor Andreas Schöne (1881-1967) und seine Ehefrau Gertrud (1886-1949) zu sichern, hatte Obermeier es einst von dem verwilderten Friedhof nehmen lassen. Nun, da der Friedhof wieder begehbar ist, hat das Kreuz dort wieder seinen Platz.

Im Frühjahr haben die Siedler auf dem Friedhof zudem einen lauschigen Platz mit Baumstümpfen zum Sitzen angelegt. Pastorin Anna Walpuski hält dort gern Konfirmandenunterricht ab. Ein Regionsgottesdienst ist dort auch schon über die Bühne gegangen. Der Friedhof ist zudem ein Paradies für Singvögel. "Und wenn die Rhododendren blühen, ist es noch idyllischer", sagt Ines Schwierzke, Vorsitzende des Kirchenvorstands.

Der Alte Friedhof in Arpke gehört der Kirchengemeinde zum Heiligen Kreuz. Die Anlage wurde 1859 eröffnet und 1951, als sie zu klein wurde, offiziell geschlossen. Nach der Eröffnung des städtischen Friedhofs im gleichen Jahr fanden auf dem Alten Friedhof nur noch wenige Erbbegräbnisse statt. Heute haben nur noch zwei Personen das Recht, dort bestattet zu werden.

doc6qmsnod8variii7m6gl

Fotostrecke Lehrte: Das Idyll hinter der Backsteinmauer

Zur Bildergalerie

Von Katja Eggers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Digitales Daumenkino: So wächst das Parkhaus

Das Parkhaus in Lehrte wächst zusehends. Woche für Woche macht HAZ-Redakteur Achim Gückel ein Foto des Baus aus derselben Perspektive. Daraus entsteht ein digitales Daumenkino.